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Endlich wieder vereint: Lilien-Präsident Rüdiger Fritsch und Lilien-Trainer Dirk Schuster (v.l.). Bild © picture-alliance/dpa

Getrennt, gezankt, versöhnt: Dirk Schuster und Darmstadt 98 haben sich nach langer Eiszeit wieder lieb. Beim ersten Auftritt des neuen Trainers herrscht pure Harmonie – selbst von Ex-Coach Torsten Frings gibt es eine Überraschung.

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Der erste Arbeitstag von Dirk Schuster begann im Keller. Passend zur Tabellensituation präsentierte sich der alte und neue Trainer des SV Darmstadt 98 am Dienstagmorgen tief drinnen in den Katakomben des Stadions am Böllenfalltor erstmals seit seiner Rückkehr der Öffentlichkeit. Gemeinsam mit Präsident Rüdiger Fritsch nahm er fernab von jedem Tageslicht im noch immer provisorisch wirkenden Presseraum Platz und freute sich sichtlich, wieder da zu sein. Endlich zurück bei den geliebten Lilien. "Als Rüdiger angerufen hat, ist mein Herz angesprungen."

Aussprache unter Männern

Vor rund 18 Monaten hatte sich das zwischen Rüdiger und Dirk noch ganz anders angehört. Coach Schuster hatte nach etwas mehr als drei Jahren, zwei fulminanten Aufstiegen und dem Klassenerhalt in der Bundesliga genug von Darmstadt. Trotz laufenden Vertrags pochte er auf einen Wechsel zum FC Augsburg. Deutlich mehr Geld, eine deutlich bessere sportliche Perspektive, einfach mal rauskommen. Präsident Fritsch gefiel das gar nicht. "Mein Abschied lief nicht geräuschlos ab. Es gab Gesprächsbedarf", bestätigte Schuster tiefe Kratzer im Verhältnis der beiden Darmstädter Alphatiere. "Wir haben das unter Männern geklärt."

Wie genau die Aussprache lief, verrieten die beiden zwar nicht. Es dürfte aber zur Sache gegangen sein. "Wir haben uns zwei Tage angeschrien", scherzte Fritsch, der der Beziehung nach dem Liebesaus mit unschöner Trennung jetzt aber eine zweite Chance geben will. Schuster und Darmstadt 98 fangen nach dem Rosenkrieg noch einmal bei null an. Der Seitensprung ist verziehen, die großartigen Leistungen der Vergangenheit sind aber auch kein Bonus mehr. "Die Kunst wird es sein, die früheren Erfolge nicht allzu sehr in den Vordergrund zu schieben", betonte Fritsch. Ab sofort zählt nur noch das sportliche Wohl von Darmstadt 98. Sprich: der Klassenerhalt in der 2. Bundesliga.

Ab auf die Kartbahn

Eine Aufgabe, zu der Schuster nicht lange überredet werden musste. Dem 49-Jährigen lag zwar ein unterschriftsreifes Angebot aus Südeuropa vor – dem Vernehmen nach von Nikosia. Als die Nummer von Fritsch am Samstagabend in seinem Handy aufblinkte, war das gute Wetter auf Zypern aber schnell vergessen. "Wir waren auf dem Sprung, das war schon ziemlich konkret", bestätigte Schuster. Nach den bereits erwähnten Gesprächen mit Fritsch stand die Entscheidung pro Lilien fest. "Das hat mich darin bestärkt, wirklich hierher zurückzukehren." Am Dienstag fuhr Schuster dann in Darmstadt vor und betrat mit einem Lilien-Handkoffer seine neue und alte Arbeitsstätte. "Den hatte ich noch", sagte er.

Die Ausrüstung von früher passt noch, ansonsten hat sich in Schusters Abwesenheit aber viel geändert in Darmstadt. "Die Trainerkabine ist deutlich größer, der Rasen viel besser als früher", freute sich der gebürtige Chemnitzer nach einer ersten Begehung. Im Stadion gibt es zudem zwei neue Tribünen, die Trainingsräume wurden modernisiert, statt den früher unter Schuster obligatorischen Bowlingabenden fällt mittlerweile selbst die Freizeitgestaltung eine Nummer größer aus. "Wir haben uns beim Etat so entwickelt, dass jetzt auch Kartfahren drin ist", lachte Fritsch. Die entscheidendste Veränderung hat es jedoch in der Mannschaft gegeben.

Grüße vom Ex

Aus Schusters damaligem Kader sind knapp eineinhalb Jahre später nur noch acht Spieler übriggeblieben. "Wir werden uns die Mannschaft erst einmal genau anschauen müssen", so Schuster, der gemeinsam mit seinen beiden Co-Trainern Sascha Franz und Frank Steinmetz in den kommenden Tagen eine Inventur vornehmen wird. Noch vor der ersten Trainingseinheit gab es erste Einzelgespräche, am Nachmittag standen in der ersten Trainingseinheit vor allem Passübungen und ein Trainingsspiel auf dem Programm. (Zum Nachlesen: Schusters erste Trainingseinheit)

Premiere auf der Trainerbank ist am Sonntag (13.30 Uhr) im Kellerduell bei Greuther Fürth. "Wir müssen die Abwehr dicht kriegen und dort punkten", gab Schuster die Marschrichtung vor. Mit Lilien-Fußball zurück in die Spur. Bei einer Niederlage würde Darmstadt definitiv auf einem direkten Abstiegsplatz überwintern. Damit das nicht passiert, schaltete sich kurzfristig selbst der erst am Samstag entlassene Ex-Trainer Torsten Frings noch einmal ein. Der 41-Jährige, der nach wie vor ein hohes Ansehen in Darmstadt genießt, gab Schuster in einem persönlichen Telefonat Tipps und hinterließ zudem im Trainerbüro eine kleine Überraschungs-Botschaft am Flip-Chart. "Er hat mir alles Gute und viel Erfolg gewünscht", freute sich Schuster über so viel Harmonie.  Jetzt müssen bei Darmstadt 98 nur noch die Punkte her – denn im Keller ist es auf Dauer dann doch nicht so schön.