Training der Frankfurter Eintracht
Als Anführer des Eintracht-Rudels muss man auch mit kleinen Schubsern zurechtkommen. Bild © Rhode/Storch

Der ehemalige Rüpel Kevin-Prince Boateng schlüpft bei Eintracht Frankfurt in die Rolle des Aufpassers. Skandale will er keine mehr verursachen, dafür seine Mitspieler vor dem Zorn von Niko Kovac bewahren.

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Kevin-Prince Boateng Vorstellung bei der Eintracht

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Boateng: "Das ist eine lustige Truppe, wir flachsen viel"

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Ganz am Ende des Pressegesprächs wurde Kevin-Prince Boateng für einen kurzen Moment doch noch zum 08/15-Fußballer. Nach der Frage, warum ausgerechnet er Eintracht Frankfurt besser machen würde, griff der Matchwinner von Gladbach ganz tief in die Phrasenkiste. Boateng versteckte sich hinter der ebenso alten wie ausgelutschten Weisheit, dass es am Ende nur um das Team ginge und freute sich dann sichtlich über seinen Coup. "Das ist langweilig, ich weiß. Aber ich habe gelernt, dass das manchmal besser ist", schob er grinsend nach. "Ich lobe mich nicht selbst, das habe ich nur früher gemacht."

Früher mal Staatsfeind Nummer eins

Der Junge aus Berlin-Wedding spuckt keine großen Töne mehr. Die Zeiten, in denen er im Dauerclinch mit dem DFB lag oder nach dem berühmten Foul an Michael Ballack im Vorfeld der WM 2010 für einige Wochen zum Staatsfeind Nummer eins wurde, sind vorbei. Boateng, der seit sechs Jahren mit einem italienischen Modell liiert ist und mit ihr eine Tochter hat, ist erwachsen geworden. "Wer mit dem Alter nicht reifer wird, der hat wirklich ein Problem. Ich habe früher Fehler gemacht, jetzt wird es definitiv keine Skandale mehr geben", so der 30-Jährige, der deshalb aber noch lange nicht zum Spießer mutieren will. "Langweilig wird es mit mir trotzdem nie."

Und das stellte der 15-fache Nationalspieler Ghanas am Mittwoch gleich mehrere Male unter Beweis. Boateng scherzte, lachte und erzählte offen von seinen ersten Wochen in Frankfurt. Obwohl seine Möbel derzeit noch mit dem Schiff von Cran Canaria in Richtung Deutschland verfrachtet werden und seine Familie deshalb noch nicht zu ihm ziehen konnte, ist er bei seinem neuen Arbeitgeber schon richtig heimisch geworden. "Die Truppe ist cool und lustig drauf", so Boateng. "Jeder unterstützt jeden, ich war schon nach drei Tagen voll drin im Team."

Witze in 15 Sprachen

Im bunt durcheinander gewürfelten und offenbar bestens gelaunten Frankfurter Zirkus war für Boateng direkt die Rolle des Direktors reserviert. Nach Stationen in England, Italien und Spanien sowie 33 Champions-League-Spielen ist er der mit Abstand erfahrenste Profi im Team. Ein klassischer Führungsspieler. "Ich probiere diese Rolle natürlich auszufüllen. Ich bin hier, um den Jungen zu helfen", so Boateng, der jedoch auch diese pädagogische Aufgabe auf Boateng-Art löst: "Wir flachsen viel, in 15 Sprachen. Das macht es amüsanter."

Bei allem Spaß neben dem Platz geht es auf dem Platz bierernst zur Sache. Nach seiner Zeit bei UD Las Palmas heißt es für Boateng seit seiner Ankunft in Frankfurt: malochen, malochen, malochen. Eintracht-Trainer Niko Kovac setzt auf absolute Fitness und verlangt von seinen Spielern in jedem Training vollen Einsatz. Ausruhen gilt nicht, Extrawürste für arrivierte Kräfte wie Boateng, der eigenen Angaben zufolge noch zwei Wochen von 100 Prozent entfernt ist, gibt es nicht. "Ich habe noch nirgendwo so viel gearbeitet wie hier", gab er zu. "Das ist schon eine Riesen-Umstellung für mich."

Überraschung der besonderen Art

Eine Veränderung, die er für seinen Ex-Mitspieler und heutigen Coach Kovac aber gerne in Kauf nimmt. Der Boss auf dem Rasen und der Boss an der Seitenlinie haben sich seit ihrer gemeinsamen Zeit bei der Hertha nie aus den Augen verloren und auch in der vergangenen Saison regelmäßig miteinander telefoniert. Boateng und Kovac kennen sich bestens – und damit auch die negativen Seiten des jeweils anderen.

"Ich weiß, wie es ist, wenn Niko sauer ist. Das will das Team nicht sehen", schmunzelte Boateng, der seine neuen Frankfurter Freunde vor dem aufbrausenden Temperament des Kroaten allerdings noch nicht explizit gewarnt hat. "Das soll eine Überraschung sein." Noch so eine Erziehungsmaßnahme auf Boateng-Art.