Rhode Fischer
Eintracht-Präsident Peter Fischer Bild © Rhode/Storch

Die Frankfurter Eintracht hat eine Mitgliederversammlung mit viel Applaus und neuen Rekorden gefeiert. Doch in die allgemeine Jubelstimmung mischten sich auch nachdenklich Töne – und eine politische Botschaft.

Einzig Fredi Bobic war mit dem gewählten Termin für die Mitgliederversammlung nicht so ganz einverstanden. "Nächstes Jahr machen wir das bitte nicht am 30. Januar", meinte der Sportvorstand der Frankfurter Eintracht hinsichtlich des tags darauf schließenden Transferfensters. Immerhin gebe es gerade im Endspurt der Wechselfrist viel tun, mahnte Bobic und stellte sogleich Last-Minute-Aktivitäten der Hessen in Aussicht: "Das eine oder andere wird noch passieren."

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Neuer Mitglieder-Rekord

Vom gestressten Manager mal abgesehen hätte es der Traditionsclub mit der terminlichen Anberaumung der jährlichen Zusammenkunft aber wohl kaum besser treffen können. "Dritter Platz bei einer Mitgliederversammlung? Das hatten wir noch nie", frohlockte Präsident Peter Fischer mit Blick auf die aktuelle Tabelle der Fußball-Bundesliga. Dass just ein paar Stunden zuvor die Stadt grünes Licht für den von der Eintracht gewünschten Bau einer neuen Clubzentrale auf dem Stadionareal gegeben hatte, passte da bestens ins Bild.

Entsprechung gelöst war die Atmosphäre. An die einstige Diva erinnerte lediglich noch der gleichlautende Name der Vereinsgaststätte im Leistungszentrum am Riederwald, in dem am Montagabend 486 der nunmehr 40.683 Vereinsmitglieder zusammenkamen.

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„Dritter Platz bei einer Mitgliederversammlung? Das hatten wir noch nie.“ Zitat von Eintracht-Präsident Peter Fischer
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Mit dem Durchbrechen der 40.000er-Marke konnten die Hessen einen weiteren Mitgliederrekord verbuchen. Im Ranking der aktuellen Bundesligisten verbesserte sich der Club auf Rang sieben. "Werder Bremen haben wir überholt, der VfB Stuttgart ist abgestiegen", erklärte Fischer, der sich einen kleinen Seitenhieb auf RB Leipzig zudem nicht verkneifen konnte. So habe die Eintracht allein in der zurückliegenden Weihnachtszeit mehr neue Mitglieder akquiriert als die neureichen Sachsen mit 603 insgesamt vorzuweisen hätten.

Im Wettbewerb der Zukunft

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Ansonsten beschränkten sich die Frankfurter aber darauf, ihre eigenen Stärken und Erfolge in den Vordergrund zu rücken. Und die fallen nach einer bislang famos verlaufenden Bundesliga-Saison ja bekanntlich nicht zu knapp aus. "Wir sind eines der positiven Themen in Fußball-Deutschland", sagte Vorstandsmitglied Axel Hellmann, "die Gegner spielen nicht gerne gegen uns. Diesen Respekt haben wir uns erarbeitet."

In einer wortgewaltigen Rede erinnerte der 45-Jährige an den Fast-Abstieg im vergangenen Sommer und die daraus gezogenen Lehren. Sein besonderer Dank galt dem im Kurzurlaub weilenden Cheftrainer Niko Kovac. "Er hat uns den Alptraum erspart und erlaubt uns heute den Blick auf diese Tabelle", sagte Hellman und sprach von einer "Momentaufnahme, die sich verdammt gut anfühlt". Ziel sei es nun, den "Wettbewerb der Zukunft" in Sachen TV-Ranking, Vermarktung, Internationalisierung und Infrastruktur erfolgreich zu gestalten. Der von der Stadt genehmigte Bau der neuen Geschäftsstelle sei dabei eine Entscheidung für die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des Vereins, meinte Hellmann in Richtung des ebenfalls anwesenden Sportdezernenten Markus Frank (CDU).

Hellmann warnt vor AfD-Wahl

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Doch neben den sportlichen Belangen ging es bei der Eintracht durchaus auch politisch zu. Während Peter Fischer in der Internationalität und Integrationsfähigkeit des Vereins große Unterschiede zu US-Präsident Donald Trump ausmachte, wandte sich Vorstand Hellmann gar mit einem konkreten Appell gegen eine Wahl der rechtspopulistischen AfD an die Mitglieder: "Wir müssen als Sportverein für Werte eintreten, die die Gesellschaft zusammenhalten. Eine solche zentrale Thematik kann nicht einfach unter den Teppich gekehrt werden", begründete der Jurist seine Botschaft.

Die AfD stehe für "eine gesellschaftliche Entwicklung, die uns schaden wird". Dagegen müsse man vorgehen, meinte Hellmann und erntete tosenden Applaus.