Kevin-Prince Boateng
Die Karriere von Kevin-Prince Boateng soll in Frankfurt weitergehen. Bild © Imago

Einst Ghetto Kid, heute Anti-Rassismus-Sprecher. Der potenzielle Eintracht-Neuzugang Kevin-Prince Boateng versoff in Jugendjahren 10.000 Pfund pro Nacht und hält Jürgen Klopp für den besten Trainer der Welt. Er hat viel erlebt, auf und abseits des Platzes. Eine Zusammenfassung.

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Boateng weint.

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Das heimspiel! ist zurück

In der Bundesliga rollt der Ball wieder und auch das heimspiel! ist zurück aus der Sommerpause. Ab Samstag dreht sich im hr-fernsehen immer um 17.15 Uhr alles um den hessischen Fußball. Am Sonntag (21. 45 Uhr) widmen sich die sportschau und heimspiel! bundesliga dem heimischen Spitzenfußball. Und am Montag (diese Woche um 23 Uhr) gibt es Interviews und Analysen aus der Welt des Sports.

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Kevin-Prince Boateng hat 2005 seinen ersten Profivertrag bei Hertha BSC unterschrieben. Seither ist der gebürtige Berliner ganz schön rumgekommen. Insgesamt schnürte er für sieben Vereine in Deutschland, Italien, England und Spanien die Fußballschuhe, in den größten Ligen Europas. Und überall machte der Mittelfeldspieler von sich reden. Während er in jungen Jahren vor allem mit Negativschlagzeilen auf sich aufmerksam machte, ist es in den vergangenen Jahren etwas ruhiger um das einstige enfant terrible geworden. Heute gilt Boateng als Führungsspieler. Der hr-sport blickt auf eine bewegte Karriere zurück, die bei Eintracht Frankfurt ihr nächstes Kapitel erhalten soll.

Der Bad Boy

Kevin Prince Boateng
Kevin-Prince Boatengs bislang letzte Station hieß UD Las Palmas. Bild © Imago

Kevin-Prince Boateng hat sich ziemlich früh in seiner Karriere einen zweifelhaften Ruf erarbeitet. In seiner Anfangszeit in Berlin streifte er im März 2009 mit einem Mannschaftskamerad durch die Nacht – und trat Autospiegel ab. Damit handelte er sich nicht nur eine Suspendierung bei der Hertha ein, er bezahlte auch einen ordentlichen Strafbefehl über 56.000 Euro. Das Image des Bad Boys war geboren.

Die Morddrohungen

Wenig förderlich für Boatengs Ruf war sein Foul im englischen Pokalfinale 2010. Im Dienste des FC Portsmouth säbelte er im Spiel gegen den FC Chelsea den Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, Michael Ballack, von hinten um. Es war ein hartes, aber kein durch und durch unsportliches Foul. Aber die Folgen waren gravierend: Aufgrund eines Innenbandrisses und eines Teilrisses des Syndesmosebands im Knöchel verpasste Ballack die WM in Südafrika und Boateng, der mit Ghana damals Gruppengegner der deutschen Elf war, erhielt Morddrohungen von aufgebrachten "Fans".

Die Party-Exzesse

Alles in allem war die Zeit in England keine gute für den Berliner. Wie er später in seiner Biographie gestand, hat er in Tottenham vor allem Party gemacht, gesoffen und ordentlich Pfunde draufgepackt. Nachdem ihm Trainer Martin Jol schnell zu verstehen gegeben hatte, dass er nicht mit Boateng plane, entschwand der damals 20-Jährige in die englischen Nächte. "Ich war jede Nacht feiern bis sechs Uhr. Ich wog etwa 95 Kilo, dick vom Trinken und schlechten Essen", erzählte er Anfang des Jahres dem englischen Guardian. Von ähnlichen Exzessen hörte man im weiteren Verlauf seiner Karriere nie wieder.

Die Läuterung

Boateng trifft Hasebe
Makoto Hasebe wird Kevin-Prince Boateng wohl noch in bester Erinnerung haben. Bild © Imago

Besser wurde es, als sich Boateng Anfang 2009 für ein halbes Jahr nach Dortmund verleihen ließ. Auch dort fiel er zwar durch eine harte Spielart auf (fragen Sie mal den heutigen Frankfurter Makoto Hasebe), Boatengs persönliche Entwicklung nahm unter Trainer Jürgen Klopp aber eine entscheidende Wende. Der "beste Trainer der Welt" (Boateng) habe gewusst, wann er den launischen Profi trösten oder pushen musste. Nach weiteren eineinhalb Jahren in England zog es den Mittelfeldspieler nach Italien.

Der Anti-Rassismus-Kämpfer

Dort, beim AC Mailand, reifte er zum Star. Und auch sein Image begann sich zu wandeln. Während sie ihn in England "Ghetto Kid" riefen, bekam er in Italien einen neuen Spitznamen verpasst: "Il treno senza freni", der Zug, den niemand aufhalten kann. Boateng entwickelte sich zum wichtigen Mittelfeldmotor, der sein Team mitreißen und anführen kann. Oder eben auch mal dazwischenhaut, wenn es nötig ist. Eine Welle der Sympathie schwappte ihm dafür entgegen, dass er bei einem Testspiel gegen Viertligist Pro Patria Anfang Januar 2013 ein Zeichen gegen Rassismus setzte. Nachdem er aufgrund seiner Hautfarbe beleidigt wurde, feuerte Boateng den Ball in die Zuschauerränge und verließ den Platz in der 26. Minute. Seine ebenfalls entsetzten Teamkollegen folgten ihm. Zwei Monate später hielt Boateng vor dem Menschenrat der Vereinten Nationen einen Vortrag über Rassismus.

Die Rückkehr

Am 30. August 2013 kehrte Kevin-Prince Boateng in die Bundesliga zurück. In Italien wollte er nach dem Rassismus-Vorfall nicht mehr bleiben, sagte er damals. Auf Schalke hielt es ihn zweieinhalb Jahre. In 60 Spielen für Königsblau erzielte er sieben Tore und bereitete weitere neun vor. Er schien Schalke mitzureißen, auch wenn er nach seiner Zeit im Ruhrpott von Streitigkeiten in der Mannschaft sprach. Nach kurzer Arbeitslosigkeit, einem weiteren Jahr in Mailand und einem in Las Palmas scheint nun die zweite Boateng‘sche Rückkehr anzustehen.