Torsten Frings
SV98-Trainer Torsten Frings Bild © Imago

Warum hat der SV Darmstadt 98 seit acht Spielen nicht mehr gewonnen? Vor der hohen Auswärtshürde in Berlin blicken wir auf die fünf Problemzonen der Lilien.

Endstation Alte Försterei? Fußball-Zweitligist SV Darmstadt 98 hofft darauf, die Sieglos-Serie von mittlerweile acht Spielen am Freitag (18.30 Uhr) bei Union Berlin stoppen zu können. Wir analysieren, was bislang schiefgelaufen ist.  

Das sind die fünf Problemzonen des SV98:

  • Keine Spielidee

Nach dem 1:2 gegen Sandhausen am vergangenen Spieltag wurde die Kritik an der Spielweise von Trainer Torsten Frings und seinem Team erstmals lauter. Selbst die sonst so geduldigen Lilien-Fans pfiffen. Zu schläfrig, zu viele Fehlpässe, offensiv ohne Durchschlagskraft. Die Lilien hatten es nicht geschafft, sich auf den kompromisslosen und zielstrebigen Fußball des SVS einzustellen.

Ein Rückschritt, zählten doch die Auftritte in Braunschweig zwei Wochen zuvor (2:2) sowie in Düsseldorf Mitte Oktober (0:1) trotz überschaubarer Punkteausbeute zu den besseren. Die teilweise positionsgetreuen Wechsel in der 40. Spielminute (Yannick Stark für Wilson Kamavuaka sowie Jamie Maclaren für Julian von Haacke) sorgten zudem für Augenreiben auf den Rängen statt für eine Leistungssteigerung auf dem Rasen.

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Hamit Altintop sprach anschließend das aus, was für viele das Kernproblem dieser Tage ist: "Wir Spieler schaffen es nicht, das umzusetzen, was der Trainer möchte." Wesentlich besser klingt da schon das, was Team-Manager Michael Stegmayer am Montag im hr-heimspiel! mit Blick auf das Berlin-Spiel versprach: "Ich versichere, dass wir eine andere Mannschaft auf dem Platz sehen werden."

  • Schwache Defensive

Es zieht sich wie ein roter Faden durch diese Saison: Darmstadt 98, sonst eines der dichtesten Abwehrbollwerke in Fußball-Deutschland, kassiert ungewöhnlich viele Gegentore. Zwar hat sich der Schnitt nach einer wahren Gegentorflut in den vergangenen vier Spielen leicht verbessert, 25 Gegentreffer nach 14 Spielen sind dennoch der drittschlechteste Wert der Liga.

Insbesondere die Heimspiele gegen Bielefeld (4:3), Dresden (3:3) und Nürnberg (3:4) waren zwar spektakulär, taten der Tordifferenz aber nicht gerade gut. "Wir machen Fehlpässe im Aufbau oder andere Fehler, die direkt zu Torchancen führen – und die auch eiskalt genutzt werden", hatte Abwehrchef Aytac Sulu bereits vor einigen Wochen analysiert. Hinzu kommen individuelle Fehler, beispielsweise bei Standards.

  • Leistungsträger außer Form

Darmstadt 98 kommt, das war für gewöhnlich immer so, über das Kollektiv. Mannschaftliche Geschlossenheit war die Grundlage für alle Aufstiegs- und Klassenerhalt-Partys der jüngeren Vergangenheit. In dieser Saison ruhen die Hoffnungen aber auch auf einzelnen Leistungsträgern wie Kevin Großkreutz oder eben Altintop.

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Problem: Schwächeln diese Leistungsträger – so wie Altintop gegen Sandhausen – kann sich das auf die gesamte Mannschaft auswirken. "Ich war einer der negativen Hauptdarsteller, mit zwei wichtigen verlorenen Bällen", hatte der 34-Jährige nach dem Abpfiff eingestanden.

Großkreutz hingegen hat sein Potenzial in Spielen wie dem gegen Bielefeld mit zwei Toren angedeutet, man darf aber nicht vergessen, dass der Weltmeister vor Saisonbeginn einige Monate Spielpraxis einbüßen musste. Und ein Marvin Mehlem, der im Offensivspiel schon viel Lust und Laune versprüht hat, ist gerade einmal 20 Jahre alt. Solch ein Youngster darf sich am ehesten ein schwaches Spiel erlauben.

  • Kein Knipser im Sturm

Der breite Kader, über den sich Frings vor der Saison noch gefreut hatte, wird am deutlichsten im Angriff sichtbar. Mit Terrence Boyd, Artur Sobiech, Felix Platte, dem abwanderungswilligen Roman Bezjak, Jamie Maclaren und Jan Rosenthal stehen dem Coach theoretisch sechs Stürmer zur Verfügung. Wirklich torhungrig zeigten sich die Männer von der Spitze aber noch nicht, von den insgesamt 24 Saisontoren gehen erst fünf auf ihr Konto.

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Die interne Torschützenliste wird mit Großkreutz, Tobias Kempe, Yannick Stark und Sulu (je drei Treffer) ausschließlich von Akteuren aus dem Mittelfeld beziehungsweise der Abwehr angeführt. Und: Bis zum ersten Stürmer-Tor durch Sobiech am sechsten Spieltag hat es ganze 534 Minuten gedauert.

  • Verletzungsmisere

Auch das zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison: Neben all den spielerischen Problemen ist der SV98 arg vom Verletzungspech verfolgt. Platte laboriert an einem Muskelbündelriss, Stammtorwart Daniel Heuer Fernandes an einer Kapselverletzung. Peter Niemeyer wartet nach einer Fersen-OP weiter auf den Anschluss an die Mannschaft.

Sandro Sirigu fiel zwischenzeitlich wegen einer Risswunde zwei Spiele lang aus. Und auch wenn Kempe nach überstandenem Zehenbruch zum Berlin-Spiel in den Kader zurückkehren könnte: Mit Großkreutz (Hüfte) und Sobiech (Knie) stehen bereits die nächsten zwei Ausfälle fest. Als hätten die Lilien nicht schon genug Problemzonen…