Kevin-Prince Boateng von Eintracht Frankfurt
Kevin-Prince Boateng hat nicht nur Fußball im Kopf. Bild © Imago

Kevin-Prince Boateng genießt die gute Laune bei Eintracht Frankfurt und stellt für weitere Erfolge auch seine eigenen Befindlichkeiten zurück. Richtig ernst wird die Frohnatur nur beim Thema Rassismus.

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Kevin-Prince Boateng

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Boateng: "Dortmund ist eine der besten Mannschaft Europas"

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Hin und wieder platzt es dann doch noch aus Kevin-Prince Boateng heraus. Die Zeiten des Bad Boys und Großmauls hat der 30 Jahre alte Führungsspieler von Eintracht Frankfurt zwar lange hinter sich gelassen, statt druckreifer Überschriften liefert er in Pressegesprächen jetzt gerne grinsend "Standardantworten". Gegen seine ehrliche Berliner Schnauze kann er sich dann aber doch nicht immer wehren. "Wir haben die Kritik wahrgenommen. Da tut es gut, den Kritikern den Mund zu stopfen", sagte er so am Mittwoch.

Vorfreude auf angeschlagenen BVB

Nach zwei Last-Minute-Siegen in Folge gegen den VfB Stuttgart (2:1) und Hannover 96 (2:1) sind Selbstvertrauen und gute Laune endgültig zur Eintracht zurückgekehrt. Die beiden späten Knockouts von Sébastien Haller und Ante Rebic haben die Diskussionen um die nicht immer ansehnliche Spielweise vorerst beendet. Das Team von Trainer Niko Kovac liegt mit Tabellenplatz sieben voll im Soll, für das Spitzenspiel am Samstag (15.30 Uhr) gegen den BVB könnte es wohl keinen günstigeren Zeitpunkt geben.

Denn während die Leistungskurve bei der furios gestarteten Borussia nach den Partien in der Bundesliga gegen RB Leipzig (2:3) und in der Champions League bei Nikosia (1:1) deutlich nach unten zeigt, ist die Eintracht obenauf. Die Leistung stimmt, die Stimmung passt – so soll es weitergehen. "Wir wissen genau, dass der BVB eine der besten Mannschaften Europas ist", so Boateng vor dem Wiedersehen mit seinem Ex-Club. "Wir wissen aber auch, dass die gerade nicht 100 Prozent selbstbewusst sind. Das wollen wir ausnutzen."

Vorne, hinten - ganz egal

Im Gegensatz zu den beiden vergangenen Spielen gegen das Aufsteiger-Duo werden die Frankfurter gegen Dortmund als klarer Außenseiter ins Spiel gehen. Der BVB, der als Spitzenreiter nur noch zwei Punkte Vorsprung auf den FC Bayern hat, ist unter Druck und muss das Spiel machen. Die Eintracht kann sich hingegen erst einmal auf das besinnen, was sie lange auszeichnete: gut stehen, hart verteidigen und kontern. "Es ist immer schön, gegen größere Mannschaften zu spielen. Da hat man einfach mehr Platz." Platz, den vor allem das neue französisch-kroatische Traumpaar Haller-Rebic ausnutzen soll.

Auf Boateng hingegen könnte gegen den BVB, für den er in der Rückrunde der Saison 2008/09 am Ball war, wieder eine andere Aufgabe zukommen. Nachdem er zu Beginn seiner Frankfurter Zeit in seiner Lieblingsrolle als zweite Spitze oder Spielmacher fungierte, fand er sich in Hannover auf der Sechser-Position wieder – und überzeugte. Der 30-Jährige brachte Ordnung ins Spiel und hatte nicht nur beim Führungstreffer von Haller seine Füße im Spiel. "Als Stürmer versuche ich ein Tor zu machen, als Sechser versuche ich Bälle zu verteilen", umschrieb Boateng seine neue Aufgabe, die er wohl auch am Samstag wieder verrichten muss.

Boatengs Kampf gegen den Rassismus

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Protest von Hertha BSC

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Boateng zum Hertha-Kniefall: "Ein Zeichen für die Menschlichkeit"

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Vor und nach der Partie in der ausverkauften Frankfurter Arena beschäftigen Boateng, der eine deutsche Mutter und einen ghanaischen Vater hat, aber noch ganz andere und wichtigere Dinge. Nach seinem Vorstoß in einem Focus-Interview, rassistische Fußball-Fans anhand des Videobeweises zu identifizieren und zu bestrafen, hielt er auch am Mittwoch erneut ein Plädoyer gegen Fremdenfeindlichkeit. "Wir müssen dagegen etwas tun", forderte er. Er persönlich habe in den vergangenen Monaten zwar keine negativen Erfahrungen mehr gemacht. "Das ist aber auch egal, denn Rassismus ist generell immer noch da."

Den Kniefall von Hertha BSC vor dem Spiel gegen den FC Schalke 04 verteidigte Boateng deshalb auch vehement. Die Spieler der Berliner hatten sich mit ihrer Aktion mit zahlreichen US-Profis solidarisiert, die sich seit Wochen für Vielfalt und Toleranz einsetzen. "Sie haben versucht, eine positive Nachricht nach außen zu verschicken", so Boateng, der PR-Vorwürfe einiger Kritiker nicht zählen lassen will. "Ich betrachte das generell als eine sehr gute Aktion und hoffe, dass viele Mannschaften folgen – das ist ein Zeichen für die Menschlichkeit."