Kevin Großkreutz mit Veilchen
Kevin Großkreutz bei seiner Abschieds-Pressekonferenz in Stuttgart. Bild © picture-alliance/dpa

Auch der zweite Tag im Prozess um die mutmaßliche Körperverletzung gegen Kevin Großkreutz fand ohne den Mittelfeldspieler von Darmstadt 98 statt. Statt im Gerichtssaal zu sitzen, trainierte er.

Der Prozess um eine nächtliche Prügelattacke auf Fußballprofi Kevin Großkreutz ist am Donnerstag fortgesetzt worden - allerdings erneut ohne den 29-jährigen als Zeugen. Der Weltmeister von 2014 habe keine erneute Vorladung erhalten, hieß es bei seinem Club Darmstadt 98, der dies auch gegenüber dem hr-sport bestätigte. Der Mittelfeldspieler nahm normal am Training teil. Zum Auftakt des Prozesses Ende September war Großkreutz krankheitsbedingt nicht zur Aussage zum Amtsgericht Stuttgart gekommen.

Täter gestehen Prügel-Attacke

Dort hatten zwei 17 und 18 Jahre alte Angeklagte eingeräumt, den Lilien-Profi in der Nacht zum 28. Februar in Stuttgart ins Gesicht geschlagen und vor den Kopf getreten zu haben. Was genau in der Nacht in der Nähe des Stuttgarter Rotlichtviertels passierte, wer wen zuerst provozierte, wer wen zuerst schubste oder schlug, konnte im Prozess bisher nicht geklärt werden.

Zeugen aus beiden Gruppen schilderten die Abläufe jeweils sehr unterschiedlich. Einig waren sie sich aber darüber: Ein Großteil der Beteiligten war angetrunken. Warum beide Gruppen derart aneinander gerieten, wusste niemand mehr so richtig. Großkreutz sei "wild gestikulierend und schreiend" auf sie losgestürmt, sagte ein Zeuge aus der Gruppe der Angeklagten.

VfB löst Vertrag auf

Die Gruppe des Prügelopfers sah die Aggressoren indes eher auf der Gegenseite. In jedem Fall lag Großkreutz am Ende im Krankenhaus. Laut Staatsanwaltschaft war er bewusstlos und musste eine Kopfverletzung behandeln lassen. Er war mit etlichen Jugendspielern auf Partytour gewesen - was ihm sein damaliger Arbeitgeber, der VfB Stuttgart, übel nahm. Der Verein zeigte dem erst im Januar 2016 verpflichteten Profi kurz nach dem Vorfall die Rote Karte.

Auf dem Weg zurück in die Bundesliga könne der Club keine Unruhe jenseits des Platzes gebrauchen, hieß es beim VfB. Spieler der ersten Mannschaft hätten eine besondere Vorbildfunktion, sagte der damalige Sportvorstand, Jan Schindelmeiser. "Dieser Rolle ist er nicht gerecht geworden."

Seit Sommer eine Lilie

Mit Tränen in den Augen hatte sich Großkreutz Anfang März vom VfB verabschiedet. "Ich habe einen Fehler gemacht, der mir sehr leid tut", waren seine Worte, nachdem der Club den Vertrag mit dem Rechtsverteidiger mit sofortiger Wirkung aufgelöst hatte. Den Aufstieg im Sommer 2017 erlebte Großkreutz nicht mehr mit. Er spielt inzwischen in der Zweiten Liga bei Darmstadt 98.

Sendung: hr1, Nachrichten, 5.10.17, 13 Uhr