Falette Leverkusen
Simon Falette sah beim Gegentreffer nicht gut aus. Und wusste das auch. Bild © Rhode/Storch

Die Niederlage gegen Leverkusen hat der Eintracht den kleinen, aber feinen Unterschied zu den Bundesliga-Spitzenteams aufgezeigt: Eine starke Halbzeit reicht nicht, offensiv fehlen die Alternativen – und von Europa will Coach Niko Kovac gar nichts hören. Eine Analyse in fünf Punkten.

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Die Frankfurter Eintracht hat das Bundesliga-Spiel gegen Bayer Leverkusen am Samstag verloren. Beim 0:1 erzielte Kevin Volland in der 76. Minute das entscheidende Tor für die Gäste. In der Tabelle liegen die Hessen damit auf Rang neun.

Zwei Halbzeiten, zwei Gesichter

Entschuldigung, aber war das in der ersten und der zweiten Halbzeit wirklich die gleiche Mannschaft? "Zwei Gesichter zeigen" - diese Formulierung passte an diesem Nachmittag zur Eintracht. Nach 20 Minuten Abtasten schien Leverkusen vor der Pause den Frankfurter Defensivkode geknackt zu haben. Fast jeder steile Pass zwischen die Ketten klappte. Die Folge? Gefährliche Szenen in gefährlich hoher Taktung. Allein Lucas Alario traf zwei Mal das Aluminium des Eintracht-Gehäuses (30., 32.). Dann kam der Seitenwechsel - und der Gesichtswechsel: Endlich waren die Hausherren im Mittelfeld giftig, doppelten, eroberten Bälle und zogen das Spiel über die Flügel in die Breite. Ante Rebic aus der Distanz und Marius Wolf aus spitzem Winkel vergaben die besten Gelegenheiten dieses Abschnitts, mit dem sich die Eintracht einen Punkt verdient hätte.

Eine Fehlerkette entscheidet die Partie

Es war in dieser Druckphase, in der das einzige Tor fiel – allerdings nicht für die Eintracht. Und das lag an einer Kette von Fehlern. Erst verstolperte Mijat Gacinovic einen aussichtsreichen Konter. Kann passieren. Dann störten die Frankfurter den Gegenzug der Gäste nicht energisch genug. Sollte nicht passieren. Und dann stürmte der sonst solide Simon Falette bei Admir Mehmedis Flanke wie ein Irrlicht durch den eigenen Strafraum – und vergaß Bayer-Topstürmer Volland im Rücken. Darf nicht passieren. Völlig alleingelassen verwandelte der Ex-Nationalspieler aus rund elf Metern. "Das müssen wir besser ausspielen oder wenigstens einen Abschluss haben, damit wir uns besser stellen können. Dann kriegen wir einen Konter und verteidigen es schlecht – dann bekommst du gegen so eine Mannschaft ein Tor", so die Bilanz von Kevin Prince Boateng (weitere Stimmen zur Partie gibt es hier).

Kaum Alternativen

Trotz dieser Fehlerkette, die Abwehrleistung der Frankfurter war alles in allem solide. Gerade wenn man bedenkt, wie ballsicher und offensivstark Leverkusen ist. Sorgen sollte Frankfurt eher die Offensive machen. Denn abseits der treffsicheren Kombination Rebic – Haller fehlen den Hessen die Abschluss-Alternativen. Bestes Beispiel ist Gacinovic, torlos in 23 Schüssen trauriger Spitzenreiter der Frankfurter Harmlosigkeit. Weitere Beispiele: Marc Stendera, die komplette Abwehr und eigentlich auch die Bank. Dieses Mal versuchte es Coach Niko Kovac mit Branimir Hrgota und Daichi Kamada als Joker – Maßnahmen, die völlig verpufften. "Alle sind eingeladen, Tore zu schießen", sagte der Trainer da fast schon fatalistisch.

Standardflut ohne Gefahr

Wenn es spielerisch nicht klappt, dann können Standards helfen. Allerdings nicht solche, wie sie Jetro Willems an diesem Samstag anbot. Gleich neun Ecken und noch eine Handvoll Freistöße schraubte der Niederländer in den Leverkusener Strafraum. Der Ertrag? Eine Halbchance durch Haller. Bezeichnend eine Szene direkt vor dem Pausenpfiff, als Willems aus eigentlich guter Position kurz auf Marc Stendera spielte und damit nicht nur alle Beobachter, sondern auch das Frankfurter Eigengewächs überraschte. Statt einer gefährlichen Aktion wäre aus dem Freistoß um ein Haar ein Konter für die Gäste geworden.

Ende der Serie, Ende der Europa-Träumerei

Mit der Niederlage endet eine Serie von sechs Spielen ohne Pleite für die Eintracht. Der goldene Herbst könnte angesichts des schweren Restprogramms (unter anderem kommen noch die Bayern und Schalke) von einem kargen Winter abgelöst werden. Der Samstag dürfte auch das Stopp-Signal für die mancherorts aufkeimenden Europa-Träumereien des Frankfurter Anhangs sein – zumindest vorerst. Für Eintracht-Coach Kovac wäre das nur vernünftig: "Viele denken und erzählen von Europa – aber es bringt nichts. Ich weiß, was die Bundesliga hergibt und was meine Mannschaft kann." Europa sei meilenweit weg. "Der Abstand nach unten hat sich verkleinert. Das ist es, worauf wir schauen müssen."