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Eintracht-Präsident Peter Fischer ist ein Mann der klaren Worte. Bild © Imago

Eintracht-Präsident Peter Fischer lässt das Jahr 2017 im Interview Revue passieren: Er spricht über tiefe Gefühle, warum er die Kritik an der Kommerzialisierung versteht und welche Finanzierungsmodelle für die Frankfurter trotzdem interessant sind.

Er ist eines der Gesichter der Frankfurter Eintracht, ein Freund klarer Worte und polarisiert damit nur allzu oft - Peter Fischer. Für den Eintracht-Präsidenten war 2017 ein Jahr voller Emotionen. Im großen Bilanz-Interview mit dem hr-sport spricht Fischer über ein Pokalwochenende im Ausnahmezustand, ungewohnte Ruhe bei der Eintracht und wie er den Verein für die Zukunft aufstellen will. Teil eins.

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hr-sport: Herr Fischer, können Sie sich erinnern, wann Sie das letzte Mal Gänsehaut hatten – vielleicht am 27. Mai, beim Pokalfinale in Berlin?

Fischer: Gänsehaut hatte ich neulich abends, als ich beim Fernsehen eingeschlafen bin und mein Sohn mich erschreckt hat. Das Pokalfinale in Berlin? Dagegen ist Gänsehaut noch Kinderkarneval. Das waren drei Tage Emotionen pur, die man nicht mit Worten beschreiben kann.

hr-sport: Was war an diesem Wochenende so besonders?

Fischer: Es sind neben dem Spiel gegen Dortmund und unserer Niederlage nach einem insgesamt spannenden Verlauf natürlich viele andere Erinnerungen hängen geblieben. Ich war auf zig Veranstaltungen, habe vor 10.000 Menschen auf dem Alex-Meier-Platz gestanden und bin kaum von der Bühne gekommen, weil ich durch die Menge getragen wurde. Egal wo ich war, welche Tür ich aufgemacht habe oder wo ich aus dem Auto gestiegen bin. Ich hatte das Gefühl: Ganz Berlin ist Frankfurt. Es gab keine Minute ohne Emotionen.

hr-sport: Gab es einen Höhepunkt?

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Fischer: Eine Situation im Stadion war ganz speziell. Es mag pathetisch klingen, aber es war etwas Besonderes. Die Band Tankard hatte mich gebeten, mit in die Kurve zu kommen, wenn sie ihren Auftritt direkt vor dem Anpfiff im Stadion haben. Das hat mich unglaublich bewegt. Das kann man nicht beschreiben. All die Menschen, die Musik – da hat mich etwas Unsichtbares berührt. Das habe ich noch nie im Leben gespürt. Das war keine Gänsehaut, sondern etwas ganz Anderes, eben Unbeschreibliches.

hr-sport: Können Sie sich an das Spiel inmitten dieses übermächtigen Gefühls noch erinnern?

Fischer: Das Spiel hat heute im Nachhinein angesichts der vielen Emotionen und Begegnungen für mich nicht mehr so einen großen Stellenwert. Natürlich wäre es toll gewesen, zu gewinnen. Aber im Gesamtpaket war dieses fantastische, aufregende Spiel nur ein Teil des gesamten Wochenendes.

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Peter Fischer beim DFB-Pokalfinale in Berlin vor der Kurve der Frankfurter Eintracht im Berliner Olympiastadion. Bild © Imago

hr-sport: Es gab aber nicht nur positive Momente und Emotionen. An der Inszenierung in der Halbzeit, dem Auftritt von Helene Fischer und der Kommerzialisierung des Fußballs gab es massive Kritik. Konnten Sie das nachvollziehen?

Fischer: Die Kritik war deutlich und die Fans hätten sie nicht besser positionieren können – inmitten dieser positiven Emotionen 15 Minuten Protest. Das war ein notwendiges Statement und ich bin mir sicher, dass es beim DFB angekommen ist und zum Nachdenken angeregt hat. In Zukunft wird es das Programm so nicht mehr geben. Das ist gut und mit der Künstlerin hat es jemanden getroffen, die das emotional verkraftet und nicht als persönlichen Angriff, sondern als Kritik an der kommerziellen Unterhaltung wertet.

hr-sport: Bleiben wir beim Thema Kommerzialisierung: Können Sie die Sorgen der Anhänger verstehen, dass externe Geldgeber bei der Eintracht künftig allzu großen Einfluss gewinnen könnten? Der Kollege Martin Kind aus Hannover arbeitet ja gerade daran, die 50+1-Regel zumindest aufzuweichen.

Fischer: Selbstverständlich kann ich die Sorgen der Anhänger verstehen, wenn es in Überschriften heißt "222 Millionen Ablöse". Und das nur, damit ein Spieler von einem blauen in ein gestreiftes Trikot wechselt. Das sind Zahlen, die man nicht mehr greifen und verstehen kann. Die fragwürdigen Entwicklungen fangen mittlerweile schon in der Jugend an. Da werden Spieler mit 15 Jahren Süddeutscher Meister mit Eintracht Frankfurt und sind drei Tage später weg bei einem anderen Verein, weil man ihnen zukünftig monatlich 8.000 Euro zahlt. Einige Internate in den Nachwuchsleistungszentren der Bundesliga werden durch solche Entwicklungen vollgestopft, im Lizenzspielerbereich aber kommen die Jungs meist nicht an.

Ich kann die Eltern sogar ein Stück weit verstehen, wenn dem Sohn und damit der Familie mit einem Mal derartige Summen geboten werden. Natürlich könnte ich ihnen erklären, dass nur wenige Jungs wirklich den Sprung nach ganz oben schaffen und den meisten wahrscheinlich der Sprung zum Profi nicht gelingt – aber dazwischen liegt eben eine Menge Geld.

hr-sport: Kann sich die Eintracht angesichts dieser veränderten Situation vor solchen Investorenmodellen verschließen? Es kursieren ja unterschiedliche Finanzierungsmodelle...

Fischer: Ich besitze nicht die Naivität, zu sagen, dass wir alles ungeachtet der Entwicklungen so weitermachen können – dann finden wir uns in ein paar Jahren wahrscheinlich in der zweiten oder dritten Liga wieder. Schon jetzt sind einige Traditionsvereine aus der Bundesliga verschwunden. Wenn wir weiterhin ganz oben mitspielen wollen, ist die Frage, mit welchen Kapitalmaßnahmen wir das schaffen. Mit mir als Präsident wird es bei Eintracht Frankfurt keine Diskussion über die 50+1-Regel geben, aber es gibt andere Möglichkeiten der Finanzierung.

Wir wissen, welche Menschen oder Institutionen zu uns und unserer Tradition passen. Wir haben entsprechende Konzepte. Es ist ein Mehrstufenmodell mit einer Form von Kapitalbeteiligung, die nur dafür da ist, den nächsten Schritt zu gehen und dann einen größeren Player mit ins Boot zu holen. Das wäre der Idealfall. Aber niemand, der finanziell bei uns involviert ist, wird den Verein führen oder Transferentscheidungen treffen.

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Peter Fischer von Eintracht Frankfurt

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Fischer: "Dann finden wir uns in der zweiten oder dritten Liga wieder"

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hr-sport: Sie haben also ein konkretes Modell im Visier. Gibt es einen Zeitrahmen?

Fischer: Wir sind schon in einem Prozess. Im Moment sind wir abhängig von Dingen, die wir nicht beeinflussen können. Etwa den Steuerbehörden, die bestimmte Details bewerten. Das ist ein ganz normales Verfahren, das aber eben auch die nötige Zeit braucht.

hr-sport: Das heißt, es gibt einen Plan und Sie sind bereits dabei, den umzusetzen?

Fischer: Wir wissen, wo wir hinwollen und haben eine smarte Idee. Wir versuchen, Tradition und Wettbewerb zusammen zu bringen. Ich kann mir kein passenderes Modell vorstellen.

hr-sport: Können Sie das konkreter erklären?

Fischer: Nein. Mehr kann ich dazu im Moment noch nicht sagen.

Das Gespräch führte Ann-Kathrin Rose