Boateng Hoffenheim
Kevin-Prince Boateng war gegen Hoffenheim defensiv und offensiv ein wichtiger Faktor im Frankfurter Spiel. Bild © Imago

Und plötzlich ärgerst du dich über ein Unentschieden in Hoffenheim: Die Frankfurter Enttäuschung nach dem 1:1 ist auch ein Beleg für die Stärke der Eintracht in diesem Jahr. Bei der TSG bezahlten die Hessen allerdings auch Lehrgeld. Das Spiel in fünf Punkten.

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Die Frankfurter Eintracht hat am Samstag nur haarscharf einen Sieg bei 1899 Hoffenheim verpasst. Erst in der Nachspielzeit kassierten die Hessen das Ausgleichstor von Mark Uth (90.+1) zum 1:1-Endstand. Kevin-Prince Boateng hatte die Gäste mit einem sehenswerten Schuss früh in Führung (13.) gebracht.

Alles eine Frage der Perspektive

Mal ehrlich, einen Punkt im Auswärtsspiel bei der TSG aus Hoffenheim hätten die meisten, die es mit der Eintracht halten, im Vorfeld des 12. Bundesliga-Spieltags wohl unterschrieben. Nach 93 Minuten war am Samstag festzuhalten: Das 1:1 ist aus Frankfurter Sicht eine ziemliche Enttäuschung. Die Eintracht ging in einer dominanten ersten Hälfte durch Kevin-Prince Boateng in Führung (13.), zog sich aber im zweiten Durchgang zu weit zurück.

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Die Konsequenz war ein Hoffenheimer Sturmlauf in der Schlussphase, den Mark Uth in der Nachspielzeit mit dem Ausgleich krönte (90.+1). "Hoffenheim hat unglaublich Druck gemacht", sagte Sportdirektor Bruno Hübner. "Insgesamt ist es aber ärgerlich, dass das Tor zu diesem Zeitpunkt fällt." In der Blitztabelle lag die Eintracht zwischenzeitlich auf Platz drei. So stand nach dem Abpfiff "nur" der sechste Platz.

Folgenschweres Nickerchen

So ärgerlich der späte Gegentreffer auch war, er war auch vermeidbar – und das trotz der Tatsache, dass dem Uth-Treffer ein mehr als fragwürdiger Freistoß-Pfiff nach einer Grätsche des Frankfurters Luka Jovic vorausging. "Luka ist vielleicht noch ein bisschen jung. Da hätte man sich vor den Ball stellen können", sagte Torschütze Boateng. Tat er aber nicht, Hoffenheim führte den Freistoß schnell – und deutlich entfernt vom Punkt des angeblichen Vergehens – aus.

Auch in der Folge hätte die Eintracht den Angriff der Gastgeber stoppen können, der mit Ausführung des Freistoßes tief in der Hoffenheimer Hälfte startete. Die von einem intensiven Spiel gezeichneten Frankfurter trabten allerdings mehr in Richtung eigenes Tor, als dass sie sprinteten. In letzter Konsequenz ließ sich Carlos Salcedo auch noch an der Grundlinie von Serge Gnabry düpieren, dessen Vorlage Uth aus wenigen Metern einschob. "Hier haben wir mal geschlafen und sind bestraft worden", resümierte Hübner.

Glück, verlass mich nicht!

Last-Minute-Treffer gegen Bremen (2:1), Last-Minute-Treffer in Hannover (2:1), Last-Minute-Treffer gegen Stuttgart (2:1): Die Frankfurter haben sich in dieser Saison einen Ruf als Mentalitäts-Monster erarbeitet. "Die Mannschaft ist konditionell stark, sie glaubt immer an den Sieg", sagte Trainer Niko Kovac zuletzt. Und sie hatte bislang das nötige Glück. Das war den Hessen am Samstag nicht hold. Diesmal belohnte sich der Gegner für einen engagierten Schlussspurt.

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"Die Hoffenheimer hatten zuvor drei frische Spieler gebracht", gab Sportdirektor Hübner zu bedenken. Die Eintracht hingegen verließ sich in der zweiten Hälfte zu lange aufs Verteidigen und hatte am Ende auch nicht mehr die Kraft, um dauerhaft für Entlastung zu sorgen. Mit dem Ergebnis konnte Chefcoach Kovac dennoch leben: "Es ist schade, wenn man so ein spätes Gegentor schlucken muss. Aber wir hatten in dieser Saison schon oft Glück. Diesmal ist es eben andersrum."

45 Minuten Champions League

Was in der Enttäuschung nach dem späten Ausgleich ein wenig unterging: Eintracht Frankfurt hat über weite Strecken mal wieder ein richtig gutes Spiel gegen eine Spitzenmannschaft der Bundesliga gemacht – auch wenn das traditionell nicht immer in einem fußballerischen Spektakel gipfelt.

Im gewohnten System mit einer Mischung aus Dreier- und Fünferkette, aus massiver Defensive und situationsbedingtem Pressing, ließen die Hessen in der ersten Hälfte kaum etwas anbrennen und hätten mit ein wenig Glück auch höher führen können. Bezeichnend: Die größte Hoffenheimer Chance im ersten Durchgang entstand durch einen individuellen Aussetzer von Lukas Hradecky. Sein Fehlpass am eigenen Strafraum wurde nicht bestraft, Sandro Wagner traf nur den Außenpfosten (41.). Erst in der zweiten Hälfte gelang es der TSG, das Spiel zu kontrollieren.

Boateng erinnert an alte Glanzzeiten

Die Eintracht blieb dank des 1:1 im Kraichgau schon zum sechsten Mal in Folge ohne Niederlage in der Bundesliga. Einen großen Anteil an der momentanen Stärke hat Kevin-Prince Boateng, der nach seiner Rückversetzung vom Sturm ins zentrale Mittelfeld endgültig zum Chef im Ring geworden ist. Der 30-Jährige macht das, wofür er geholt wurde: Er geht konsequent voran, stopft Löcher, schmeißt sich in die Zweikämpfe und kurbelt das Offensivspiel an.

Wenn er dann auch noch so vollendet, wie er das zur Führung gegen Hoffenheim tat, ist Boateng nicht mehr weit von seinen Glanztagen im Trikot des AC Mailand entfernt: Einen Katastrophen-Pass von Lukas Rupp am eigenen Sechzehner antizipierte der Deutsch-Ghanaer, schnappte sich den Ball und überwand Oliver Baumann mit einer Bogenlampe aus rund 20 Metern. "Das ist ein beliebter Schuss, dass der Ball so flattert", sagte Boateng. "Man trainiert den oft im Training, da fliegt er aber über den Zaun."

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TSG Hoffenheim - Eintracht Frankfurt 1:1 (0:1)

Hoffenheim: Baumann - Rupp (53. Gnabry), Vogt, Posch - Grillitsch, Schulz - Geiger (73. Amiri) - Demirbay, Akpoguma - Uth, Wagner (63. Kramaric)           

Frankfurt: Hradecky - Salcedo, Abraham, Falette - Wolf, Stendera (60. Hasebe), Willems -Boateng, Gacinovic (75. Fernandes) - Haller (70. Jovic), Rebic       

Tore: 0:1 Boateng (13.), 1:1 Uth (90.+1)
Gelbe Karten: -/ Stendera, Gacinovic  

Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
Zuschauer: 30.150

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