Marius Wolf sieht die Rote Karte
Marius Wolf (li.) sieht Rot - kurz später darf er aber wieder mitspielen. Bild © picture-alliance/dpa

Ja, da war mehr drin: Für einen couragierten, engagierten und mit vielen Ereignissen gespickten Aufritt gegen den FC Bayern hätte Eintracht Frankfurt einen Punkt verdient gehabt. Eine Zusammenfassung in fünf Punkten.

Videobeitrag

Video

zum Video Niko Kovac: "Wir hätten mehr als die Niederlage verdient"

Ende des Videobeitrags

Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt hat es dem Star-Ensemble des FC Bayern München am Samstag richtig schwer gemacht, am Ende aber knapp mit 0:1 (0:1) verloren. Nach dem einzigen Treffer der Partie durch Arturo Vidal (20. Spielminute) ist der FCB zum siebten Mal in Folge Herbstmeister. 

Überraschend mutig, überraschend frech

Videobeitrag

Video

zum Video Gell, da guckste - die Eintracht Analyse

Ende des Videobeitrags

Mutig sein? Nach vorne spielen? Früh pressen, Chancen kreieren und vielleicht sogar in Führung gehen? „Wenn wir fünf Stück kassieren wollen, dann machen wir das“, hatte Eintracht-Trainer Niko Kovac im Vorfeld der Partie vor einer zu offensiven Spielweise gegen den Rekordmeister gewarnt. Ein Bluff? Vermutlich nicht. Überraschend erwärmend war es dennoch, was sein Team in der Anfangsphase bei leichtem Schneetreiben auf den Rasen brachte.

Anders als noch vor einer Woche in Berlin waren die Hessen von Beginn an hellwach. Bemerkenswert die Szene nach fünf Minuten, als gleich drei Frankfurter am Münchner Strafraum lauerten und nahezu alle Passwege, die FCB-Keeper Tom Starke hätten wählen können, zustellten. Die Folgen: Ballgewinn, ein mit Gelb geahndetes Foul von Vidal an Aymen Barkok und die erste gute Freistoß-Chance des Spiels durch Ante Rebic. Blöd nur, dass jede starke Anfangsphase mal ein Ende hat. Und gegen die Bayern war das nach genau 20 Minuten der Fall.

Vidals Auswechslung – alles andere als taktisch

Erst sorgte Vidal für den ersten (abgefälschten) Torschuss der Gäste, und nur wenige Sekunden später per Kopf für die Führung. Auch danach war der Chilene oft ins Geschehen involviert, nach dem Geschmack der meisten Eintracht-Fans aber mindestens ein Mal zu viel. Kurz nach der Halbzeitpause erlaubte sich Vidal in der Nähe des eigenen Sechzehners ein Foulspiel an Marius Wolf. Gelb-Rot wäre mehr als vertretbar gewesen, doch Schiedsrichter Harm Osmers ließ die Karten stecken. Bayern-Coach Jupp Heynckes reagierte umgehend und nahm Vidal nach 55 Minuten vom Feld. Auch ein Rekordmeister braucht manchmal ein Quäntchen Glück.

Foul, Rot, kein Rot – ein Bundesliga-Novum

Und noch eine knifflige Szene wartete auf Osmers, und wieder war auch Wolf beteiligt. Seine Grätsche gegen James Rodríguez – in der Nähe der Mittellinie sicherlich unnötig, allerdings auch nicht rotwürdig, wie der Unparteiische zunächst ohne zu zögern entschieden hatte. Doch was dann passierte, war ein Bundesliga-Novum: Auf Geheiß des Videoassistenten in Köln sah sich Osmers die Szene noch einmal in der Review Area an, woraufhin er seine Entscheidung revidierte und die Rote nachträglich in eine Gelbe Karte umwandelte. Wolf, schon längst wütend in die Katakomben gestiefelt, durfte zurück auf den Platz. Ganz zur Freude seines Trainers: „Die Sohle ging überhaupt nicht ans Sprunggelenk. Das ist eine Gelbe Karte.“

Fast alle Zahlen sprechen für die Eintracht

Videobeitrag

Video

zum Video Kovac: "Von der ersten bis zur letzten Minute"

Ende des Videobeitrags

Es ist wie ein Blick aufs Schulzeugnis: Arbeits- und Sozialverhalten super, in Sport sowieso eine Eins, aber in den so wichtigen Hauptfächern läuft es nicht. Im Falle der Eintracht ist das Zeugnis fürs Spiel gegen die Bayern der Statistikbogen, sind Sport, Arbeits- und Sozialverhalten Kategorien wie Torschüsse (12:5), Passquote (84:81 Prozent) oder Ballbesitz (51:49 Prozent). In vielen Dingen war Frankfurt leicht besser als München – nur eben nicht im Hauptfach Endergebnis.

Der Abwehrchef bleibt

Gewonnen hat die Eintracht gewissermaßen dennoch, und das hatte schon ein paar Minuten vor dem Anpfiff festgestanden. Die Vertragsverlängerung von David Abraham – im Stadion mit einem kurzen Film auf dem Videowürfel bekanntgegeben und von Applaus begleitet – ist für die Frankfurter eine Weichenstellung. Das neue Arbeitspapier des Abwehrchefs gilt bis 2021, womit Sportvorstand Fredi Bobic und Co. eine wichtige Defensiv-Säule langfristig an den Verein binden. Abraham ist der Leader der Frankfurter Hintermannschaft. Auch in solchen Spielen wie gegen München, wenn der Argentinier phasenweise eine Sechser-Abwehrkette dirigiert.