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Sonny Kittel Bild © Imago

Sonny Kittel ist bei der Eintracht groß geworden und empfiehlt sich derzeit beim FC Ingolstadt für ganz große Aufgaben. Im Interview spricht er über den Abschied aus Frankfurt, den Traum von der WM und die polnische Nationalhymne.

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Sonny Kittel beim Eintracht-Training

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kittel mit Polen zur WM? "Das wäre eine Riesengeschichte"

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Vom Pechvogel zum Topscorer - Sonny Kittel ist beim FC Ingolstadt angekommen. Nach schweren Verletzungen und persönlichen Rückschlägen läuft es beim 24-Jährigen. Nun träumt er von der WM-Teilnahme mit dem polnischen Team. Im Gespräch mit dem hr-sport verrät er, wie sehr ihm die Eintracht noch am Herzen liegt, warum er in Ingolstadt so stark aufspielt und wie seine Familie ihn auf eine mögliche WM vorbereitet.

hessenschau.de: Sie sind seit 2016 in Ingolstadt und haben aufgrund Ihrer Verletzungsgeschichte auch schwere Zeiten in Ihrer Karriere erlebt – wie glücklich sind Sie über diesen Schritt?

Sonny Kittel: Ich hatte hier vom ersten Tag an ein gutes Gefühl und habe auch das Vertrauen der Verantwortlichen gespürt. Der Verein hat eine exzellente medizinische Abteilung, wie sie es in Deutschland wohl nur selten gibt. Die hat natürlich auch Anteil daran, dass es so gut läuft.

hessenschau.de: Ist das von Ihnen angesprochene Vertrauen etwas, dass Sie beflügelt? Schließlich sind Sie der beste Scorer der Zweiten Liga.

Kittel: Ich habe auch in Frankfurt phasenweise Vertrauen gespürt und hatte dort auch gute Zeiten. Doch es gab auch immer wieder Rückschläge und ich hatte jahrelang Pech. Das ist mein Päckchen. Aber ich habe nie aufgegeben und hart an mir gearbeitet. Es ist natürlich schön, dass sich das jetzt auszahlt. 

hessenschau.de: Wie schwer ist Ihnen der Weggang von der Frankfurter Eintracht gefallen?

Kittel: Es war schwer und sehr emotional. Ich habe mein ganzes Leben in diesem Verein verbracht. Aber es gibt im Leben immer Veränderungen – und für mich war das die erste große. Rückblickend bin ich niemandem böse und habe auch keinen Grund nachzutreten. Ich verfolge immer noch, wie es bei der Eintracht läuft. Ich bin immer noch sehr verbunden und freue mich über jeden Sieg. Mit Marc Stendera, Timothy Chandler und Alex Meier habe ich immer noch Kontakt.

hessenschau.de: Hadern Sie trotzdem manchmal damit, dass es bei der Eintracht nicht geklappt hat?

Kittel: Nein, so ist der Sport. Ich musste abwägen, was für mich besser ist und deshalb den Schritt gehen. Es ist immer der größte Traum eines Fußballers, es bei seinem Jugendverein zu schaffen. Aber es hat eben nicht geklappt. Ich musste lernen, damit umzugehen. Das ist meine Geschichte.

hessenschau.de: Würden Sie etwas anders machen?

Kittel: Natürlich gibt es ein paar Dinge, die vielleicht anders hätten laufen können, Entscheidungen, die ich anders hätte treffen können – aber es gehört auch dazu, nicht immer die richtige Entscheidung zu treffen. Ich habe aber auch nicht immer alles falsch gemacht.

hessenschau.de: Was sind die größten Unterschiede zwischen Frankfurt und Ingolstadt – den Städten und den Vereinen?

Kittel: Ingolstadt ist wirklich schön. Die Stadt und auch der Verein sind kleiner als in Frankfurt. Es ist alles noch im Aufbau, aber es ist ein toller Verein mit viel Entwicklungspotenzial. Ich bin hier auf tolle Menschen getroffen. Frankfurt ist ein Stück Heimat, aber in Ingolstadt fühle ich mich auch sehr wohl.

hessenschau.de: Derzeit läuft alles bestens und Sie denken darüber nach, für Polen zu spielen. Ist der Pass schon da?

Kittel: Das ist nur eine Option. Noch gibt es keinen Kontakt zum Verband oder den Verantwortlichen. Aber der Pass ist im Anflug. Meine ganze Familie kommt aus Polen. Zu Hause wird nur polnisch gesprochen. Nur mein Bruder und ich sind in Deutschland geboren, aber wir sind mit der polnischen Mentalität aufgewachsen.

hessenschau.de: Wie groß ist der Traum, mit dem polnischen Team zur WM zu fahren?

Kittel: Das wäre eine Riesengeschichte. Vor allem, wenn man bedenkt, was in den letzten Jahren alles passiert ist. Für mich wäre das nur ein Bonus, derzeit zählt nur Ingolstadt. Wenn dann Interesse von Seiten des polnischen Verbandes besteht, würde ich natürlich nicht nein sagen. Eine Weltmeisterschaft ist der größte Traum eines jeden Fußballers. Aber Polen hat viele Spieler mit Weltklasse-Format, auch wenn die Konkurrenz nicht so groß wie in Deutschland ist.

hessenschau.de: Schauen Sie am Freitag gespannter auf die WM-Auslosung?

Kittel: Nein, ich hätte ohnehin gleich geschaut auf wen Polen, aber auch Deutschland trifft.

hessenschau.de: Hätten Sie denn einen Wunschgegner?

Kittel: So weit habe ich noch gar nicht gedacht. Es gibt genug starke Gegner. Wenn ich dabei wäre, wäre mir der Gegner egal.

hessenschau.de: Die wichtigste Frage zum Schluss: Können Sie die polnische Hymne?

Kittel: Ich habe sie mir schon ein paar Mal angehört, aber es gibt noch ein paar Probleme mit der Aussprache. Aber das würde ich hinkriegen. Meine Familie würde mir sicher helfen.

Das Gespräch führte Ann-Kathrin Rose