Die Eintracht bejubelt den Einzug ins Pokal-Halbfinale
Ein Walzer zum Faschingsbeginn: Die Eintracht darf weiter von Berlin träumen. Bild © Imago

Mainz 05 schenkt der Eintracht mit drei Slapstick-Einlagen den Einzug ins DFB-Pokal-Halbfinale. Für den besten Frankfurter gibt es eine Extra-Belohnung, sogar der Schiedsrichter ist gut gelaunt. Eine Zusammenfassung in fünf Punkten.

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Die Frankfurter Eintracht zieht ohne Probleme ins Halbfinale des DFB-Pokals ein. Viertelfinal-Gegner Mainz 05 erweist sich beim 3:0-Heimerfolg als großzügiger Gast und präsentiert sich in Geberlaune: Von den Fans gibt es Kamelle, von der Mannschaft gleich jede Menge Einladungen zu Toren. Ante Rebic und Omar Mascarell nehmen diese dankend an, der Mainzer Alexander Hack macht’s grad selbst. Jetzt ruft Berlin.

Berlin Calling

Die Frankfurter Arena wird zur Party-Hochburg. Nachdem es erst Ende Januar nach der Partie gegen Gladbach eine etwas verfrühte Champions-League-Fete gegeben hatte, intonierten alle Beteiligten am Mittwoch den Gassenhauer "Berlin, Berlin. Wir fahren nach Berlin" und schunkelten anschließend gemeinsam den Eintracht-Frankfurt-Walzer. Der Dämpfer von Augsburg ist längst vergessen, die Euphorie ist genauso schnell zurückgehrt wie sie kurzzeitig verschwunden war.

Die Eintracht steht dank eines ungefährdeten 3:0-Siegs gegen den 1. FSV Mainz 05 zum zweiten Mal in Folge im Halbfinale des DFB-Pokals und ist nur noch einen Sieg vom großen Berliner Endspiel entfernt. "Da wollen wir jetzt natürlich unbedingt hin", sagte Trainer Niko Kovac auf der Pressekonferenz. Wohlwissend, dass die möglichen Gegner FC Bayern München, Bayer Leverkusen oder FC Schalke 04 heißen. "Da spielt jetzt die Elite. Und Wir."

Die Rotation funktioniert

Vor dem Vergnügen stand aber auch gegen Mainz erst einmal die Arbeit. Trainer Kovac reagierte auf die Packung von Augsburg und wechselte in der Startelf gleich vier Mal durch. Jetro Willems, Danny da Costa, Marco Russ und der zuletzt gelbgesperrte Ante Rebic rückten zurück in die Anfangsformation. Simon Falette, Luka Jovic und Timothy Chandler mussten dafür auf der Bank Platz nehmen. Mijat Gacinovic stand wegen einer Sprunggelenksverletzung gar nicht erst im Kader.

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"Wir haben volles Vertrauen in alle unsere Spieler, das haben alle vier heute richtig gut gemacht", lobte Kovac. Rebic brachte die Eintracht in Führung (17. Minute), Russ überzeugte in der Dreierkette mit Zweikampfstärke und Übersicht, Danny Da Costa machte viel Betrieb über die rechte Außenbahn. Lediglich Jetro Willems fiel etwas ab. "Für ihn ist Fußball immer ein Kunstwerk", nahm Kovac seinen etwas zu verspielten Linksverteidiger in Schutz. "Er braucht die Ästhetik, ich bin da eher der Pragmatiker."

Eintracht zeigt Reaktion auf Augsburg

Zum Glück für Kovac und Willems setzte der Rest des Teams die Vorlieben des Trainers ohne größere Schnörkel in die Tat um. Die Eintracht zeigte gegen erschreckend schwache Mainzer von Beginn an, dass die Leidenschaft zurück ist und der Totalausfall gegen den FCA ein einmaliger Ausrutscher bleiben soll. Alleine in der ersten Viertelstunde vergaben Marius Wolf (6.), Rebic (9.) und Russ (11.) gleich drei hochkarätige Chancen, Mainz gelang in der kompletten Partie nicht ein gefährlicher Torabschluss.

Die Eintracht zeigte zwar keine herausragende Leistung und hatte vor allem nach dem Seitenwechsel zunächst ein paar Probleme. Der Unterschied zu den abstiegsbedrohten Gästen aus Rheinhessen war aber zu jedem Zeitpunkt klar erkennbar. "Wir haben das gut gemacht, nicht sehr gut", unterstrich Kovac, dem vor allem einige Nachlässigkeiten in der zweiten Hälfte nicht gefielen. "Letztlich zählt im Pokal aber nur, dass wir weiter sind." Alles andere in diesem Fall: geschenkt.

Mainz im Gönnermodus

Womit wir beim Thema des Abends wären. Der selbsternannte Karnevalsverein aus Mainz erwies sich einen Tag vor Altbweiberfastnacht als großzügiger Gast: Die Fans verteilten Kamelle auf dem Frankfurter Rasen und erfreuten damit unter anderem Schiedsrichter Deniz Aytekin, der sich ein Lutschbonbon gönnte. Die Spieler verteilten gleich drei Einladungen zu Toren und erfreuten damit die Frankfurter Gastgeber.

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Zunächst vertändelte René Adler am eigenen Fünfmeterraum einen Rückpass seines Kapitäns Stefan Bell – Rebic schnappte sich die Kugel, Doppelpass mit Wolf, 1:0 für die Eintracht. Dann war FSV-Innenverteidiger Hack so frei, einen harmlosen Querpass von Sébastien Haller gleich selbst zum 2:0 über die Lilien zu drücken (53.). Ein Stockfehler des gleichen Hack landete zur Krönung der Mainzer Slapstick-Darbietungen in den Füßen von Mascarell, der zum Endstand einlupfte (62.). "Wir haben heute drei Geschenke verteilt", fasste Mainz-Trainer Sandro Schwarz den Auftritt seines Teams zusammen. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Mascarell glänzt in ungewohnter Rolle

Einer hatte sich die Mainzer Großzügigkeit aber am meisten verdient: Mascarell, der nach seiner fast neunmonatigen Verletzungspause im Eiltempo zurück zu alter Stärke gefunden hat, war auch gegen den FSV der Dreh- und Angelpunkt im Frankfurter Spiel. Mascarell bestimmte das Tempo, Mascarell verlagerte immer wieder mit langen Diagonalbällen die Seite und Mascarell traf endlich auch mal das Tor.

Sein Treffer zum 3:0 war – abgesehen von einem erfolgreichen Strafstoß im Elfmeterschießen gegen Ingolstadt – sein erster überhaupt in seiner Frankfurter Zeit. "Omar ist ein Gedicht", schwärmte Coach Kovac nach Abpfiff in den Katakomben. "Er war letztes Jahr nicht im Finale dabei und hätte es jetzt wirklich verdient." Es fehlt nur noch ein Sieg. Dann steigt die nächste große Frankfurter Party am 19. Mai in Berlin.