Bundestrainerin Steffi Jones
Steffi Jones muss jetzt liefern. Bild © Imago

Für Bundestrainerin Steffi Jones ist das Länderspiel gegen Frankreich richtungsweisend. Präsident Grindel setzt die Neid-Nachfolgerin unter Druck und bezeichnet die Partie als "Gradmesser".

Ende oder Wende? Für Frauenfußball-Bundestrainerin Steffi Jones geht es im Länderspiel gegen Frankreich um ihren Job. Nach der schwachen EM im Sommer mit dem frühen Aus im Viertelfinale gegen Dänemark und den zum Teil schwachen Leistungen der DFB-Elf in der WM-Qualifikation gilt die Test-Partie am Freitag als richtungweisend für die Zukunft der Frankfurterin. Jones ist sicher, dass das Team sich stärker präsentiert als zuletzt: "Man wird eine ganz andere Körpersprache sehen. Die Mannschaft ist motiviert und fokussiert", betonte die 44-Jährige am Donnerstag im DFB-Mannschaftsquartier in Marienfeld.

Jones gibt sich betont cool

Trotz des zunehmenden Drucks wirkte Jones locker rundum entspannt. Gleichwohl umschiffte sie Fragen nach ihrer Zukunft: "Es geht um die Sache. Alles andere spielt keine Rolle." Spielführerin Dszenifer Maroszan, die nach ihrem Jochbeinbruch zurückkehrt, betonte, dass man es nur als Team schaffe: "Wir müssen gemeinsam durch die Phase gehen. Wir stehen alle hinter Steffi."

Auch Alexandra Popp sieht im Duell mit dem WM-Gastgeber 2019 die Chance, die Krise zu beenden und der umstrittenen Jones den Rücken zu stärken. "Die Partie kommt uns gerade recht. Frankreich gehört zur Weltspitze - zu der uns einige Kritiker ja trotz zahlreicher Erfolge

in den letzten Jahren aktuell nicht mehr zählen. Wir wollen das Gegenteil beweisen", sagte die Stürmerin und nahm die DFB-Elf im Interview von "t-online.de" in die Pflicht: "Wir alle wissen: So kann es nicht weitergehen. Wir wollen gegen Frankreich eine Reaktion auf die Kritik zeigen."

Popp wählt klare Worte

Popp kennt die Mechanismen der Branche: "Bei den Männern wäre Steffi Jones sicher schon geflogen", räumte sie ein, begrüßt es aber, dass die DFB-Führung um Präsident Reinhard Grindel bisher an Jones festhielt. "Da unterscheiden sich Frauen- und Männerfußball schon – zum Glück. Es ist gut, dass eine Trainerin bei uns nicht gleich nach zwei oder drei Niederlagen gehen muss." Die Stimmung im Team sei gut, versicherte Popp, deutete zugleich aber an, dass es zuweilen an Kleinigkeiten in der Kommunikation hapert: "Vielleicht mal eine falsche Wortwahl oder etwas Ähnliches."

Keine Frage ist, dass Jones Fehler gemacht hat. Nach der verpatzen EM, als sie in der Vorrunde personell experimentierte, änderte die 44-Jährige ihr offensiv ausgerichtetes Spielsystem und zog auch verbal die Zügel an - ohne durchschlagenden Erfolg. "Bei Steffi Jones' Amtsantritt nach dem Olympiasieg 2016 herrschte eine große Euphorie, alles war neu – ein neues Spielsystem, eine sehr offensive Ausrichtung, aber dann ist alles etwas verschwommen", bekannte Popp.

Der Chef kommt persönlich

Die schwachen Auftritte in der WM-Qualifikation in Tschechien (1:0) und Island (2:3) riefen Grindel auf den Plan, der sich nach der EM noch vom Jones-Konzept überzeugen ließ und ihren Vertrag bis zur WM 2019 (mit Option auf ein weiteres Jahr) verlängert hatte. "Die negative Entwicklung hat sich nach der EM fortgesetzt", stellte Grindel nach dem 11:0 gegen Fußball-Zwerg Färöer fest und machte die Partie gegen Frankreich zum "Gradmesser". "Wir brauchen ein Gefühl dafür, dass sich die Mannschaft so steigert, dass wir uns für die WM qualifizieren können." Davon will er sich in Bielefeld überzeugen.