Collage zum Spiel der Eintracht in Heidenheim
Bild © Imago/Collage: hessenschau.de

Ein über weite Strecken gruseliger Pokal-Kick in Heidenheim hat für die Eintracht ein versöhnliches Ende gefunden. Daran hatte der Schiri ebenso seinen Anteil wie ein Spieler, mit dem wohl kaum ein Frankfurter Fan gerechnet hätte. Das Spiel in der Analyse.

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Viel Rauch um nichts

Mittwochabend, 20.45 Uhr, Auswärtsfahrt. Es gibt deutlich attraktivere Spiele für Fans als die Pokalbegegnung in Heidenheim. Dennoch nahmen am Mittwoch rund 4.000 Frankfurter den Weg an die Ostalb auf sich, um ihre Eintracht beim 2:1 (n.V.)-Erfolg in Heidenheim zu unterstützen. Toll: die imposante Choreographie vor dem Anpfiff. Weniger toll: die Pyro-Show zum Ende der Choreographie. Im grauen Nebel ging gar nichts, der Start verzögerte sich um rund sechs Minuten.

Gott sei Dank waren heute die Pyrohunde in Heidenheim am start, sonst hätten die bösen Frankfurter gezündet! Wait.. #skypokal #FCHSGE

Viel spannender als der Blick auf eine graue Wand sollte das, was in den nächsten 90 Minuten folgte, allerdings nicht werden. Die Eintracht tat sich gegen strukturierte Heidenheimer unheimlich schwer, hatte erwartungsgemäß mehr Ballbesitz, konnte damit aber gar nichts anfangen. Wenn eine Mannschaft in der ersten Hälfte gefährlich wurde, waren es die Heidenheimer. Bis zur ersten klaren Frankfurter Torchance durch Sébastien Haller dauerte es rund eine Stunde. Sein Team habe "das Tempo vermissen lassen", bemängelte Trainer Niko Kovac. Es bleibt dabei: Die Eintracht bekommt hauptsächlich dann Probleme bekommt, wenn sie das Spiel machen muss.

Choreografie der Eintracht-Fans
Ob die Pyro-Hunde ein wenig verschnupft waren? Bild © Imago

73 Sekunden Hochspannung

So trist die reguläre Spielzeit auch anzusehen war: Was die beiden Mannschaften in der Verlängerung boten, konnte sich in Sachen Tempo und Torchancen durchaus sehen lassen - vor allem die 95. und 96. Minute, als Mijat Gacinovic zunächst Frankfurt in Führung schoss, ehe FCH-Kapitän Marc Schnatterer handgestoppte 73 Sekunden später zum Ausgleich einnetzte.

Während die Eintracht von einer starken Boateng-Aktion profitierte - der Mittelfeldspieler brachte Tor-Vorbereiter Marius Wolf mit einem Pass in die Schnittstelle der Heidenheimer Abwehrkette ins Spiel - konnten sich die Gastgeber mal wieder auf ihre Lebensversicherung verlassen: Mitten in den Frankfurter Jubel hinein zirkelte Heidenheims Urgestein und Spielführer Schnatterer den Ball von außen scharf in Richtung langen Pfosten. Weil John Verhoek Eintracht-Torhüter Lukas Hradecky irritierte, landete das Leder unberührt im Netz.

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Pokalheld Danny da Costa

Danny wer? Gelegenheitszuschauer und Alibi-Fans werden sich nach dem 2:1 der Eintracht erstmal zur Recherche zurückgezogen haben. Mit Haller traf zwar der Torschütze vom Dienst in der 109. Minute, den größeren Anteil am Siegtreffer hatte aber Vorlagengeber Danny da Costa. Jener da Costa, der nach seiner Verpflichtung im Sommer ganze zwei Bundesliga-Kurzeinsätze im August für Frankfurt vorzuweisen hat. Ein Sehnenanriss im Oberschenkel hat ihn die meiste Zeit zum Zuschauen verdammt.

25 Spielminuten im Trikot der Hessen hatte da Costa bis Mittwoch absolviert, weitere 20 kamen in Heidenheim hinzu. Und die reichten, um dem Spiel die entscheidende Wendung zu geben: Nach einem Doppelpass mit Marc Stendera tunnelte der Rechtsaußen seinen Gegenspieler, zog in den Sechzehner und servierte Torjäger Haller den Ball einschiebgerecht auf den Schlappen. Mit solchen Aktionen dürfte da Costa in der Rückrunde noch von sich reden machen.

Im Zweifel für die Eintracht

Doch hätte der Siegtreffer des Bundesligisten überhaupt zählen dürfen? Während die Heidenheimer diese Frage mit einem klaren "Nein" beantworten, lassen die Fernsehbilder zumindest Zweifel zu. Denn beim Abspiel von da Costa auf Stendera stand Letzter mit dem Füßchen womöglich hauchdünn im Abseits. Das Schiedsrichtergespann entschied korrekterweise: Im Zweifel für den Angreifer.

Das alles wäre wohl kaum der Rede wert, hätten die Unparteiischen im ersten Durchgang nicht den vermeintlichen Heidenheimer Führungstreffer durch Kevin Kraus zurückgepfiffen. Die Wiederholung zeigt: Kraus befand sich mit dem Arm im Abseits, sein für den Abseitspfiff relevanter Oberkörper hingegen war auf gleicher Höhe. Im Zweifel für den Angreifer? Schiedsrichter Sven Jablonski hielt es am Mittwoch eher so: Im Zweifel für die Eintracht. Und in Heidenheim wird man sich wegen der Entscheidung des DFB in den Hintern beißen, den Videobeweis im Pokal erst ab dem Viertelfinale einzuführen.

Hrgotas Bewährungschance

114 Minuten durfte Branimir Hrgota bis zum Pokalspiel in Heidenheim wettbewerbsübergreifend ran. Letztmals hatte ihn Kovac Ende Oktober drei Minuten beim 0:1 gegen Leverkusen aufs Feld geschickt. Meist findet der Stürmer gar keine Berücksichtigung, umso überraschender tauchte sein Name auf dem Spielberichtsbogen auf. Viele Pluspunkte konnte der Dauerreservist allerdings nicht sammeln.

Hrgotas Arbeitsnachweis in Heidenheim: ein Abschluss, der vom Gegenspieler abgewehrt wurde, und eine Torschussvorlage für Sébastien Haller. Ansonsten kaum Gefahr und nur wenig Bindung zum Team. Damit erging es Hrgota zwar nicht großartig anders als vielen seiner Mitspieler, aber eine Bewerbung um mehr Spielzeit sieht eben anders aus. Folgerichtig war nach 78 Minuten Schluss. Wer weiß, was aus den Gerüchten um einen Abschied im Winter dran ist. In dieser Form dürfte ihn die Eintracht wohl ziehen lassen.