Lilien-Präsident Rüdiger Fritsch
Lilien-Präsident Rüdiger Fritsch ist trotz der schwierigen sportlichen Situation entspannt. Bild © Imago

Noch sind neun Spieltage zu gehen, die 2. Bundesliga ist aber schon allgegenwärtig: Der SV Darmstadt 98 beschäftigt sich intensiv mit dem Abstieg, ein kleines Hintertürchen lässt Präsident Rüdiger Fritsch aber offen.

Auf die Tabelle schaut bei Darmstadt 98 schon lange niemand mehr, in die Zukunft blicken die Lilien allerdings schon. Angesichts von zwölf Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz sind die Aussichten des Bundesliga-Schlusslichts dabei allerdings nicht wirklich rosig. Alles andere als der Abstieg wäre das wohl größte Wunder in der ohnehin schon märchenhaften jüngeren Geschichte der Darmstädter. Die Planungen für die 2. Liga haben deshalb hinter den Kulissen schon längst begonnen. "Das gehört zur seriösen Arbeit eben dazu", sagte Präsident Rüdiger Fritsch dem hr-sport.

Auf die vielen Wunder müsste ein Wunder folgen

Noch sind zwar neun Spiele zu absolvieren und 27 Zähler zu vergeben, selbst die magische 40-Punkte-Marke wäre also noch erreichbar. Richtig realistisch, das schätzt auch Fritsch so ein, ist eine erfolgreiche Aufholjagd nach bislang vier Siegen in 25 Partien aber nicht mehr. "Wir brauchen bis zum Saisonende noch sechs oder sieben Siege. Da kann sich jeder ausrechnen, wie groß die Aufgabe ist", sagte er. Die Vorbereitungen für die Zweitklassigkeit laufen auf Hochtouren.

Als erster Schritt in Richtung Unterhaus wurden die Bewerbungsunterlagen für die 2. Liga in der vergangenen Woche fristgerecht eingereicht, die sportlichen Weichenstellungen sollen folgen. Bereits in der Winterpause wurden mit Mittelfeldspieler Wilson Kamavuaka und Abwehrmann Patrick Banggaard zwei Perspektivspieler verpflichtet, die in der aktuellen Rückrunde kaum eine Rolle spielen, aber für die nächste Saison fest eingeplant sind. Ihre Verträge sind für beide Ligen gültig.

Der Trainer soll bleiben

Neben dem Duo Kamavuaka/Banggaard wollen die Verantwortlichen für den sportlichen Bereich zudem einen Großteil des derzeitigen Kaders behalten. Ein kompletter Ausverkauf ist nicht zu befürchten. Lediglich bei Marcel Heller, Sidney Sam und Hamit Altintop, deren Arbeitspapiere im Sommer auslaufen, ist die Wahrscheinlichkeit auf einen Verbleib bei Abstieg wohl eher gering. Zu den Wackelkandidaten gehören vor allem Mario Vrancic, Peter Niemeyer, Alexander Milosevic und Sven Schipplock.

Planungssicherheit gibt es hingegen auf der Chefposition: Trainer Torsten Frings wurde bereits vor seiner Unterschrift darauf vorbereitet, dass es mit dem Klassenerhalt unter Umständen schwierig werden könnte. Präsident Fritsch entschied sich im Winter bewusst gegen einen Feuerwehrmann und für die Lösung mit Perspektive. "Ich gehe fest davon aus, dass wir mit Torsten Frings auch in einer anderen Liga zusammenarbeiten werden", sagte er. "Das ganze Engagement war ja auf dieses Szenario ausgerichtet."

Die große Liebe geht zu Ende

Rund zwei Monate vor dem womöglich letzten Bundesliga-Heimspiel im Jonathan-Heimes-Stadion am 33. Spieltag gegen Hertha BSC (13. Mai) sind die Lilien also rundum entspannt und füllen die Floskel, von Spiel zu Spiel denken zu wollen, mit Leben. "Wir werden nicht aufgeben, dafür lieben wir den Erstliga-Fußball zu sehr", so Fritsch, für den ein Blick auf die Tabelle trotzdem ein Tabu bleibt. "Sollte am Ende der Saison ein Abstand zum Relegationsplatz hergestellt sein, der spannend ist, dann wird man uns das sicher mitteilen."