Werder jubelt bei Eintracht Frankfurt
Ein Bild, das man seltener sehen will: Die Eintracht guckt dem Gegner beim Jubeln zu. Bild © Rhode/Storch

Trotz des Erfolgs gegen Werder Bremen gibt es nachdenkliche Gesichter bei Eintracht Frankfurt. Der Grund: Selbst harmlose Gegner stellen die Defensive teilweise vor unlösbare Probleme.

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In der Halbzeit war Schluss mit Experimentieren. Trainer Niko Kovac stampfte die zusammengewürfelte und völlig überforderte Viererkette ein und stellte beim Stand von 1:1 gegen Werder Bremen in der Abwehr wieder auf Dreierreihe um. Der Tabellenvorletzte, der mit der Empfehlung von zehn sieglosen Spielen in Folge und drei erzielten Toren in Frankfurt vorstellig geworden war, hatte die Eintracht-Defensive am Freitag zeitweise schwindelig gespielt und war nur dank eines überragenden Frankfurter Schlussmanns Lukas Hradecky nicht in Führung gegangen.

Punkte ja, Jubel jein

"Bremen hätte mit zwei oder drei Toren führen können. Wir haben die Punkte, aber unser Spiel ist noch nicht gut", fasste Eintracht-Keeper Hradecky den 2:1-Sieg zusammen. Die beiden Treffer des Sturm-Traumduos Ante Rebic (17. Minute) und Sébastien Haller (89.) reichten nach Gegentor von Niklas Moisander (24.) zwar zum nächsten Last-Minute-Jubel. Wirkliche Zufriedenheit stellte sich jedoch weder bei den Spielern noch bei Trainer Niko Kovac ein: "Eins können Sie mir glauben: Ich werde sicher nicht überschwänglich feiern, wir haben noch viel Arbeit vor uns."

In der Länderspielpause wird sich Kovac intensive Gedanken um die Zusammenstellung seiner Hintermannschaft machen müssen. Gegen Bremen gab es im elften Saisonspiel die insgesamt fünfte Personal-Variante zu bestaunen. Die Viererkette um Linksverteidiger Jetro Willems, den beiden Innenverteidigern Simon Falette und David Abraham sowie Aushilfs-Rechtsverteidiger Carlos Salcedo stand in dieser Besetzung zum ersten und wohl auch letzten Mal gemeinsam auf dem Platz. Denn wirklich viel lief da nicht zusammen.

"Die erste Halbzeit war katastrophal"

Die Bremer Max Kruse (2./42.), Zlatko Junuzovic (40.) und Maximilian Eggestein (43.) ließen im ersten Durchgang gleich vier großzügige Einladungen zum Toreschießen verstreichen. Die einzige unüberwindbare Hürde in der Frankfurter Defensive stand im Tor und hieß Hradecky. Vor dem Finnen überboten sich vor allem Chandler-Ersatz Salcedo, der mit der für ihn ungewohnten Außenbahn sichtbar fremdelte, und Falette in Pass- und Stellungsfehlern. "Die erste Halbzeit war katastrophal, da haben wir um die Gegentore gebettelt", wusste auch Mittelfeldspieler Marc Stendera aus nächster Nähe zu berichten.

Erst nach Kovacs Rolle rückwärts zur in dieser Spielzeit in acht von elf Partien aufgebotenen Dreierkette wurde es besser. Abraham, Salcedo und Falette teilten sich die Arbeit in der Mitte; Willems und Allrounder Marius Wolf eilten bei Bremer Ballbesitz als zusätzliche Unterstützung nach hinten. Mehr Manpower führte zu mehr Sicherheit und der Erkenntnis, dass die Dreierkette der Eintracht offenbar deutlich besser liegt. Dieses System haben die vielen neuen Spieler verinnerlicht, für mehr Flexibilität reicht es derzeit noch nicht. "Wir haben eine gute Mannschaft, aber die Automatismen müssen noch greifen", warnte auch Falette vor zu viel personeller und taktischer Rotation.

Hasebe ist der X-Faktor

Ein Sinnbild der vielen Verschiebungen ist der designierte Defensiv-Chef Hasebe. Der Japaner, der nach anhaltenden Knieproblemen inzwischen nur noch in Teilzeit arbeitet, pendelte in seinen acht Einsätzen fröhlich zwischen Abwehr und Mittelfeld hin und her. Einspielen ist so nur sehr schwierig möglich, ein wenig Konstanz würde der Eintracht aber wohl guttun. "Wir müssen ehrgeizig bleiben, damit sich das verbessert", forderte Hradecky, ehe er in die Kabine und in Richtung Nationalmannschaft verschwand. "Wenn wir so weitermachen, werden wir einige Spiele verlieren."