Jan Zimmermann von Eintracht Frankfurt
Eintracht-Keeper Jan Zimmermann fühlt sich an alte Lilien-Zeiten erinnert. Bild © Imago

Eintracht Frankfurt hat das Erfolgsrezept von Darmstadt 98 übernommen und sich zum Europa-Kandidaten hochgeackert. Keeper Jan Zimmermann verzichtet dafür auch gerne auf Ästhetik.

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zum Video Zimmermann: "Mentalität schlägt Qualität"

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Über einen schlechten Blick auf die Spiele von Eintracht Frankfurt kann sich Jan Zimmermann nicht beschweren. In den beiden Pokalspielen und allen zwölf Bundesliga-Partien saß der Ersatzkeeper in unmittelbarer Nähe der Seitenauslinie und erlebte hautnah mit, wie sein Team nach etwas holprigem Start immer stärker wurde und am vergangenen Spieltag bei der TSG Hoffenheim bis in die Nachspielzeit an Champions-League-Platz drei schnupperte. "Das späte Gegentor war dann natürlich ärgerlich, aber wir können mit dem Punkt leben", sagte der 30-Jährige im hr-heimspiel! am Montagabend.

Nicht schön, aber erfolgreich

Nach dem Last-Minute-Ausgleich des Hoffenheimers Mark Uth steht die Eintracht zwar nicht wie erhofft mittendrin in der Spitzengruppe. Platz sieben nach rund einem Drittel der Saison ist aber noch immer ein mehr als respektables Zwischenergebnis, auf dem sich aufbauen lässt. "Wir konnten uns am Samstag ja noch nicht für einen Wettbewerb qualifizieren oder den Klassenerhalt schaffen", so Zimmermann. "Wir bauen derzeit ein Fundament."

Ein Fundament, das im stürmischen Herbst des Jahres 2017 so sicher steht wie lange nicht mehr. Sechs Spiele in Folge hat die Eintracht nicht verloren, selbst Spitzenmannschaften wie Hoffenheim oder Offensiv-Maschinen wie Borussia Dortmund (29 Tore) beißen sich mittlerweile die Zähne an Frankfurt aus. Fußballästheten schnalzten bei den meisten Spielen zwar nur selten mit der Zunge, die von Trainer Niko Kovac zum mehrköpfigen Abwehrheer hochgezüchtete Defensive ist aber schon jetzt ligaweit gefürchtet. Spaß macht es gegen die Eintracht definitiv nicht.

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zum Video Vorgestellt: Daniel Endres, Jan Zimmermann und Michael Stegmayer

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Wie damals die Lilien

"Der Trainer hat es geschafft, der Mannschaft Einsatzwillen und Leidenschaft mitzugeben. Das ist vielleicht nicht immer schön, aber erfolgreich", umschrieb Zimmermann die Spielphilosophie: Hinten sicher stehen, immer alles geben und vorne auf einen Geniestreich hoffen.

Der gebürtige Offenbacher, der alle Jugendmannschaften der Eintracht durchlief und über die Stationen Darmstadt 98, Heidenheim und 1860 München im vergangenen Sommer zu seinem Heimatverein zurückkehrte, kennt diese Art Fußball nur zu gut. Im Sommer 2014 war er dank ähnlicher Taktik mit den Lilien in die 2. Liga aufgestiegen.

"Wir haben schon in Darmstadt den Spruch gelebt: Mentalität schlägt Qualität. Jetzt kommen wir auch bei der Eintracht über den Willen", zog Zimmermann Parallelen zwischen seinem ehemaligen und seinem aktuellen Verein. Und Beweise für die intakte Frankfurter Moral gibt es genug: Last-Minute-Sieg in Hannover, Last-Minute-Sieg gegen Stuttgart, Last-Minute-Sieg gegen Bremen. Aufgeben oder sich hängen lassen ist unter Coach Kovac strikt untersagt. "Jeder geht bis zum Ende auch die Meter, die weh tun."

Träumen verboten

Trotz des hart erarbeiteten und hoch verdienten Höhenflugs sind verfrühtes Abheben und Träume von Auftritten auf der großen internationalen Bühne jedoch verboten. "Letztes Jahr im Winter stand die Eintracht auch sehr gut da, danach kam dann nix mehr", erinnerte Zimmermann an die in Frankfurt nicht immer im Überfluss vorhandene Demut. "Ziele kann man erreichen, nur mit Träumen wird das allerdings nicht." Mit harter und ehrlicher Arbeit hingegen hat es damals auch in Darmstadt zu gleich mehreren Wundern gereicht.