Boateng Rassismus
Kevin-Prince Boateng ist mit der 1Live Krone ausgezeichnet worden. Bild © picture-alliance/dpa

Manche Fußballer sammeln Trophäen wie Kinder in den 1980er-Jahren Briefmarken. Eintracht-Idol Kevin-Prince Boateng sind die meisten Auszeichnungen egal. Sein neuester Award gehört allerdings nicht dazu.

Videobeitrag

Video

zum Video Boateng: "Bedeutet, dass hingehört wird"

Ende des Videobeitrags

Sein Kampf gegen Rassismus findet Gehör. Kevin-Prince Boateng ist für sein Engagement am Donnerstagabend mit dem 1Live Krone Award ausgezeichnet worden. In  einer Live-Schalte aus dem Hessischen Rundfunk bedankte sich der Eintracht-Profi von ganzem Herzen für die Auszeichnung. Dem hr-sport erklärte er, wie viel sie ihm bedeutet: "Für die meisten Sachen, die man macht, braucht man eigentlich keinen Award. Aber das freut mich auf jeden Fall, weil es einfach heißt, dass anerkannt wird, was ich mache und dass Menschen helfen wollen."

"Man darf nicht weggucken"

Boateng, der selbst auf dem Fußballplatz des Öfteren mit Rassismus konfrontiert wurde, denkt bei seinem Kampf nicht nur an sein eigenes Wohlergehen. "Ich habe ein Ziel, einen Traum: dass meine Kinder aufwachsen können und das Wort Rassismus gar nicht kennen", erklärte er dem hr-sport.

So engagiert der 30-Jährige auch für seine Sache auftritt, er weiß: Alleine wird er das Problem nicht lösen können. Doch was genau können Menschen gegen Rassismus tun? "Man darf nicht weggucken", so Boatengs Bitte und Handlungsanweisung. "Es gibt viele, die einfach weggucken oder dasselbe machen, was ich früher gemacht habe: es runterschlucken und das Problem nicht konfrontieren." Er wolle Menschen bestärken, keine Angst zu haben und gegen Rassismus zu kämpfen.

Videobeitrag

Video

zum Video Boateng: "Ich habe ein Ziel"

Ende des Videobeitrags

Zeichen gesetzt und Forderungen formuliert

Boateng engagiert sich schon seit vielen Jahren gegen Rassismus. Einer großen Öffentlichkeit wurde das bewusst, als er bei einem Testspiel seines damaligen Vereins AC Mailand gegen Viertligist Pro Patria Anfang Januar 2013 ein deutliches Zeichen setzte. Nachdem er aufgrund seiner Hautfarbe beleidigt wurde, feuerte Boateng den Ball in die Zuschauerränge und verließ den Platz in der 26. Minute. Seine ebenfalls entsetzten Teamkollegen folgten ihm. Zwei Monate später hielt Boateng vor dem Menschenrat der Vereinten Nationen einen Vortrag über Rassismus.

Im Oktober dieses Jahres sorgte er für Furore, als er den Videobeweis bei Rassismus in Deutschlands Stadien forderte. "Wir haben Torlinien-Technik und den Videobeweis, dass Boateng im Abseits stand und der Elfer nicht gegeben wurde. Aber warum setzen wir nicht die Technik ein, dass jeder rassistische Schreier identifiziert, rausgeschmissen wird und nie wieder zurück ins Stadion darf?", schlug er vor. Von den Verbänden sei seitdem noch niemand auf ihn zugekommen, berichtete Boateng am Donnerstag.

Videobeitrag

Video

zum Video Boateng: "Nicht weggucken"

Ende des Videobeitrags