Boateng, Hradecky und Haller stoßen auf den Sieg gegen Werder an
Auf die Eintracht! Hradecky, Boateng und Haller (v.li.) feiern den Sieg gegen Werder. Bild © Twitter/Kevin-Prince Boateng @KPBofficial

Hinten ein Finne, vorne ein Alex-Meier-Double: Eintracht Frankfurt übertüncht beim Sieg gegen Werder Bremen Abwehrprobleme mit individueller Klasse. Nur der Prince hat die falschen Vorbilder. Eine Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht Frankfurt macht es auch gegen Werder Bremen auf den letzten Drücker und feiert beim 2:1 (1:1)-Erfolg im eigenen Stadion den dritten Last-Minute-Sieg in dieser Saison. Das Sturm-Traumpaar Ante Rebic (17. Minute) und Sébastien Haller (89.) sorgt für die Tore, Keeper Lukas Hradecky verdient sich mit mehreren Glanzparaden ein paar Extra-Bier. Die Runde zahlen muss wohl Kevin-Prince Boateng.

Die Viererkette funktioniert nicht

Wenn Eintracht Frankfurt von der schwächsten Offensive der Liga schwindelig gespielt wird, läuft irgendetwas gewaltig schief. Werder Bremen, das es zuvor in neun Bundesliga-Spielen auf ganze drei Tore gebracht hatte, stellte die Frankfurter Defensive vor allem im ersten Durchgang vor große Probleme und schoss vor der Halbzeit genau doppelt so oft aufs Tor (acht Mal) wie die Eintracht (vier Mal). Die neuformierte Viererabwehrkette um Jetro Willems, Simon Falette, David Abraham und Aushilfs-Rechtsverteidiger Carlos Salcedo torkelte mehr, als dass sie verteidigte und konnte von Glück reden, dass Niko Kovac genau richtig reagierte: Der Eintracht-Coach stellte in der Pause um und änderte von überforderter Vierer- auf stabile Dreierkette.

Hradecky lässt Werder verzweifeln

Die Defensiv-Fehler, die Trainer Kovac an der Taktiktafel ausmerzte, hatte zuvor Torhüter Hradecky auf dem Platz ausgebügelt. Nach einer frühen Rettungstat gegen Max Kruse (2.) und dem Gegentreffer durch Niklas Moisander (24.) lief der Finne bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt gegen Ende des ersten Durchgangs richtig heiß und entschärfte innerhalb von drei Minuten gleich drei erstklassige Einschussmöglichkeiten. Erst scheiterte Zlatko Junuzovic (40.), dann erneut Kruse (42.), dann Maximilian Eggestein (43.). "Riesen-Kompliment an Lukas. Ohne ihn wären wir mit 1:3 in die Pause gegangen", lobte Kovac seinen Schlussmann, der nach Abpfiff sein persönliches Erfolgsgeheimnis verriet: "Man wird besser, wenn man mehr Bier trinkt. Ich habe auch schon wieder Durst", grinste Matchwinner Nummer eins.

Haller und die Last-Minute-Tore

Wie es um den Bier- oder Champagner-Durst von Sebastién Haller bestellt ist, ist nicht bekannt. Das Talent des französischen Stürmers, auch ganz am Ende des Abends noch topfit und hellwach zu sein, ist aber unbestritten. In bester Stürmermanier hätte Haller die ersten 88 Minuten der Partie gegen Werder auch am Strand, einer Bar oder im Bett verbringen können – sein Einfluss aufs Spiel wäre wohl derselbe gewesen. In der 89. Minute war Matchwinner Nummer zwei dann aber zur Stelle und verwertete eine Flanke des eingewechselten Taleb Tawatha technisch anspruchsvoll per Volley-Abnahme zum dritten Last-Minute-Sieg innerhalb weniger Wochen. Haller ist da, wenn es drauf ankommt und erinnert mit dieser Fähigkeit fast schon an den Fußballgott höchstpersönlich: "Er ist wie eine Kopie von Alex Meier", adelte Hradecky.

Boateng macht den Gomez

Dass die 51.500 Zuschauer im ausverkauften Frankfurter Stadion allerdings überhaupt so lange zittern mussten, lag zu großen Teilen auch an einer Slapstick-Einlage von Kevin-Prince Boateng. Während sein Kumpel Haller an Meier erinnerte, eiferte Boateng Nationalstürmer Mario Gomez und dem Kölner Sehrou Guirrassy nach und bewies eindrucksvoll, dass man den Ball auch aus kürzester Distanz so treffen kann, dass er nicht ins Tor geht. Ähnlich wie Gomez bei der EM 2008 gegen Österreich oder Guirrassy vor wenigen Wochen in der Bundesliga gegen Bremen hätte Boateng nach schöner Vorarbeit von Willems eigentlich nur noch den Fuß hinhalten und zum Jubeln abdrehen müssen (55.). Tat er aber nicht. Von Boatengs Wade sprang der Ball in hohem Bogen zurück auf Willems' Kopf - und von dort ins Aus.

Mit Punktepolster in die Länderspielpause

Dank des Matchwinner-Duos Hradecky/Haller wird diese Szene allerdings keinen Einfluss auf die Tabelle haben. Die Eintracht hat nach elf Spieltagen 18 Punkte gesammelt und kann beruhigt in die anstehende Länderspielpause gehen. Der vorübergehende Platz sechs ist trotz aller Verbesserungsmöglichkeiten mehr als in Ordnung. Ausruhen aber streng verboten: "Eins können Sie mir glauben: Ich werde jetzt sicher nicht überschwänglich feiern, wir haben noch viel Arbeit vor uns", warnte Kovac. Das eine oder andere Kaltgetränk wird sich vor allem Hradecky aber gönnen dürfen. Die Rechnung wird Boateng sicher gerne übernehmen.