Darmstadt Immanuel Höhn frustriert am Boden
Immanuel Höhn und die Lilien müssen sich wieder berappeln. Bild © Imago

Früher die große Stärke, jetzt die große Schwachstelle: Die Abwehr von Darmstadt 98 wackelte zuletzt bedenklich. Die Gründe für die löchrige Defensive sind vielfältig.

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Höhn beim Training

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Höhn: "Tor mit allem verteidigen, was wir haben"

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Wer den Spieler Torsten Frings kennt, der würde wohl nie auf die Idee kommen, dass eine Mannschaft des Trainers Torsten Frings ein Defensiv-Problem hat. Zweikampfstark, lieber eine Grätsche zu viel als zu wenig, das eigene Tor mit vollem Einsatz beschützen – so spielte der heutige Übungsleiter des SV Darmstadt 98 zu seiner aktiven Zeit. Sein Team bringt diese Tugenden in dieser Saison allerdings viel zu selten auf den Platz.

15 Gegentore nach neun Zweitliga-Spieltagen sind deutlich zu viel für die Ansprüche eines Bundesliga-Absteigers. "Es müssen alle wieder mehr verteidigen", forderte der Coach deshalb nach der 0:3-Pleite in Ingolstadt.

Zu viel Spektakel für Lilien-Verhältnisse

Insgesamt drei Mal haben die Lilien in dieser Spielzeit schon drei Gegentore kassiert. In sieben Partien lagen sie zurück, immerhin fünfmal konnten sie dank ihrer Last-Minute-Stärke nach Rückstand noch punkten. Etwas weniger Spektakel würde den Südhessen definitiv guttun. Zum Vergleich: In der kompletten Aufstiegssaison 2014/15 fingen die Lilien unter Ex-Coach Dirk Schuster gerade einmal 26 Gegentreffer und gewannen viele Spiele sehr knapp. Minimalismus war Trumpf. "Wir müssen unsere Defensivschwäche in den Griff kriegen", forderte Innenverteidiger Immanuel Höhn am Mittwoch.

Der 25-Jährige hat das Problem erkannt, ist selbst aber ein Teil davon. Der ehemalige Freiburger, der zu Beginn der Saison kurz vor einem Wechsel zu Ligakonkurrent Greuther Fürth stand, ist seit der Verletzung inklusive Fersen-OP von Peter Niemeyer an der Seite von Kapitän Aytac Sulu gesetzt. 13 der 15 Gegentore erlebte er live aus nächster Nähe mit. "Wir haben einiges analysiert. Jetzt gilt es, am Defensivverbund zu arbeiten", so Höhn. Doch wo genau liegen die Gründe dafür, dass die einstige Stärke plötzlich zur Schwäche geworden ist?

Aggressive Leader Niemeyer fehlt

Ein Faktor ist sicherlich der Ausfall von Routinier Niemeyer. Der 33-Jährige, der unter Frings vom Sechser zum zentralen Verteidiger umschulte, litt bereits in der vergangenen Rückrunde an Achillessehen-Problemen und verpasste die letzten zehn Saisonspiele. In dieser Spielzeit sollte alles besser werden, nach einem Einsatz am 1. Spieltag gegen Fürth (1:0) war aber erneut Schluss. Dieses Mal wegen eines Überbeins an der Ferse – einer Folge der Achillessehnen-Verletzung.

Das Abwehr-Tag-Team Sulu-Niemeyer durfte seine Türsteher-Qualitäten nur einmal gemeinsam unter Beweis stellen, dann wurde es zum Leidwesen der Lilien erneut auseinandergerissen. Den Rest der Liga wird es freuen, zumindest einem der beiden alles andere als zimperlichen Haudegen aus dem Weg gehen zu können. Für Darmstadt 98 ist der Ausfall des ehemaligen Berliners aber eine erhebliche Schwächung. Die Aufgaben von Niemeyer wurden zunächst an den Dänen Patrick Banggaard weiterdelegiert, dann übernahm Höhn. Richtig erfolgreich waren beide nicht. "Nach unserem furiosen Start wurde es etwas holprig."

Der berühmte Schritt zu wenig

Wie so oft beginnen die Probleme aber weiter vorne und liegen auch in den Köpfen der Spieler. Nach anfänglicher Euphorie und den ersten Erfolgen ließen es die Darmstädter unbewusst etwas ruhiger angehen. Der berühmte Schlendrian sich ein. "Am Anfang haben alle elf Spieler gegen den Ball gearbeitet und wahnsinnig malocht. Dann haben wir es etwas schleifen lassen", gab Höhn zu. "Jetzt brauchen wir wieder die Gier, unser Tor mit allem zu verteidigen, was wir haben."

Die erste Möglichkeit, den großen Worten auch Taten folgen zu lassen, lässt jedoch noch etwas auf sich warten. Am kommenden Wochenende ist dank Länderspielpause spielfrei, dann steht das Montagabendspiel gegen den 1. FC Nürnberg (16.10.) auf dem Programm. Bis dahin steht jede Menge Trainingsarbeit auf der Darmstädter To-Do-Liste. "Wir wollen das letzte Spiel vergessen machen, leider dauert das noch fast zwei Wochen", so Höhn. "Wir müssen jetzt einfach die Zeit nutzen und die Dinge umsetzen, die uns der Trainer vorgibt."

Sendung: hr1, heimspiel!, 7.10.17