Keeper Lukas Hradecky hechtet vergeblich nach dem Ball
Lukas Hradecky streckt sich vergebens: Die Niederlage in Augsburg kann auch er nicht verhindern. Bild © Imago

Ein kollektiver Blackout stoppt den Frankfurter Höhenflug in Richtung Champions League. Am Ende eines enttäuschenden Tages kann sich lediglich Marco Fabián freuen. Eine Zusammenfassung in fünf Punkten.

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Eintracht Frankfurt zeigt gegen den FC Augsburg die mit Abstand schlechteste Saisonleistung und kassiert eine deftige 0:3-Packung. In der Abwehr funktioniert nichts, im Sturm gar nichts, selbst Leistungsträger wie Kevin-Prince Boateng enttäuschen auf ganzer Linie. Für kurze Freude sorgt lediglich Marco Fabián. Die Tore erzielen Ja-Cheol Koo (20.), Michael Gregoritsch (76.) und Marco Richter (89.).

Frankfurter Totalausfall

Die Spieler der Frankfurter Eintracht müssen auf dem Weg in Richtung Augsburg irgendwo ihr fußballerisches Talent verloren haben. Nach Wochen und Monaten mit ordentlichen bis guten Leistungen klappte beim Gastspiel in der Fuggerstadt wirklich überhaupt nichts. Das mit Spannung erwartete Duell der beiden Überraschungsteams geriet schnell zu einer einseitigen Geschichte: Der FCA war der Eintracht sowohl kämpferisch als auch spielerisch klar überlegen.

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Folgerichtig fing sich das Team von Trainer Niko Kovac zum ersten Mal in dieser Saison drei Gegentore ein und verlor zudem erstmals mit mehr als einem Tor Unterschied. "Das war von vorne bis hinten gar nichts", fasste Neu-Linksverteidiger Timothy Chandler nach Abpfiff selbstkritisch zusammen. "Wir hatten heute einen gebrauchten Tag." Dem ist nichts hinzuzufügen.

Kein Kampf, keine Punkte

Ein Ausrutscher ist entschuldbar, fehlende Einstellung allerdings nicht. Die Eintracht ließ in Augsburg all das vermissen, was sie in den vergangenen Spielen so stark gemacht hatte: Leidenschaft, Wille, Mentalität – an diesem schwarzen Sonntagnachmittag Fehlanzeige. Der FCA war bissiger, der FCA gewann quasi alle zweiten Bälle – und sobald es mal mit Tempo in Richtung Tor ging, kam die Frankfurter Defensive nicht mehr hinterher.

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"Der Gegner hat uns in puncto Kampfgeist den Schneid abgekauft. Augsburg hat uns mit den Basics besiegt, das ist uns in dieser Saison zum ersten Mal passiert", konstatierte Kovac, der von seinem Gegenüber Manuel Baum geschickt entschlüsselt worden war. Der FCA überließ der Eintracht, die 63 Prozent Ballbesitz hatte, oft und gerne die Initiative und schaltete nach Fehlern der Hessen schnell um. Zu schnell für die schläfrigen Frankfurter.

Chefetage im Tiefschlaf

Probleme gab es jedoch nicht nur im Maschinenraum, Kritik müssen sich auch die Führungsspieler auf der Kommandobrücke gefallen lassen. Allen voran Boateng kam in Augsburg überhaupt nicht in die Partie. Nachdem er beim 2:0-Heimerfolg gegen Gladbach noch jede Ecke des Platzes umgepflügt hatte, hätte er diesen Sonntag auch auf der heimischen Couch verbringen können. 64 Prozent verlorene Zweikämpfe, elf Fehlpässe, gerade einmal 50 Ballkontakte – so schwach war Boateng in seiner Frankfurter Zeit noch nie.

Seine Auswechslung war deshalb ebenso unausweichlich wie der vorzeitige Feierabend von Nebenmann Mijat Gacinovic und Torjäger Sébastien Haller. So konstant dieses Trio in dieser Spielzeit oft den Unterschied ausgemacht hatte, so sehr versteckten sie sich in Augsburg. Die einzigen beiden Profis, die annähernd Normalform erreichten, waren Torhüter Lukas Hradecky und Stürmer Luka Jovic. Hradecky bewahrte die Eintracht vor einer noch höheren Klatsche, Jovic traf zweimal Aluminium. Na Immerhin.

Fabián ist wieder da

Da wir gerade bei den wenigen positiven Nachrichten sind: Marco Fabián ist zurück. Der mexikanische Spielmacher, der im Sommer am Rücken operiert worden war, feierte gegen den FC Augsburg seine Saison-Premiere im Eintracht-Kader und durfte erstmals seit dem Pokalfinale im Mai wieder an einem Pflichtspiel teilnehmen.

Fabián wurde in der 67. Minute für Boateng eingewechselt und erlebte dann hautnah mit, wie Augsburg das Spiel entschied. 22 Ballberührungen, eine Torschussvorlage und zwei Gegentore später war Schluss – und Fabián noch immer schmerzfrei. Zumindest körperlich. Und das ist die Hauptsache.

Ein Dämpfer. Zur richtigen Zeit?

Trotz aller Enttäuschung über den unterirdischen Auftritt der Eintracht, versuchten alle Frankfurter Verantwortlichen nach Spielende umgehend, diesen Dämpfer richtig einzuordnen. Der Sprung auf Platz zwei wurde verpasst, früher oder später musste ein solcher Rückschlag aber kommen. Trainer Kovac und Sportvorstand Fredi Bobic hatten in den vergangenen Wochen immer vor zu hohen Zielen gewarnt, nun wurden ihre Bedenken zum womöglich optimalen Zeitpunkt bestätigt.

Platz sechs nach 21 Spieltagen ist immer noch mehr als ordentlich, am Mittwoch könnte mit dem Einzug ins DFB-Pokalhalbfinale zudem schnell wieder alles Negative vergessen werden. "Meine Mannschaft hat zum ersten Mal in dieser Saison nicht überzeugt. Diese Niederlage war ein Weckruf", so Kovac. "Wir werden jetzt nicht lamentieren, sondern blicken voraus: Am Mittwoch kommt Mainz, das Spiel ist wichtig." Bis dahin sollten dann aber alle ihre Form wiedergefunden haben.