Jan Rosenthal im Kopfballduell mit Hanno Behrens
Jan Rosenthal macht sich Sorgen über die Folge von Kopfbällen. Bild © Imago

Kopfbälle können auf Dauer gesundheitsschädlich sein – das ist das Ergebnis einer US-Studie. Für Lilien-Profi Jan Rosenthal und Weltmeisterin Nia Künzer eine alarmierende Nachricht. Vom DFB heißt es dazu: Man beobachte die Forschung, sehe aber keinen Grund, die Vorgaben zu ändern.

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Laut einer jüngst veröffentlichten Studie des Albert Einstein College of Medicine aus New York kann eine hohe Anzahl an Kopfbällen vor allem bei jungen Fußballerinnen zu dauerhaften Schäden führen. Schon 1.000 Kopfbälle im Jahr können bei beiden Geschlechtern zu Problemen führen, bei weiblichen Kickern sind jedoch deutlich mehr Hirnregionen betroffen, heißt es. "Das ist definitiv ernst zu nehmen", unterstrich der ehemalige Darmstädter Mannschaftsarzt Klaus Pöttgen im hr-heimspiel! am Montag. "Es gibt Untersuchungen, die die enormen Effekte von Kopfbällen belegen."

Da das Gehirn der Frau von Natur aus sensibler sei, müsse im Fall von Gehirnerschütterungen mit deutlich ernsthafteren Folgen als bei Männern gerechnet werden, so Pöttgen. "Wir wissen auch aus anderen Bereichen, dass Schädel-Hirntraumen bei Frauen im Extremfall schneller zu Selbstmordgedanken führen." Deshalb fordert er: "Die Verbände müssten sich mit dieser Thematik mehr befassen." Während die US Soccer Federation beispielsweise bereits seit 2015 vorschreibt, dass Kinder unter zehn Jahren gar keine – und Kinder unter 13 Jahren nur im Spiel – Kopfbälle machen dürfen, gibt es vom DFB dazu keine verpflichtenden Richtlinien.

Gemeinsam mit der medizinischen Kommission beobachte man die Forschungssituation sehr genau, heißt es in einer Mitteilung des Verbandes. Gleichzeitig sehe man aber trotz der neuen Studie aus den USA "keine neue Gesamtlage". Der DFB verweist zudem auf ein Interview von Tim Meyer, Chef der DFB-Kommission Sportmedizin, der 2016 den bisherigen Studien keine "hinreichende Datenlage" für eine gravierende Regeländerung diagnostizierte.

Rosenthal macht sich Sorgen

Für Jan Rosenthal vom Zweitligisten SV Darmstadt 98 ist das Thema Kopfverletzungen eine alarmierende – wenn auch nicht ganz neue – Nachricht. "Es gab mal einen Hollywoodfilm, bei dem es genau um diese Langzeitschäden nach Kopfverletzungen ging", sagte er. In "Concussion" mit Will Smith in der Hauptrolle ging es zwar hauptsächlich um American Football, die Schlussfolgerung lässt sich aber auch auf den Fußball übertragen: "Natürlich mache ich mir Sorgen", so Rosenthal, der in seiner Karriere selbst schon zahlreiche Verletzungen im Kopfbereich erlitt.

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"Ich hatte schon einen Nasenbeinbruch, eine Jochbeinfraktur, zahlreiche Gehirnerschütterungen. Wenn man sich da jetzt die möglichen Spätfolgen ansieht, macht man sich schon Gedanken." Unbewusst würde er in Luftduellen inzwischen sogar ab und zu etwas zurückziehen, um Schläge gegen den Kopf zu vermeiden. Vor allem "Kopf-an-Kopf-Schläge" – indirekt eine Nebenwirkung von Kopfbällen – seien besonders schmerzhaft und gefährlich. "Fußball ist nun mal ein Kampfsport", bestätigte auch Ex-Eintracht-Profi Andreas Möller die Brutalität des ansonsten so schönen Spiels.

Auch Kopfball-Spezialistin Künzer befürchtet Spätfolgen

Nia Künzer, ihres Zeichens Weltmeisterin im Ruhestand, muss sich diese Gedanken mehrere Jahre nach ihrem Karriereende nicht mehr machen. Gefährlichen Kopfbällen kann sie im heimischen Wohnzimmer ohne Probleme aus dem Weg gehen. Dafür plagt die 37-Jährige die Sorge, vielleicht doch etwas davongetragen zu haben. Ein Golden-Goal-Kopfball machte sie in der Verlängerung des WM-Finals 2003 berühmt, aber was machten die zahlreichen anderen Kopfbälle mit ihrer Gesundheit?

"Ich bin schon ein bisschen nachdenklich, wenn ich höre, dass es Langzeitschäden nach sich ziehen kann", sagte sie. "Wenn ich darüber nachdenke, wie viele Kopfbällen ich gemacht habe und welche Einwirkungen die auf meinen Kopf hatten. Da kann ich nur hoffen, dass das alles ohne Folgen bleibt."