Makoto Hasebe auf dem Weg zur Ersatzbank
Makoto Hasebe auf dem Weg zu seinem derzeitigen Stammplatz: der Ersatzbank. Bild © Imago

Früher undenkbar, inzwischen fast Routine: Makoto Hasebe hat seinen Stammplatz in Frankfurt verloren. Vor allem gegen Leverkusen hätte der Japaner der Eintracht aber gutgetan.

Makoto Hasebe glänzte beim 0:1 gegen Bayer Leverkusen in ungewohnter Rolle. Statt wie sonst seine Teamkollegen mit lautstarken Anweisungen auf dem Platz zu dirigieren, widmete er sich am Samstag lediglich seinem Landsmann Daichi Kamada. In der 68. Minute war das japanische Duo gemeinsam aus der Horde der Ersatzspieler in Richtung Bank gerufen worden, um sich für eine Einwechslung fertig zu machen. Aufs Spielfeld durfte kurz später allerdings nur Kamada – Hasebe wurde offenbar lediglich als Dolmetscher für die taktischen Anweisungen von Trainer Niko Kovac benötigt und trollte sich dann wieder hinters Tor. Eine Szene mit Symbolcharakter.

Der bayrische Pfosten stand und steht im Weg

Denn wenn man sich in den vergangenen Jahren bei der sonst eher durch Unstetigkeit glänzenden Frankfurter Eintracht auf eine Sache verlassen konnte, dann auf: Hasebe spielte immer. Auf 33 Startelf-Einsätze in seiner ersten Saison 2014/15 folgten 31 in seiner zweiten und 22 in der vergangenen, ehe Hasebe Mitte März bei einer Rettungsaktion in München gegen den Pfosten knallte und operiert werden musste. Der Anfang vom schleichenden Ende: In dieser Spielzeit ist Hasebe, der nach einem 30-Minuten-Einsatz in Hoffenheim gegen Leverkusen gar nicht mehr mittun durfte, nur noch Teilzeitkraft.

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Möller im hr-heimspiel!

Der ehemalige Eintracht-Profi Andreas Möller ist am Montagabend (23 Uhr) zu Gast im hr-heimspiel! und wird dort die derzeitige Formkurve der Eintracht analysieren.

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Das liegt zum einen natürlich daran, dass die anhaltenden Knieprobleme den 33-Jährigen regelmäßig zu Pausen zwingen und er nicht mehr durchgehend belastbar ist. Zum anderen hat der Musterprofi durch seine lange Verletzungszeit aber auch nicht gerade an Geschwindigkeit gewonnen und ist deshalb in zentraler Position nicht mehr unantastbar. Die Rolle des verkappten Liberos ist dem technisch versierten Japaner zwar wie auf den Leib geschneidert, Kovac traut die Rolle des Abwehrchefs aktuell allerdings eher David Abraham zu. Der Argentinier ist pfeilschnell und passt so deutlich besser in die Rolle des Feuerwehrmanns, der die von Carlos Salcedo oder Simon Falette regelmäßig entzündeten Brandherde löschen kann.

Hradecky kritisiert die Vorderleute

Die zusätzliche Absicherung in der Rückwärtsbewegung geht allerdings zu Kosten des Spielaufbaus. Über die fußballerische Klasse und Ruhe am Ball, die Hasebe auszeichnet, verfügt keines der derzeitigen Dreierketten-Mitglieder. Vor allem Falette, der gegen Bayer insgesamt 14 Fehlpässe produzierte, zittern zu schnell die Knie. Nicht selten werden Bälle so schnell wieder verloren, dass direkt gefährliche Konter entstehen. "Wenn dir das Selbstvertrauen fehlt, dann spielst du eben nicht die richtigen Pässe. Vielleicht haben wir Angst, wenn es eng wird", kritisierte Keeper Lukas Hradecky die vielen Fehler in der Spieleröffnung. "Dabei können wir es eigentlich. Wir haben Spieler, die das richtig gut machen."

Neben Kevin-Prince Boateng, der seine neue Bestimmung auf der Sechserposition gefunden hat und als Ballverteiler und Lenker überzeugt, ist das aber vor allem Hasebe. Der gelernte Mittelfeldspieler, der in dieser Saison viermal in hinterster Reihe und fünfmal in der Schaltzentrale auflief, hat das Auge und die strategischen Fähigkeiten, die der Eintracht vor allem gegen Leverkusen fehlten. Zu oft wurden die falschen Entscheidungen getroffen, die sich letztlich in Form des Gegentors durch Kevin Volland (76.) rächten. "Wir wollten über die Außen spielen, was sie uns auch angeboten haben. Aber es wurden zu viele vertikale Bälle gespielt, die dann verloren gingen", ärgerte sich Kovac.

Was tun in Berlin?

Auch am Sonntag (15.30 Uhr) in Berlin wird sich Kovac wieder entscheiden müssen. Die Hertha steht traditionell gerne tief, wartet auf Fehler des Gegners und schaltet dann schnell um. Eine Hasebe in Topform würde der Eintracht sicher guttun.

Sendung: hr-fernsehen, heimspiel! am Montag, 27.11.17, 23 Uhr