DFB-Bundestag
Die Konsens-Republik im Fußball-Parlament wird durch die Regionalliga-Reform gestört. Bild © picture-alliance/dpa

Akademie-Neubau, Grundlagenvertrag, Ethikkommission: Beim DFB-Bundestag herrscht zumeist traute Einigkeit. Nur das Thema Regionalliga-Reform stört den Konsens bei der Veranstaltung in Frankfurt – und es könnte in Zukunft noch heftiger werden.

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Dass der DFB-Bundestag am Freitag ausgerechnet im Saal Harmonie des Frankfurter Kongresszentrums stattfindet, ist angesichts der vielen Streitereien im Vorfeld ungewollt witzig. Doch eigentlich passt das Wort auf den ersten Blick durchaus: Der Bundestag ist ein homogenes Gremium. Ältere Männer in dunklen Anzügen - das ist die sehr große "Große Koalition" des Fußball-Parlaments. Abgestimmt wird grundsätzlich einstimmig: Bau der DFB-Akademie – grüne Karten hoch, Grundlagenvertrag – grüne Karten hoch, einzig bei der Verankerung der DFB-Mitarbeitervertretung verirrt sich eine rote Karte ins Plenum.

Dieser Konsens ist gewollt, aber er ist auch erarbeitet. Das durchaus heikle Thema der gestiegenen Kosten der DFB-Akademie hat Fußball-Direktor Oliver Bierhoff der Basis offenkundig gut verkauft. In mehreren Regionalkonferenzen wurde den Mitgliedern das vor wenigen Monaten noch kritisch betrachtete "Jahrhundertprojekt" schmackhaft gemacht. Der Lohn war ein einstimmiges Votum, das DFB-Präsident Reinhard Grindel sichtbar stolz auf die "neue Kommunikationskultur" machte.

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Südwestdeutscher Fußballverband ist zufrieden

Beim Südwestdeutschen Fußballverband, der für die in Hessen relevante Südwest-Staffel zuständig ist, ist man mit der Übergangslösung zufrieden: "Unser Meister kann planen. Er weiß, er steigt auf und das war genau das, was wir brauchen", sagte Präsident Dieter Drewitz.

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Alles harmonisch also im bald auf dem ehemaligen Gelände der Frankfurter Rennbahn situierenden DFB? Nicht wirklich. Dass in der Fassade der Harmonie einige Risse sind, merkt man am teils extrem verhaltenen Zwischenapplaus und an einigen spitzen Bemerkungen über den Grundlagenvertrag. Aber vor allem merkt man es am Thema Regionalliga-Reform. Auch wenn sich Vertreter der 3. Liga, der Regionalliga-Verbände und des DFB auf den letzten Drücker doch noch auf eine Zwischenlösung geeinigt haben – das Thema gärt weiterhin.

In den kommenden zwei Jahren wird es drei fixe Aufsteiger und nur noch ein Relegationsspiel um den vierten Aufstiegsplatz geben. Einen fixen Platz hat dabei der Meister der Südwest-Staffel sicher (Details im Kasten). Gerade in der Regionalliga West sorgt das für großen Ärger: "Das grenzt an Volksverarschung", ließ Oberhausens Präsident Hajo Sommers etwa ausrichten. Grindel und seine Vizepräsidenten Rainer Koch und Peter Frymuth nannten die Lösung dagegen eine Verbesserung zum bisherigen System. Auch OFC-Präsident Helmut Spahn kann mit der Übergangsvariante leben: "Das ist ein erster Schritt." Am Ende ging daher auch bei dieser Frage eine breite Mehrheit der grünen Karten in die Höhe.

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Die neue Regionalliga

In den kommenden beiden Spielzeiten gibt es vier statt bisher drei Aufsteiger in die 3. Liga. Der Südwest-Meister wird in beiden Jahren fix aufsteigen. Der zweite Aufsteiger ist in der Saison 2018/19 der Nordost-Meister, der dritte sichere Platz wird ausgelost. Die restlichen beiden Meister absolvieren ein Aufstiegsspiel um den letzten Platz und haben dafür in der Saison 2019/20 einen fixen Aufstiegsplatz sicher.

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Koch droht mit Abstimmung

Eines wurde trotzdem deutlich: Beim nächsten Bundestag im Jahr 2019 könnte das Ende der Konsens-Republik erreicht sein. Bis dahin soll eine Kommission unter der Leitung von Frymuth eine dauerhafte Lösung für die Aufstiegsproblematik schaffen. Dafür gibt es klare Vorgaben: Vier Regionalligen, vier Meister, vier Aufsteiger. Das System aus Pfründen, Ansprüchen und Befindlichkeiten, das eine echte Reform dieses Mal noch verhindert hat, muss dafür aufgebrochen werden.

Einen Weg zurück gibt es nicht, dass sei deutlich geworden, erklärte OFC-Boss Spahn. "Es geht jetzt nur noch in eine Richtung." DFB-Boss Grindel drückte das so aus: "Wir wollen jetzt hören was geht, und nicht, was nicht geht." Und sein Vize Koch wurde noch deutlicher: "Wir müssen in 20 Monaten final entscheiden. Hoffentlich passiert das im Konsens. Aber wenn es keine Lösung gibt, dann muss und dann wird eine Mehrheit entscheiden."

Sendung: hr-fernsehen, heimspiel! am samstag, 9.12.17, 17.15 Uhr