Dirk Schuster
SV98-Coach Dirk Schuster Bild © Imago

Vamos, Lilien! Im Trainingslager in Spanien bereitet sich Darmstadt 98 auf den Zweitliga-Abstiegskampf vor. Trainer Dirk Schuster spricht im Interview über den Neubeginn, Fortschritte und mögliche Transfers.

Rund 1.900 Kilometer trennen den SV Darmstadt 98 derzeit vom heimischen Stadion am Böllenfalltor – und damit auch von den Abstiegssorgen in der zweiten Fußball-Bundesliga. Im Trainingslager in San Pedro del Pinatar arbeiten die Lilien in dieser Woche vor allem an ihrer ungewohnt großen Abwehrschwäche. Zwischendurch nimmt sich Trainer Dirk Schuster Zeit für ein Telefonat mit hessenschau.de. Für den 50-Jährigen Darmstädter Erfolgscoach ist es das erste Trainingslager mit den Südhessen seit seiner Rückkehr vor einem Monat.

hessenschau.de: Herr Schuster, ist das alte Lilien-Gefühl von früher schon zurück?

Dirk Schuster: Definitiv. Der Zusammenhalt in der Lilien-Familie ist nach wie vor sehr gut. Natürlich gab es ein paar Veränderungen, in einigen Bereichen wurde teilweise neues Personal hinzu geholt. Aber das stellt uns breiter auf und macht uns qualitativ besser. Der Grundgedanke von damals ist nach wie vor aktuell.

hessenschau.de: Sechs Tage nach ihrer Rückkehr im Dezember war das Spiel gegen Fürth (1:1) wie ein Kaltstart. Ist das Trainingslager in Spanien nun der eigentliche Neubeginn?

Schuster: Kaltstart trifft es ziemlich genau, denn damals war alles auf das Spiel ausgerichtet. Im Vergleich zur Vergangenheit waren viele neue Spieler dabei, die man persönlich nicht so gut kannte. Da ist das Trainingslager für beide Seiten – sowohl für die Mannschaft als auch für uns – eine Art Neustart, bei dem jeder Spieler auf sich aufmerksam machen kann. Jeder kann zeigen, dass er für seine Position genau der Richtige ist. Außerdem können wir vom Trainerteam ein Gefühl für die Mannschaft entwickeln.

hessenschau.de: Nach dem Fürth-Spiel haben Sie gesagt, die Mannschaft sei aufgrund ihrer Sieglos-Serie von nunmehr zwölf Spielen logischerweise "ein bisschen unruhig". Welche Fortschritte haben Sie in dieser Hinsicht seitdem feststellen können?

Schuster: Ich fange erst einmal mit dem an, was geblieben ist: Das sind Einsatzbereitschaft sowie die Willensstärke, auch im Training immer 100 Prozent abzurufen und Einheiten mit hoher Konzentration zu absolvieren. Durch den Sieg im Testspiel gegen Waasland-Beveren wissen wir, wie es sich anfühlt, mal wieder ein Spiel zu gewinnen. Ich möchte das gar nicht so hoch hängen. Aber es sind Kleinigkeiten, die eine große Rolle spielen. Denn daran sieht die Mannschaft: Dinge, die wir neu einstudiert haben, können funktionieren.

Profis des SV98 bejubeln im Testspiel gegen Waasland-Beveren ein Tor.
Das Testspiel gegen Waasland-Beveren gewannen die Lilien mit 3:0. Bild © Imago

hessenschau.de: Als größte Baustelle haben Sie von Beginn an die Stabilisierung der Abwehr ausgemacht. Wie schwierig ist es, in einer kurzen Unterbrechung wie der Winterpause die richtigen Knöpfe zu drücken?

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„Wir wollen natürlich auch weiterhin offensiv Akzente setzen.“ Zitat von Dirk Schuster
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Schuster: Ich glaube, das war bereits in den wenigen Tagen vor dem Fürth-Spiel bedeutend schwieriger. Hier im Trainingslager – und dann auch bis zum ersten Spiel gegen Kaiserslautern – haben wir etwas länger Zeit. Ich bin sehr optimistisch, dass wir bei der defensiven Stabilität auf einem guten Weg sind. Wir wollen diese hohe Quote an gegnerischen Treffern nicht weiter exorbitant ansteigen lassen, sondern hinten weniger anfällig sein. Andererseits wollen wir natürlich auch weiterhin offensiv Akzente setzen. Das hat die Mannschaft bereits in der Hinrunde teilweise sehr ordentlich gemacht.

hessenschau.de: Mit Hamit Altintop hat ein Führungsspieler die Lilien kürzlich überraschend verlassen. Welche Anforderungen muss ein möglicher Nachfolger erfüllen?

Schuster: Ein einzelner Spieler kann die Qualität von Hamit nicht adäquat ersetzen. Wir sind gut beraten, die Verantwortung, die ihm vielleicht in verschiedenen Situationen auch ein bisschen schwer auf dem Rücken gelegen hat, auf mehrere Schultern zu verteilen. Jeder ist aufgefordert, mehr Verantwortung zu übernehmen. Nur so können wir seinen Abgang kompensieren.

hessenschau.de: Mit Joevin Jones haben Sie einen Neuzugang im Trainingslager dabei. Wie ist Ihr erster Eindruck?

Schuster: Sehr positiv. Joevin trainiert sehr engagiert. Man sieht, dass er gewisse Voraussetzungen, Qualitäten und Fähigkeiten mitbringt. Er hat nicht umsonst in Seattle im Dezember um die MLS-Meisterschaft mitgespielt. Natürlich wird er etwas Zeit brauchen, um sich an die Art und Weise des Trainings zu gewöhnen. Aber er ist sehr lernwillig und ich habe einen sehr positiven Eindruck von ihm.

hessenschau.de: Planen Sie weitere Neuzugänge?

Schuster: Wir halten auf dem Transfermarkt weiterhin die Augen offen. Wenn sich die Chance ergibt, wollen wir uns qualitativ weiterentwickeln, um auch den Konkurrenzdruck innerhalb der Mannschaft zu erhöhen.

Das Gespräch führte Patrick Stricker.

Sendung: hr-fernsehen, heimspiel! bundesliga, 14.1.2018, 21.45 Uhr