Eintracht-Jubel in Berlin
Sportdirektor Bruno Hübner wusste gleich nach Abpfiff, dass er sich nicht nur bei den Torschützen zu bedanken hatte. Bild © Imago

Die Frankfurter Eintracht gewinnt in Berlin, muss sich in diese Partie aber hinein kämpfen und schreibt am Ende die vielleicht bemerkenswerteste Geschichte des 14. Bundesliga-Spieltags. Eine Zusammenfassung in fünf Punkten.

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Eintracht Frankfurt ist mit dem sechsten Saisonsieg auf den achten Tabellenplatz der Fußball-Bundesliga geklettert. Die Hessen setzten sich am 14. Spieltag nach Toren von Marius Wolf (25. Spielminute) und Kevin-Prince Boateng (80.) mit 2:1 (0:1) bei Hertha BSC durch. Davie Selke hatte die Berliner nach genau einer Viertelstunde in Führung gebracht.

Boateng tut den Hertha-Fans weh

Fangen wir mit der vermutlich größten Geschichte dieses Spieltags an. Dass es für Boateng als gebürtigen Berliner und Ex-Herthaner eine besondere Partie werden würde, war vor dem Anpfiff zigfach erzählt worden. Dass er dieses Spiel trotzdem unbedingt gewinnen wollte ("Hinfahren, drei Punkte holen, nach Hause kommen"), war auch bekannt. Dass aber ausgerechnet er gegen den Verein seiner fußballerischen Jugend zum Matchwinner avanciert, das ist dann eben doch eine besondere Nummer.

"Ich habe Riesen-Respekt vor der Hertha-Mannschaft und den Fans. Der Gegentreffer tut ihnen richtig weh", sagte Boateng, der nach seinem Treffer aufs Jubeln verzichtet und fast schon entschuldigend die Hände gehoben hatte (mehr Stimmen zum Spiel gibt es hier). Dabei war sein Tor aus knapp 16 Metern so schön und aufgrund des Zeitpunktes zehn Minuten vor dem Ende so gut geeignet für einen emotionalen Ausbruch.

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Hasebe spielt wieder, Abraham überzeugt wieder

In Boatengs großem Schatten darf aber nicht vergessen werden: Auch über die Leistung seiner Mitspieler kann man trefflich diskutieren – positiv wie negativ. Makoto Hasebe, immer wieder von Knieproblemen geplagt, kehrte zum ersten Mal seit genau einem Monat in die Startelf zurück. Mit 11,14 Kilometern spulte der Japaner die zweitgrößte Laufleistung aller Frankfurter und die viertgrößte aller Profis auf dem Platz ab. Noch wichtiger (wieder einmal) war allerdings der Part von Abwehrchef David Abraham.

84 Ballkontakte, 82 Prozent Pass- und 71 Prozent Zweikampfquote: Der 31-Jährige hält den Eintracht-Laden bislang auch in dieser Saison so gut es geht dicht. Erneut nicht überzeugen konnte Offensivkraft Mijat Gacinovic, der mit einem Fehlpass die erste Hertha-Chance durch Vedad Ibisevic nach nur 45 Sekunden einleitete und bereits zur Halbzeitpause ausgewechselt wurde.

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Eine Anfangsphase für das Kapitel: "So nicht!"

Was war bitte mit der Eintracht in den ersten 20 Minuten los? Nur 35 Prozent Ballbesitz und 30 Prozent gewonnene Zweikämpfe, dazu zahlreiche gute Chancen für die Hertha (Selke in der 1., 9. und 12.) sowie eine frühe Gelbe Karte für Boateng (9.). Ihren negativen Höhepunkt fand diese katastrophale Anfangsphase nach 15 Minuten, als Selke ein feines Zuspiel von Mathew Leckie zum 1:0 für die Hauptstädter verwertete. Den Pass hatten weder Hasebe, noch Abraham oder Simon Falette unterbinden können. Doch die Eintracht kämpfte sich in die Partie hinein – und kam durch eine einstudierte Eckball-Variante zurück.

Willems, Wolf, wunderschön

Wenn kaum etwas geht, hilft meistens ein Standard. So war es auch am Sonntag im Fall der Eintracht. Jetro Willems spitzelte einen Eckball genau an die Strafraumkante des BSC, wo sich Wolf ohne jegliche Bewachung des Gegners frei bewegen und den Ball mit der rechten Innenseite ins Tor hämmern konnte (25.). Den Punkt für den Assist sollte sich Willems streng genommen aber mit Co-Trainer Robert Kovac teilen. "Dass er ihn so gut trifft, spricht für Wolf und letztlich für Robbie, der sich das zusammen mit unserem Analysten ausgedacht hat", verriet Cheftrainer Niko Kovac anschließend.

Minimalistisch an die Spitze

Ein Anblick, an den sich wohl alle Eintracht-Fans gewöhnen könnten: Frankfurt ist Spitzenreiter – wenn auch nur in der Auswärtstabelle und vermutlich auch nur vorübergehend, denn der FC Bayern hat ein Auswärtsspiel weniger bestritten. Was außerdem auffällt: Alle Spiele der Hessen – egal ob daheim oder auf fremden Plätzen – endeten mit maximal einem Tor Unterschied. Nicht nur die Unentschieden, sondern auch die Niederlagen und vor allem die Siege der Eintracht entwickeln sich in dieser Runde zu spannenden Angelegenheiten. Dass so ein 2:1 wie in Berlin offenbar das Zeug im Standardergebnis hat, dürfte wahrlich niemanden stören: Immerhin steht einer stimmungsvollen Weihnachtsfeier am Montag nichts im Wege.