Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner mit Fans
Kopf frei kriegen, Selbstvertrauen tanken. Die Eintracht drückt den Reset-Knopf. Bild © Rhode/Storch

Ist das Glas bei Eintracht Frankfurt halbvoll oder halbleer? Der Tabellenstand ist für einen Fast-Absteiger mehr als akzeptabel, die aktuelle Form bereitet dennoch Anlass zur Sorge. Sportdirektor Bruno Hübner muss viele Baustellen beackern.

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Die Meinungen über das 0:0 der Frankfurter Eintracht gegen den HSV gehen auch zwei Tage nach dem Spiel weit auseinander. Für die einen war es der erste Schritt raus aus der Krise, für die anderen die wahrscheinlich längsten 90 Minuten ihres Lebens. "Niederlagen-Serie gestoppt", meinen die Optimisten, "langweilig, harmlos, keine Ideen", ruft die Gegenseite. "Es war wichtig, dass wir wieder einmal ein Erfolgserlebnis hatten", sagt Bruno Hübner. Der Sportdirektor der Eintracht unterstrich im Gespräch mit dem hr-sport die Bedeutung des Punktgewinns und will jetzt neu durchstarten.

Neustart erzwingen

Die Ansprüche der Eintracht im März 2017 haben mit den Ansprüchen der Eintracht im vergangenen Dezember nicht mehr allzu viel zu tun. Nach teils berauschenden Fußballfesten vor dem Jahreswechsel gegen den FC Bayern (2:2) oder Borussia Dortmund (2:1) reicht mittlerweile schon ein torloses Remis gegen den Tabellen-16. der Bundesliga, um die ein oder andere Jubelgeste im Stadion hervorzurufen. Hauptsache nicht schon wieder verloren. "Auf diesem Unentschieden müssen wir aufbauen", so Hübner, der auf die heilende Kraft der Länderspielpause setzt. "Wir müssen den Reset-Knopf drücken und uns neu aufstellen."

Und das beginnt bei der Erwartungshaltung. Die Träume von Europa, gegen die sich die Frankfurter Verantwortlichen lange und vehement gewehrt haben, sind erst einmal ausgeträumt. Es gilt jetzt zu allererst, das ganz böse Erwachen zu verhindern. Die steten Warnungen vor verfrühtem Jubel von Hübner, Trainer Niko Kovac und Sportvorstand Fredi Bobic haben sich letztlich bewahrheitet. "Es ist klar, dass von außen ein Stück weit Enttäuschung da ist", so Hübner. "Aber wir haben immer drauf hingewiesen, dass das bei uns passieren kann. Wir haben nun mal eine ganz schmale Spielerdecke."

Trio soll Kräfte tanken

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Eine Decke, die in den nächsten zwölf Tagen geflickt werden muss. Die Eintracht will das  spielfreie Wochenende nutzen, um einige Rekonvaleszenten wieder ans Team heranzuführen und das eine oder andere Wehwehchen auszukurieren. Allen voran Jesus Vallejo wird nach seinem Muskelfaserriss schmerzlich vermisst, auch Alex Meier (nach Erkältung) und Guillermo Varela (nach OP) würden dem Team in Top-Verfassung gut zu Gesicht stehen. Das Trio wird zum Spiel gegen Gladbach zurückerwartet. "Die Länderspielpause kommt da genau richtig", so Hübner.

Etwas länger wird es hingegen bei Makoto Hasebe dauern. Der Japaner hat den Cut am Schienbein nach seinem Pfosten-Crash von München zwar auskuriert, klagt aber jetzt über anhaltende Kniebeschwerden und muss operiert werden. Der Chef im Frankfurter Defensivverbund wird sich im Kreise seiner Nationalmannschaft in Tokio einer Arthroskopie unterziehen und dann nach Frankfurt zurückkehren. "Wir gehen davon aus, dass wir dann eine Diagnose haben, mit der wir arbeiten können", so Hübner, der neben der nahen allerdings auch die etwas fernere Zukunft im Blick behalten muss. Stichwort: Kader für die neue Saison.

Wer geht, wer bleibt, wer kommt?

Mit Vallejo, Varela, Michael Hector, Ante Rebic, Marius Wolf und Shani Tarashaj stehen gleich sechs Spieler im Aufgebot, deren Leihverträge im Sommer enden. Was dann passiert? ungewiss. Vor allem bei Vallejo, Varela und Rebic ist eine weitere Zusammenarbeit vorstellbar, die Umsetzung dabei aber unterschiedlich kompliziert. Vallejo soll noch ein Jahr bleiben, ehe er sein Glück bei Real Madrid versucht, ist aber "sehr begehrt", Varela hatte aufgrund von Verletzungspech zu wenig Zeit, noch intensiver Eigenwerbung zu machen. Zudem läuft sein Arbeitspapier in Manchester nur noch ein Jahr, was eine weitere Leihe unmöglich macht.

Die besten Karten gibt es deshalb wohl bei Rebic, dessen Option bald gezogen werden soll. "Bei ihm haben wir alles in der Hand. Wir sind mit den Vereinen im Kontakt", so Hübner, dessen Verhandlungsposition in den vergangenen Wochen jedoch etwas gelitten hat. Denn klar ist: Je weiter unten die Eintracht steht, desto schlechter sind die Chancen, Spieler wie Vallejo, Varela oder auch Keeper Lukas Hradecky zu halten. "Unser Interesse ist, dass wir eine bestmögliche Tabellensituation erreichen, um unsere Ausgangssituation bei den Spielern zu verbessern", sagte er. "Insgesamt spielt die Mannschaft eine hervorragende Runde - das dürfen wir uns nicht nehmen lassen."