Mario Basler
Mario Basler Bild © picture-alliance/dpa

Das Ende von Mario Basler als Trainer von Rot-Weiss Frankfurt ist auch das Ende eines Missverständnisses. Enttäuscht blicken sowohl der Verein als auch der Coach zurück auf die gemeinsame Zeit - und nicht alle finden dabei zum Abschied versöhnliche Worte.

Die Geschichte zwischen Mario Basler und Rot-Weiss Frankfurt begann wie ein Hollywood-Film. Frei nach dem Motto "Ziemlich beste Freunde" kam der einstige Nationalspieler als Trainer in die Hessenliga – ein Freundschaftsdienst, von dem sich der sportlich und finanziell angeschlagene Club viel erhoffte. "Natürlich hätten wir uns sportlich mehr gewünscht, natürlich haben wir auf den Basler-Effekt gehofft – auch in Sachen Sponsorensuche. Aber es hatte nicht den erhofften Effekt", sagte RW-Präsident Ersan Dincer im Gespräch mit dem hr-sport. Denn anders als im Kino blieb das Happy End aus.

Nach 57 Tagen endete in dieser Woche das Engagement von Basler bei den Frankfurtern. Es war auch das Ende eines Missverständnisses, einer Geschichte, die geprägt ist von beiderseitigen Erwartungen, von Enttäuschungen und Misstönen war. Von verpassten Trainingseinheiten Baslers war da die Rede, von einem vollen Terminkalender und letztlich wenig Hilfe. "Aufgrund seines Terminplans war klar, dass sein letztes Spiel am 9. Dezember stattfindet", so Dincer. Auch wenn Basler am Ende einige unangemessene Äußerungen gemacht habe, betonte Dincer: "Wir sind nicht im Streit auseinandergegangen."

"Basler-Effekt" verpufft

Allzu versöhnlich klingt das aus Baslers Mund aber nicht. "Was der Verein so von sich gegeben hat – das waren schon sehr überraschende Aussagen", beklagte der Ex-Profi im Gespräch mit dem hr-sport. Vor allem die Frage nach seinem vollgepackten Terminkalender bewegt ihn. "Natürlich habe ich den einen oder anderen Termin gehabt, der auch mit dem Verein konkret abgesprochen war. Aber so wie es dargestellt wird, dass ich immer weniger Zeit hatte, das entspricht nicht der Wahrheit", betonte Basler.

Der ehemalige Bundesliga-Torschützenkönig glaubt, dass der Verein aus dem Hype um seine Person zu wenig Profit geschlagen hat. "Bei der Vorstellung waren acht oder neun Kamerateams und 30 Journalisten da. Und dann hat es der Verein nicht geschafft, auch nur einen Termin mit einem Sponsor oder einem möglichen Sponsor zu machen", sagte Basler. Dabei sei genau das eigentlich gar nicht seine Aufgabe gewesen. "Ich bin als Trainer und nicht als Marketingchef geholt worden."Dennoch zeigte sich der Coach enttäuscht, dass das vorhandene Potenzial nicht genutzt wurde. "Der Verein muss sich die Frage stellen, warum im Aufsichtsrat Personen tätig sind, die nicht im Sinne des Vereins handeln."

Trennung "per Zeitung mitgeteilt"

Auch die Umstände der Trennung sorgen bei Basler für Unverständnis. Dabei hatte er nach dem Spiel seiner Mannschaft gegen Waldgirmes nicht nur öffentlich massive Kritik geübt, sondern zuvor auch erklärt, er ginge davon aus, es sei sein letztes Spiel auf der Bank der Rot-Weissen. Dass es tatsächlich so kam, überraschte Basler dann aber doch: "Der Verein hat mir per Zeitung mitgeteilt, dass ich am Samstag nicht mehr auf der Bank sitze."

Basler wirkte enttäuscht. Er berichtete von Versprechen, die nicht gehalten wurden, von überhöhten Erwartungen an ihn und verpassten Chancen. "Beim ersten Gespräch wurde mir zugesagt, dass man den einen oder anderen Spieler vielleicht noch holen wird. Das ist nicht geschehen", so Basler. Und auch ein Co-Trainer, den der Club ihm zugesichert habe, habe er nicht bekommen. Trotz allem: Er bereue sein Engagement in Frankfurt nicht.

Gemische Gefühle

Was bleibt also von Baslers Zeit bei Rot-Weiss Frankfurt? Nüchtern betrachtet: sieben Punkte und Tabellenplatz 16. Sportlich und finanziell ist der Verein noch immer angeschlagen. "Man kann die ganze Geschichte als Missverständnis darstellen – aber für mich war es das nicht", sagte Gincer. Und Basler? Der würde es noch einmal machen. "Aber ich würde die Zusagen des Vereins in schriftlicher Form festhalten", sagte er. "Alles, was ich gesagt habe, ist so eingetreten. Aber von Vereinsseite ist überhaupt nichts eingetroffen."