Florian Jungwirth
Florian Jungwirth hat sein Glück in den USA gefunden. Bild © Imago

Im besten Fußballer-Alter hat Florian Jungwirth dem SV Darmstadt 98 den Rücken gekehrt und ist in die USA gewechselt. Die Entscheidung hat dem 28-Jährigen viel Unverständnis eingebracht – und war doch genau die richtige.

Videobeitrag

Video

zum Video Jungwirth: "Fällt schwer, in den USA schlecht gelaunt zu sein"

Ende des Videobeitrags

Florian Jungwirths Leben hat sich gewandelt. Noch im vergangenen Jahr spielte der Profi-Fußballer mit dem SV Darmstadt 98 gegen so große Namen wie Bayern München und Borussia Dortmund in der Bundesliga. Jetzt heißen die Gegner Colorado Rapids und Minnesota United. Dass Jungwirth mit gerade einmal 28 Jahren zu den San José Earthquakes in die Major League Soccer (MLS) gewechselt ist, das haben nicht viele verstanden in Deutschland. In die USA wechselt man schließlich erst, wenn man seine besten Profi-Jahre schon hinter sich hat. Die MLS gilt als Alt-Herren-Liga.

"Taktisch sind schon Defizite zu Europa zu erkennen", gab Jungwirth im Gespräch mit dem hr-sport denn auch zu, "aber im technischen und athletischen Bereich ist es schon besser als die 2. Bundesliga." Seine Entscheidung war aber ohnehin keine vorrangig sportliche. Er wollte den American Way of Life leben. Das tut er nun seit Februar – und genießt jeden Moment. "Ich fühle mich pudelwohl. Es ist sogar noch schöner, als ich es mir gewünscht habe."

Kein Regenschirm, keine langen Hosen

Florian Jungwirth
Das "Du musst kämpfen"-Armband trägt Florian Jungwirth noch immer. Bild © hr

Unter der kalifornischen Sonne lässt es sich freilich ganz gut leben. "Man braucht keinen Regenschirm und keine langen Hosen. Das ist schon mal ein großer Unterschied." Aber auch die relaxte Mentalität, die Lockerheit kommt dem schelmischen Defensivspezialisten entgegen. Nur in den seltensten Fällen wünscht sich Jungwirth ein Stück Heimat zurück. "Wenn man mal einen Handwerker braucht. Die sagen hier halt auch: 'Komme ich heute, komme ich morgen'", erzählt der 28-Jährige.

Das wichtigste Stück Heimat trägt Jungwirth aber ohnehin am Handgelenk: das "Du musst kämpfen"-Armband von Jonathan "Johnny" Heimes. "Er war ein Mensch, der mich vom ersten Tag an inspiriert hat. Das ändert sich für mich nicht, nur weil ich am anderen Ende der Welt bin."

"Maximal ein Bier"

Am Freitag hätte Jungwirth sogar beinahe wieder einmal gegen einen namhaften Bundesligisten gespielt. Die Frankfurter Eintracht machte auf ihrer USA-Reise für ein Testspiel in San José Halt. Weil Jungwirth aber gerade erst eine Verletzung auskuriert hat, musste er sich an ein strammes Regenerationsprogramm halten. "Der Trainer hat mir strengste Ruhe mit maximal einem Bier auf der Tribüne verordnet", witzelte Jungwirth. Gar nicht so schlecht, dieser American Way of Life.