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Peter Fischer (re.) mit Eintracht-Trainer Niko Kovac Bild © Imago

Im zweiten Teil des Interviews spricht Peter Fischer über sein besonderes Verhältnis zu Alex Meier, die Stärken von Niko Kovac und Lukas Hradeckys Zukunft.

Er ist eines der Gesichter der Frankfurter Eintracht, ein Freund klarer Worte und polarisiert damit nur allzu oft - Peter Fischer. Für den Eintracht-Präsidenten war 2017 ein Jahr voller Emotionen. Im großen Bilanz-Interview mit dem hr-sport spricht Fischer über ein Pokalwochenende im Ausnahmezustand, ungewohnte Ruhe bei der Eintracht und wie er den Verein für die Zukunft aufstellen will. Teil zwei.

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dpa Fischer

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Fischer: "Kein Verantwortlicher hat den Namen Kovac in den Mund genommen"

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hr-sport: Herr Fischer, im ersten Teil haben wir über Emotionen und Finanzen gesprochen, kommen wir doch zum Sportlichen. Im März 2016 stand die Eintracht auf einem Abstiegsplatz und Sie haben Niko Kovac geholt – mit gemischten Reaktionen. Er genießt längst großen Respekt und wird bei Bayern oder Dortmund gehandelt. Wie nehmen Sie die Entwicklung wahr?

Peter Fischer: Ich weiß, dass kein Verantwortlicher aus München, Dortmund oder Leverkusen je den Namen Niko Kovac als möglichen neuen Trainer in den Mund genommen hat. Ich verstehe die Medien, dass sie mit interessanten Namen spekulieren. Wäre Domenico Tedesco in Schalke ein Jahr länger im Amt, wäre er sicher auch ein Kandidat. Ich bin da völlig entspannt.

hr-sport: Aber empfinden Sie nicht ein wenig Genugtuung? Schließlich war das Jahr sportlich durchaus wechselhaft und dennoch war es bei der Eintracht immer ruhig, auch während der Negativserie im Frühjahr.

Fischer: Natürlich gab es in dieser Zeit auch mal Enttäuschungen. Aber es gab nicht ein einziges Mal Bedenken. Wir waren uns durch die Verletzungen und den ausgedünnten Kader schon sehr früh bewusst, dass es nicht einfach werden würde. Und so war der Einzug ins Finale des DFB-Pokals ein besonderes Erfolgserlebnis und vor allem ein Kraftakt.

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Fischer im Interview - Teil I

Im ersten Teil des Interviews spricht Peter Fischer über tiefe Gefühle, warum er die Kritik an der Kommerzialisierung versteht und welche Finanzierungsmodelle für die Frankfurter trotzdem interessant sind.

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hr-sport: Denken wir etwa an das Halbfinale in Gladbach. 8:7 nach Elfmeterschießen...

Fischer: Ich war noch lange in der Kabine und habe gespürt, dass die Mannschaft das letzte Korn gegeben hat. Da war schon der Weg in die Dusche für die meisten zu weit. Es gab diesen Fokus auf den Pokal und das Bündeln der Kräfte hat dazu geführt, dass wir das erleben durften. Zusammenfassend war es eine ruhige Saison – mit viel Charme und tollen Begegnungen. Ich weiß nicht, wann ich das bei der Eintracht zuletzt erlebt habe.

hr-sport: Aber nicht bei allen Themen war es ruhig. Lukas Hradecky wurde zum "Helden von Gladbach", aber spätestens nach dem Finale begann das Hin und Her um seine Zukunft. Sportdirektor Bruno Hübner hat zuletzt gesagt, dass er nicht allzu optimistisch sei. Dabei ist Hradecky einer, mit dem sich die Fans identifizieren, der sich bei der Eintracht wohlzufühlen scheint – wie wichtig wäre sein Verbleib?

Fischer: Ich habe im Fußballgeschäft schon vor vielen Jahren jegliche Blauäugigkeit verloren. Lukas Hradecky, sein Vater und ein Berater haben das Heft des Handelns in der Hand. Er fühlt sich hier wohl und hat sich von einem Nobody zu einem guten und angesehenen Tormann entwickelt. Die Mannschaft, das Umfeld passt. Aber das sind Sentimentalitäten, es geht eben auch um Geld. Es geht immer mal einer andere Wege, und dann muss ein anderer kommen. Wenn man aber unser sportliches Führungsteam um Niko Kovac und Fredi Bobic ansieht, mache ich mir überhaupt keine Gedanken.

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Nach dem DFB-Pokalfinale begann sie - die Unruhe um Lukas Hradeckys (re.) Zukunft. Bild © Imago

hr-sport: Keine Sentimentalitäten also. Es gibt aber Spieler, die scheinen sich mehr mit dem Verein zu identifizieren als andere. Bei Marco Fabian, der lebenslanges Mitglied der Eintracht ist, scheint das so zu sein...

Fischer: Das stimmt. Marco Fabian hat zuletzt unsere U11- bis U13-Teams mit einem Besuch ihrer Weihnachtsfeier überrascht Solche Begegnungen zwischen den Profis und dem Nachwuchs sind wichtig. Schließlich ist das keine Einbahnstraße und es gibt auch den Profis etwas. Wenn die Jungs ihre übergroßen Trikots anhaben und sie mit Glitzern in den Augen anstrahlen, dann ist das etwas, dass sie sich nicht kaufen können.

hr-sport: Sie treten im Januar noch einmal als Präsident zur Wahl an. Und Sie haben Ziele – von 50.000 Mitgliedern ist da die Rede, von mehr Spielern aus der eigenen Jugend bei den Profis und mehr Erfolg...

Fischer: Auf uns warten große Herausforderungen und ich habe noch zahlreiche Ziele, die ich in den kommenden vier Jahren gemeinsamen mit den Kolleginnen und Kollegen von e.V. und Fußball AG realisieren möchte. Ich werde es jedoch auch im Vorfeld der nächsten Mitgliederversammlung so halten, wie all die Jahre zuvor: Zuallererst werde ich meine Ziele den Vereinsmitgliedern mitteilen, bevor ich mich in den Medien dazu äußere. Die Mitgliederversammlung ist das höchste Gremium des Vereins. Dort möchte ich zuerst meine Zukunfts-Überlegungen vortragen.

hr-sport: Sie haben vorhin das Wort Sentimentalität benutzt – schwingt die für Sie bei Alex Meier mit? Er hatte mit drei Operationen an der Ferse ein richtiges Seuchenjahr.

Fischer: Zu dem Langen habe ich natürlich ein besonderes Verhältnis. Uns verbindet schon die Körpergröße. Ich habe ihn erlebt, wie er als junger Mann aus Hamburg kam. 2017 war für ihn ein bitteres Jahr und das lässt mich natürlich nicht kalt. Es ist aus sportlicher Perspektive schon tragisch, was er erlebt hat, und tut mir für ihn unendlich leid.

Eintracht-Präsident Peter Fischer und Torjäger Alex Meier
Peter Fischer (re.) zusammen mit Alex Meier. Bild © Imago

hr-sport: Was würden Sie sich für ihn wünschen?

Fischer: Dass er noch das eine oder andere Tor für die Eintracht schießt. Ich glaube, dass er auch nach seiner aktiven Karriere bei uns bleibt. Aber noch hat er ein, zwei Jahre als Sportler. Alex ist wahnsinnig ehrgeizig in der Reha und lebt schon immer sehr diszipliniert. Schon früher stand sonntags oft sein Auto am Stadion und er hat im Wald seine Runden gedreht. Genau so engagiert ist er in der Reha. Er hat den Ehrgeiz und den Willen, noch einmal auf dem Platz zu stehen. Das wünsche ich ihm.

hr-sport: Wie wichtig sind solche Identifikationsfiguren wie Meier, aber auch Niko Kovac für den Verein?

Fischer: Im schnelllebigen Fußballbusiness, in dem es eine Menge Kälte und Kalkül gibt, wird es glücklicherweise immer Typen wie Niko geben. Er ist ein sehr ruhiger und gelassener Mensch. Ein Mann mit Stil, der aus zwei Stunden Training acht Stunden Anwesenheit am Stadion machen kann. Er ist in seinen Aussagen sehr klar, in der Kommunikation mit der Mannschaft sauber und hat keine emotionalen Ausreißer. Er hat sich den Respekt erarbeitet.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Fischer: "Kovac, ein Mann mit Stil"

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hr-sport: Wie ist es mit Kevin-Prince Boateng? Er ist noch nicht so lang bei der Eintracht, aber zählt sicher zu den bekanntesten Eintracht-Profis.

Fischer: Kevin-Prince ist genau das Gegenteil von dem, was man von ihm vorher gehört hat. Er ist ein sympathischer Kerl, höflich, nicht arrogant. Natürlich bringt er aus der Ambivalenz seiner Person viel mit und jeder kennt ihn. Er macht das in Frankfurt sehr gut und hilft beispielsweise jungen Spielern wie Marius Wolf vorbildlich. Die beiden sind wie Brüder. Boateng ist ein Typ. Und ich bin froh, dass wir solche Typen in der Mannschaft haben. Sie tun dem Verein gut.

Das Gespräch führte Ann-Kathrin Rose