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Gelson Fernandes ertappt sich oft selbst beim Blick auf das Handy. Bild © Imago

Gelson Fernandes hat genug von Facebook, Instagram und Co. Der Eintracht-Profi kritisiert den Umgang mit Social Media und beklagt die ständige Handynutzung. Dabei nimmt er sich auch selbst nicht aus.

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Gelson Fernandes übt Kritik an der neuen Spielergeneration.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Fernandes: "Zusammenarbeit ist schwieriger"

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Gelson Fernandes und die Sprachen dieser Welt – das sind ziemlich beste Freunde. Sieben Sprachen spricht der Eintracht-Profi – kommuniziert mit Team-Kollege Sébastien Haller auf dem Platz schon einmal auf Französisch, scherzt dann auf Spanisch mit David Abraham und steht den wartenden Journalisten schließlich auf Deutsch Rede und Antwort. Seine Ansprache schnörkellos. "Endlich", sagte Fernandes zu Beginn. Endlich ist er zurück. Ende September hatte sich der Mittelfeldspieler einen Muskelfaserriss zugezogen, nun darf er endlich wieder angreifen. "Es fehlt Spielpraxis. Ich muss mit der Mannschaft trainieren und im Training Vollgas geben, um Tempo zurückzukriegen."

Die Analyse seiner Defizite ist klar – und schonungslos. Doch Fernandes ist nicht nur in Bezug auf sich selbst ein Freund deutlicher Worte. "Alle wollen zeigen, was sie haben und was sie machen – bei Facebook, Instagram und ich weiß nicht wo", sagte Fernandes. Kritik am Umgang mit Social Media hatte der 31-Jährige bereits in einer Kolumne in der Schweizer Zeitung Blick geübt und dabei vor allem die Youngster ins Visier genommen. Nun bekräftigte er sie. "Die Zusammenarbeit, das Kollektiv – das ist vielleicht schwieriger als früher."

"Das ist unglaublich"

Fernandes wollte seine Worte nicht explizit auf seine Eintracht-Teamkollegen verstanden wissen. Das sei eher eine allgemeine Beobachtung, betonte er. Immer erreichbar, immer online und stets das Handy in der Hand. "So ist es überall", sagte er. "Wenn ich zu Hause bin, passiert es, dass meine Freundin ein iPad in der Hand hat, meine Tochter auch und ich das Handy. Dann sage ich: 'Was machen wir hier?'"

Zitat
„Wenn ich zu Hause bin, passiert es, dass meine Freundin ein iPad in der Hand hat, meine Tochter auch und ich das Handy. Dann sage ich: 'Was machen wir hier?'“ Zitat von Gelson Fernandes
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Der Blick aufs Handy ist längst Routine geworden – alle 18 Minuten im Durchschnitt. Das zeigt eine Studie der Universität Bonn. "Das ist unglaublich", so Fernandes, der ob der Zahl noch einmal ungläubig nachfragte: "Mit Arbeit? 18 Minuten?" Ja, auch in der Arbeitszeit. Das Problem haben Fernandes und seine Teamkollegen bei der Eintracht übrigens nicht. "Wir dürfen nicht mit dem Handy in die Kabine", verriet er. Im Spielerbereich werde darauf geachtet, dass die Profis nicht ständig das Smartphone mit sich herumtragen.

Verantwortung übernehmen

Und dann sind da ja auch noch die gestandenen Spieler. Sie sollen vorangehen, Vorbild sein – einer von ihnen ist Fernandes. Er spielte bereits in vielen europäischen Ligen, lief in England, Frankreich, Portugal und der Schweiz auf. Dort hat er Erfahrungen gesammelt, Beobachtungen gemacht. All das nutzt er nun auch bei der Eintracht. "Wir haben erfahrene Spieler“, sagte er mit Blick aufs Team. "Und wenn es passiert, sollten wir daran erinnern." An die Realität – fernab von Smartphone und Social Media. Und die ist für Fernandes nach seiner Rückkehr ohnehin viel schöner als jeder Post und Like bei Instagram, Facebook und Co.