Offenbacher Kickers Spieler jubeln nach einem Tor.
Die Offenbacher Kickers haben eine gute Vorrunde hingelegt und befinden sich auf dem Relegationskurs. Bild © Imago

Für die hessischen Regionalliga-Clubs beginnt das neue Fußballjahr an diesem Wochenende. Die fünf Clubs starten dabei mit unterschiedlichen Voraussetzungen. Ein Überblick.

Kickers Offenbach obenauf: "Die Tabelle lügt nie"

Viel besser hätte die Vorrunde für die Offenbacher nicht laufen können. Trotz des kleinen Etats standen die Kickers zur Winterpause auf Platz zwei der Tabelle und sind damit auf Relegationskurs. Für Trainer Oliver Reck kein Zufall: "Wir haben uns das hart erarbeitet und sind mittlerweile eine eingespielte Mannschaft. Deshalb sind wir auch zu Recht da oben: Die Tabelle lügt nie."

Um den guten Tabellenstand und die Relegationshoffnungen bis zum Ende halten zu können, will Reck aber auch noch an ein paar Baustellen arbeiten: "Wir müssen sicherlich unsere Chancenverwertung noch verbessern und auch lernen mit Rückschlägen umzugehen." Im defensiven Mittelfeld haben sie die Offenbacher daher mit den beiden Winter-Neuzugängen Francesco Lovric und Grgo Zivkovic verstärkt. Lovric wechselt vom österreichischen Zweitligisten Austria Lustenau an den Bieberer Berg, Zivkovic kommt vom kroatischen Zweitligisten NK Novigrad.

Auswärts dürfen es zudem noch ein paar Punkte mehr sein, als in der Hinrunde, denn Verfolger wie Waldhof Mannheim und Freiburg II sitzen dem OFC im Nacken. In die Rückrunde starten die Kickers am 11. Februar gegen Verfolger Elversberg.

FSV Frankfurt: Neustart mit Anlaufproblemen

Robert Schick und Leon Bell Bell vom FSV Frankfurt beim Torjubel.
Der FSV will auch in der Rückrunde weiter jubeln. Bild © Imago

Unter dem Motto "#RestartFSV" wollen sich die Bornheimer in der Regionalliga von der Insolvenz und dem sportlichen Niedergang der vergangenen zwei Jahre erholen. Aber die Talfahrt zu stoppen, erweist sich als schwieriges Unterfangen. Der FSV steht abstiegsgefährdet auf dem 15. Rang. Das liegt vor allem an der Auswärtsschwäche. Mit insgesamt nur vier Punkten in der Ferne sind die Bornheimer gern gesehene Gäste in den Regionalligastadien.

In der Winterpause musste an vielen Baustellen gearbeitet werden. Vor allem in der Offensive schwächelten die Frankfurter in der Hinrunde. Nur 24 Tore in 21 Spielen sprechen eine eindeutige Sprache. Wenn keine Drittligisten aus dem Südwest-Gebiet absteigen – und danach sieht es aktuell aus – könnte der 15. Platz aber reichen, um die Klasse zu halten.

Damit das erste Kapitel des "#RestartFSV" positiv endet, wurde mit Denis Mangafic ein offensiver Mittelfeldspieler verpflichtet. Mangafic stand bereits in der Saison 2015/16 im Kader der Schwarz-Blauen, spielte zuletzt allerdings für Borussia Fulda in der Hessenliga. "Denis ist ein Qualitätsspieler und wird uns auf jeden Fall weiterhelfen", sagte Trainer Alexander Conrad. Zusätzlich holten sich die Bornheimer mit dem vereinslosen Keeper Alexander Loch Verstärkung im Tor. Der FSV startet am 10. Februar auswärts in die Rückrunde, Gegner ist die TuS Koblenz.

TSV Steinbach: Solide Steinbacher wollen sich oben festsetzen

Der TSV Steinbach und die Regionalliga – das passt zusammen. Nach der hervorragenden Vorsaison (fünfter Platz), haben die Mittelhessen ihre guten Ergebnisse in der abgelaufenen Hinrunde bestätigt. Zur Halbserie steht der TSV auf einem soliden achten Platz. "Dass wir mit allen Mannschaften mithalten können, haben wir mit den beiden Heimsiegen (Liga und Pokal) gegen den OFC hinlänglich bewiesen", bilanzierte TSV-Geschäftsführer Matthias Georg das vergangene halbe Jahr zufrieden.

Was die Platzierung angeht, darf es für die Steinbacher aber noch ein bisschen mehr sein. "In der Rückrunde wollen wir den nächsten Schritt machen und wieder ins obere Tabellendrittel vorstoßen", blickt Georg auf die kommenden Aufgaben. Hoffnung macht, dass die Steinbacher mit Fatih Candan (neun Tore/vier Assists) einen Knipser in den Reihen haben, der schon in seinen ersten Monaten beim TSV voll eingeschlagen hat. Zudem stellen die Mittelhessen die fünftbeste Abwehr der Liga.

Mit den Vertragsverlängerungen von Trainer Matthias Mink und Kapitän Nico Herzig zum Jahresende zeigt sich, dass sie in Steinbach auf personelle Kontinuität setzen: Ein solides Fundament, auf dem sich eine gute Rückrunde aufbauen lässt. Der TSV hat am ersten Rückrundenspieltag spielfrei und startet erst am 17. Februar mit einem Auswärtspiel in Ulm in die Rückserie.

KSV Hessen Kassel:  Nordhessen bleiben kämpferisch

Torjubel bei Spielern von Hessen Kassel
Neues Jahr, neues Glück: Schuldenfrei starten die Löwen in die Rückrunde. Bild © Imago

Hinter dem KSV Hessen Kassel liegt eine schwierige Hinrunde: Wegen ihres Insolvenzverfahrens mussten die Nordhessen mit der schweren Hypothek von neun Minuspunkten in die Saison gehen. Doch der KSV erwischte einen guten Start. Das junge Team von Trainer Tobias Cramer konnte das Punkte-Defizit schon nach sechs Spieltagen ausgleichen und das trotz des schwierigen Auftaktprogramms mit allen Topmannschaften der Liga (Waldhof Mannheim, Saarbrücken, OFC). "Wir haben gezeigt, dass wir absolut regionalligatauglich sind", sagt Coach Cramer.

Dann aber der Einbruch: Der KSV schaffte wenn überhaupt nur noch Unentschieden, meist waren es knappe Niederlagen. So heißt das ernüchternde Zwischenfazit: Tabellenletzter mit sieben Punkten Rückstand auf das rettende Ufer. Für Coach Cramer aber noch kein Grund aufzugeben: "Sieben Punkte sind gar nix. Wir müssen in der Rückrunde voll auf Sieg spielen. Und ganz ehrlich: Wer dann Mannschaften wie Völklingen und Mainz nicht hinter sich lässt, der hat es auch nicht verdient, in der Regionalliga zu bleiben."

Zumindest die gröbsten finanziellen Sorgen sind beiseite gewischt: Die Gläubigerversammlung stimmte dem Insolvenzplan zu. Damit ist der Verein sieben Monate nach Insolvenzeröffnung schuldenfrei und kann die Sanierung vorantreibern. Für neuen Schwung in der Rückrunde sollen auch die beiden Neuzugänge sorgen. Mit Cédric Mimbala holen sich die Hessen einen erfahrenen Innenverteidiger. Der Kongolese spielte zuvor bei Drittligist Fortuna Köln. Zudem wurde mit Maik Baumgarten das zentrale Mittelfeld verstärkt. Hessen Kassel startet am 10. Februar mit einem Auswärtsspiel beim Kellerkonkurrenten Mainz in die Rückrunde.

Eintracht Stadtallendorf: Der Aufsteiger mischt die Liga auf

Stadtallendorf mischt die Regionalliga auf. Nur selten konnte ein Aufsteiger in der neuen Spielklasse so gut mithalten wie das Team aus dem Marburger Land. Die Hinrunde endete für die Eintracht auf Platz neun. Von den Abstiegsplätzen ist der TSV damit weit entfernt. Und so betiteln die Stadtallendorfer ihr Jahr 2017 als "atemberaubendes Fußballjahr". Ein Highlight war sicher der 3:1-Derbysieg im November gegen Hessen Kassel.

Aber auch Rückschläge, wie die saftige 0:9-Packung gegen Elversberg, haben den Liga-Neuling nicht aus der Bahn geworfen. Trotzdem: Die Rückrunde wird den Aufsteiger noch mehr fordern. Daher soll Winter-Neuzugang Dennis Brandl, seines Zeichens rechter Verteidiger, die Stadtallendorfer in der Abwehr unterstützen. Sollten einige Vereine die Eintracht in der bisherigen Saison noch auf die leichte Schulter genommen haben, wird die Liga jetzt gewarnt sein. Der Restrunden-Auftakt gegen den SC Freiburg II fiel am Samstag den Witterungsbedingungen in Stadtallendorf zum Opfer - wie schon bei der ursprünglichen Ansetzung der Partie Anfang Dezember. So steht als nächstes das Heimspiel gegen Mainz II am 10. Februar an.

Sendung: hr-fernsehen, heimspiel! am Samstag, 10.02.18, 17.15 Uhr