Marius Wolf und Kevin-Prince Boateng in Berlin
Im Rampenlicht: Marius Wolf und sein Kumpel Kevin-Prince Boateng. Bild © Imago

Vor der Saison war Marius Wolf ein Nobody, inzwischen trifft er regelmäßig das Tor für Eintracht Frankfurt und in seiner Freizeit auf Superstar Neymar. Dabei immer an seiner Seite: Kevin-Prince Boateng.

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Marius Wolf bejubelt seinen ersten Bundesligatreffer.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Marius Wolf: "Egal, wer kommt. Wir wollen auch gegen die Bayern gewinnen"

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Viele Details sind aus der Schulzeit von Marius Wolf und Kevin-Prince Boateng nicht bekannt. Der eine erlernte das kleine Einmaleins in Bayern, der andere in Berlin, über den Weg liefen sich die beiden heutigen Eintracht-Leistungsträger angesichts von acht Jahren Altersunterschied nie. Ein großes Glück für alle Lehrer: "Wir wären auf jeden Fall auseinandergesetzt worden", lachte Wolf am Mittwoch. Der 22-Jährige hat in Frankfurt mit Boateng einen neuen Freund fürs Leben gefunden. "Bei uns hat es vom ersten Tag an einfach gepasst." Auf und neben dem Platz.

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Die Männerfreundschaft geht inzwischen so weit, dass die beiden Kabinen-Nachbarn auch ihre Freizeit miteinander verbringen und in der Länderspielpause Anfang November nach Mailand jetteten. Dort trafen sie – man kennt sich eben – auf den brasilianischen Superstar Neymar und tauchten für einige Stunden in die große internationale Fußballwelt ein. Eine Umgebung, die Boateng aus früheren Zeiten bestens kennt – und die Wolf bald kennenlernen könnte. "Er hat eine überragende Entwicklung genommen. Wenn er so weitermacht, wird er Nationalspieler", prophezeite Boateng seinem neuen Buddy nach dem 2:1-Erfolg bei Hertha BSC eine rosige Zukunft.

Crack 🙌🏾🙌🏾🙌? @neymarjr

Wolf, der aus der Jugend von 1860 München stammt und nach einem enttäuschenden Aufenthalt bei Hannover 96 in der Rückrunde der vergangenen Spielzeit leihweise zur Eintracht kam, ist die Frankfurter Entdeckung der Saison.

In elf Pflichtspiel-Einsätzen erzielte er drei Tore, nach der Meniskusverletzung von Timothy Chandler schulte der gelernte Stürmer erfolgreich zum Rechtsverteidiger um. Seitdem verpasste er keine Minute mehr, am vergangenen Sonntag in Berlin leitete er mit seinem Ausgleichstreffer nach Eckball-Trick die Wende ein. Kumpel Boateng zog in der Schlussphase nach und traf zum Sieg. "Es macht mich glücklich, dass es so gut läuft. Jetzt soll es aber auch so weitergehen."

Von der Regionalliga in die Bundesliga

Wolf erlebt derzeit eine Leistungsexplosion, an die er vor genau einem Jahr wohl selbst nicht geglaubt hätte. Am 2. Dezember 2016 stand er nach Ausbootung aus dem Hannoveraner Zweitligakader noch in der Regionalliga Nord gegen den VfB Oldenburg auf dem Platz und kannte den Profifußball nur als Fan vor dem Fernseher oder im Stadion. In der 2. Bundesliga war er unter dem damaligen Trainer Daniel Stendel in der gesamten Hinrunde nicht einmal zum Einsatz gekommen. "In Hannover lief es einfach nicht", so Wolf heute. Im Januar 2017 kam dann die Anfrage der Eintracht, wenig später erfolgten Flucht aus Niedersachsen und Unterschrift in Hessen. "Frankfurt war meine letzte Chance."

Eine Chance, die Wolf nach durchwachsenem ersten Halbjahr inklusive schwerer Schulterverletzung in dieser Spielzeit genutzt hat. Stamm-Rechtsverteidiger Timothy Chandler meldete sich am Dienstag zwar zurück im Mannschaftstraining, für einen Platz in der Startelf wird er sich aber gewaltig strecken müssen. "Es ist gut für uns, dass Timmy wieder da ist", präsentierte sich Wolf als vorbildlicher Teamplayer. Freiwillig wird sich der Shootingstar, der dank einer kolportierten Kaufoption von 500.000 Euro zum absoluten Schnäppchen werden könnte, jedoch nicht wieder auf die Ersatzbank setzen.

Jetzt kommen die Bayern

Vor allem nicht am kommenden Samstag (15.30 Uhr), wenn der FC Bayern zu Gast ist in Frankfurt. "Darauf habe ich richtig Bock", so Wolf, der die Champions-League-Partie der Münchner am Dienstag gegen Paris St. Germain für seine persönliche Videoanalyse nutzte. Gegenspieler beobachten, Offensiv-Dribblings bei Party-Bekanntschaft Neymar abgucken – und am Ende zum Fazit kommen: "Ganz egal, wer da kommt – wir wollen gewinnen."

Eine Begleitung für die mögliche Siegesfeier hat Wolf natürlich auch schon: Seinen Kumpel Boateng. "Er kann gut tanzen und singen. Ich schieße vorher lieber die Tore." Ein perfektes Duo.