Niko Kovac von Eintracht Frankfurt
Niko Kovac hat auch in den USA alle Hände voll zu tun. Bild © picture-alliance/dpa

Bastian weg, Sebastien fast da, ein Oczipka-Ersatz im Anflug und ein neuer Führungsspieler in Sicht: Langeweile ist auf der USA-Tour von Eintracht Frankfurt bislang ein Fremdwort. Ein Überblick zur Reise-Halbzeit.

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Die zweite von insgesamt vier Etappen auf ihrer USA-Tour hat die Frankfurter Eintracht bereits hinter sich gebracht. Am Donnerstagabend (Ortszeit) verabschiedete sich der Tross aus dem Trainingslager in Chula Vista und machte sich über den Zwischenstopp San Francisco auf die Reise in Richtung San José. Sieben der insgesamt zwölf Ausflugstage sind bereits verstrichen – Zeit für einen Blick ins Reisetagebuch von Trainer Niko Kovac.

Die Reisegruppe

Von anfangs noch 23 Profis hat sich einer schon wieder auf den Weg in Richtung Heimat gemacht. Der Grund für die frühzeitige Abreise von Bastian Oczipka war aber nicht etwa Heimweh, sondern vielmehr der anstehende Wechsel zum FC Schalke 04. Der 28-Jährige hat sich am Mittwoch von seinen langjährigen Mitspielern verabschiedet und soll sich spätestens am Freitag seinen neuen königsblauen Kollegen vorstellen. Ein herber, aber wohl unvermeidbarer Verlust für die Eintracht.

"Wenn ein Spieler kommt und sagt, dass er gehen möchte. Was sollen wir dann machen?", rechtfertigte Trainer Niko Kovac am Donnerstag die Freigabe für den Linksverteidiger. Da mit Taleb Tawatha jetzt allerdings nur noch eine Fachkraft für die linke Position der Viererkette zur Verfügung steht, muss möglichst schnell ein Ersatz her. "Wir hätten Bastian nicht gehen lassen, wenn wir nicht schon jemanden im Auge hätten", beruhigte Kovac. Die letzten Details des noch nicht offiziell verkündeten Transfers von Oczipka sollen erst geklärt werden, wenn Mr. X bei der Eintracht unterschrieben hat. "Der Basti darf erst gehen, wenn die andere Sache fix ist."

Der Daheimgebliebene

Während der eine schon wieder weg ist, war der andere noch gar nicht da: Neuzugang Sebastien Haller, der den Hinflug aufgrund von Visa-Problemen verpasst hatte, musste sich in den vergangenen Tagen mit einem Sonderprogramm in Frankfurt fithalten und wird erst in San José zur Mannschaft stoßen. Dort soll er am Freitagabend (19.15 Uhr, Ortszeit) im Testspiel gegen die Earthquakes zum Einsatz kommen und sich für die verspätete Anreise rehabilitieren.

Die Hoffnung der Eintracht, dass Haller zwar Probleme mit Reise-, aber nicht mit tödlichen Pässen hat, ist weiterhin groß. "Er hat in Holland bewiesen, dass er ein außerordentlich guter Torschütze ist", lobte Kovac seinen neuen Sturmführer. "Er arbeitet gut fürs Team, kann aber trotzdem seine 15 Tore machen. Wir erwarten, dass er das auch gegen hochklassige Gegner tut." Die Anreise zu Bundesliga-Spielen ist im Notfall ja auch ohne gültige Reisedokumente möglich.

Das Programm

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Fünf Flüge, drei Testspiele und ebenso viele verschiedene Zeitzonen in zwölf Tagen klingen erst einmal nicht nach optimalen Bedingungen für eine professionelle Vorbereitung. Kovac ist mit der Leistung seiner Mannschaft an der amerikanischen Westküste dennoch zufrieden. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr muss der Eintracht-Coach keine großen körperlichen Defizite mehr ausbügeln und kann bereits im technisch-taktischen Bereich arbeiten. "Was die Physis betrifft, sind wir schon auf einem ganz anderen Level. Unsere Ausgangsposition ist definitiv besser."

Zwischen den Zeilen meint man zwar durchzuhören, dass Kovac aus rein sportlicher Sicht gerne auf den Trip um die halbe Welt verzichtet hätte. Mit dem Training vor Ort ist er aber zufrieden. "Das gehört zum Business eben dazu. Meine beiden Chefs wissen schon, was sie in dem Bereich tun müssen", spielte Kovac auf die neuen internationalen Geschäftsbeziehung an. "Aber jetzt sind die Jungs voll bei der Sache, das wäre in Deutschland nicht anders gewesen."

Der Vorzeige-Tourist

Einer, der die wenigen Tage in der Nähe der mexikanischen Grenze genutzt hat, um auf sich aufmerksam zu machen, ist Jonathan de Guzman. Der Niederländer mit kanadischen Wurzeln, der erst wenige Stunden vor Abflug den Medizincheck bestand und trotz fehlender Vertragsunterschrift ein Last-Minute-Ticket in Richtung Trainingslager ausgehändigt bekam, könnte der neue zentrale Mann im System von Trainer Kovac werden. "Man sieht schon den Unterschied von ihm zu anderen Spielern bei uns."

Der 29-Jährige, der vom SSC Neapel zur Eintracht kam, ist dank seiner Flexibilität innerhalb weniger Einheiten bereits zum neuen Lieblingsschüler aufgestiegen. "Er kann dank seiner Ballsicherheit und der läuferischen Stärke auf der Acht, auf der Zehn oder auf Doppelsechs spielen", schwärmte Kovac. "Er wird uns mit seiner Erfahrung besser machen. Wir sind froh, dass wir ihn haben."