Terrence Boyd
Symbolisch für die Lilien-Krise: Terrence Boyd ist nach der Pleite geknickt. Bild © Imago

Seit nunmehr acht Spielen ist Bundesliga-Absteiger Darmstadt ohne Sieg. Die blutleere Leistung gegen Sandhausen ist der bisherige Tiefpunkt. Für Trainer Torsten Frings wird die Luft dünner.

In der trostlosen zweiten Halbzeit stimmten die Fans am Böllenfalltor "Toni Sailer"-Sprechchöre an. Dabei spielt der einstige Publikumsliebling schon seit eineinhalb Jahren nicht mehr für den SV Darmstadt 98. Sailer, fußballerisch sicherlich limitiert, war Symbol für den Willen und Kampfgeist jener Mannschaft, die den Durchmarsch von der 3. Liga bis in die Bundesliga schaffte. Jenen Willen und Kampfgeist, den die aktuelle Mannschaft am Freitagabend bei der 1:2-Niederlage gegen den SV Sandhausen so schmerzlich vermissen ließ.

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Aytac Sulu war auch noch Minuten nach dem Schlusspfiff aufgewühlt. "Als Kapitän kann ich es nicht akzeptieren, wenn sich einige so lethargisch präsentieren", sagte er mit bebender Stimme. "Es war kein Herz da. Du kannst Fehler machen, aber wir dürfen niemals Angst haben oder im Zweikampf nicht durchziehen. Wir sind jetzt in der Bringschuld."

"Eine absolute Frechheit gegenüber den Fans"

Seit nunmehr acht Spielen ist der Bundesliga-Absteiger ohne Sieg. Bis auf das deutliche 0:3 gegen Ingolstadt hatten sich die "Lilien" in diesen Partien immer ordentlich präsentiert und oft auch Pech gehabt. Gegen taktisch disziplinierte Sandhäuser war die Niederlage jedoch völlig verdient - auch wenn der erste Treffer von Doppeltorschütze Richard Sukuta-Pasu wegen eines Handspiels irregulär war. Das Tor von Patrick Banggaard (84.) war zu wenig, um etwas Zählbares zu holen.

"Das war einfach nur peinlich", sagte Angreifer Terrence Boyd sichtlich geknickt mit leiser Stimme. Erstmals hatte der US-Nationalspieler in dieser Saison in der Startelf gestanden, blieb jedoch ohne Wirkung. "Jeder muss doch in den Spiegel gucken können", sagte er. "Das können wir heute nicht." Auch Trainer Torsten Frings zog eine schonungslose Bilanz. "Wir haben von der ersten bis zur letzten Minute katastrophal gespielt", sagte er. "So können wir uns nicht präsentieren. Das ist eine absolute Frechheit gegenüber den Fans."

Lilien-Boss Fritsch steht hinter Frings

Der Coach kündigte eine "gnadenlose Analyse" an. "Die Leute, die sich sicher gefühlt haben, werden zittern müssen." Gut möglich, dass sich beim Auswärtsspiel gegen Union Berlin am kommenden Freitag auch namhafte Stammkräfte wie Kevin Großkreutz oder Hamit Altintop auf der Bank wiederfinden.

Aber auch für Frings selbst wird die Luft dünner, je weiter die Hessen in der Tabelle abrutschen. Schließlich hat er hauptverantwortlich den Kader zusammengestellt, mit dem die Lilien zumindest um die vorderen Plätze mitspielen wollte. "Es gibt nichts schönzureden", sagte Vereinspräsident Rüdiger Fritsch nach dem Spiel. Auf Frings angesprochen, sagte er: "Ich habe das Gefühl, dass der Trainer die Mannschaft erreicht." Und verbesserte sich dann: "Ich weiß, dass der Trainer die Mannschaft erreicht."

Sendung: hr-fernsehen, heimspiel! am Samstag, 18.11.2017, 17.15 Uhr