Rüdiger Rehm bei der Bierdusche
Rüdiger Rehm nach dem Hessenpokal-Triumph im Mai bei der Bierdusche Bild © Imago

Fußball-Drittligist SV Wehen Wiesbaden startet am Samstag in die neue Saison. Trainer Rüdiger Rehm äußert sich im Interview über die positive Ausgangslage – und erklärt, warum er auf den Julian-Nagelsmann-Effekt hofft.

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SVWW-Trainer Rüdiger Rehm

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Rehm: "Wir haben das Potenzial"

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Erst der Saisonstart in der 3. Liga, dann das DFB-Pokal-Highlight gegen Zweitligist Aue: Dem SV Wehen Wiesbaden stehen spannende Wochen ins Haus. Den Punktspielauftakt markiert das Heimspiel gegen Carl Zeiss Jena am Samstag (14 Uhr). Trainer Rüdiger Rehm hatte die Landeshauptstädter in der vergangenen Rückrunde übernommen und rechtzeitig vor einem Abstieg bewahrt. Nun soll die Entwicklung weitergehen.

hessenschau.de: Herr Rehm, Anfang März haben Sie den SVWW mit einem schlafenden Riesen verglichen, den man langsam aufwecken muss. Wacht dieser Riese in der kommenden Saison auf?

Rüdiger Rehm: Wir sind dafür verantwortlich, so erfolgreich zu spielen, damit der Riese geweckt wird. Wir habend das Potenzial und eine gute Mannschaft, aber es spielen halt auch immer wieder 19 andere Mannschaften mit.

hessenschau.de: In der vergangenen Rückrunde gab es mit dem Klassenerhalt eine klare Zielsetzung. Wie sieht es nun aus, da es wieder bei null losgeht?

Rehm: Die Zielsetzung ist die, dass wir am Samstag versuchen werden, das erste Spiel zu gewinnen. Es macht überhaupt keinen Sinn, jetzt schon in den Mai 2018 zu schauen. Wir müssen erst einmal schauen, wie die anderen Mannschaften und vor allem wir selbst drauf sind. Ich spreche nie über Ziele.

hessenschau.de: Was ist einfacher für einen Trainer: Eine Mannschaft zu übernehmen, die körperlich fit, dafür aber wegen des Abstiegskampfes mental angeschlagen ist, oder eine motivierte Truppe während der Sommerpause körperlich, spielerisch sowie taktisch neu zu formen?

Rehm: Die Situation, die wir jetzt haben, ist das Beste, was man sich vorstellen kann. Nach der Sommerpause durften wir wieder genau die Mannschaft übernehmen, die seit Februar erfolgreich Fußball gespielt und viele Punkte gesammelt hat. Julian Nagelsmann hatte damals in Hoffenheim eine ähnliche Situation: Nach dem Klassenerhalt konnte er mit der Mannschaft weiterarbeiten. Es ist optimal, in die Vorbereitung zu gehen, wenn man ein solches Ziel erreicht hat – weil man sich schon ein Bild von der Mannschaft machen konnte.

hessenschau.de: Trotzdem gab es in Ihrer Mannschaft einige Ab- und Zugänge. Spieler wie Marc Lorenz (Karlsruhe) oder Luca Schnellbacher (Aalen) sind weg, dafür kam unter anderem Stephan Andrist aus Rostock.

Rehm: Vom Stammkader der vergangenen Saison haben wir schon sehr, sehr viele Spieler halten können. Und die bekommen ein gewisses Vertrauen von uns – einen gewissen Bonus, weil sie schon drei Monate länger mit uns gearbeitet haben. Diesen Bonus müssen sie aber ausbauen, darauf dürfen sie sich nicht ausruhen. Machen sie auch nicht. Sie haben sich von der Qualität der Neuzugänge anstacheln lassen, um selbst eine Schippe draufzulegen. Wir wollen – wie zuletzt auch – aus einer guten Defensive heraus mit Tempo in die Spitze rein. Der Ball muss schnell unterwegs sein – also müssen wir auch mit den Beinen schnell unterwegs sein.

hessenschau.de: Sie hatten in den vergangenen fünf Wochen Vorbereitung erstmals ausgiebig Zeit, der Mannschaft Ihre eigene Handschrift zu verpassen. Wie viel davon werden wir am Samstag gegen Jena schon erkennen?

Rehm: Ich glaube, dass man auch in der vergangenen Saison schon einiges gesehen hat. Da hatten wir zwar nicht so viel Zeit, aber wir haben trotzdem akribisch daran gearbeitet, uns Woche für Woche zu verbessern. Die Mannschaft war damals nicht in einem desolaten Zustand. Durch die Misserfolge hatte sie einfach eine mentale Blockade. Als wir uns davon befreit hatten, haben wir einen gemeinsamen Plan entwickelt und verfolgt. Ich hoffe, dass wir daran anknüpfen können.

hessenschau.de: Von acht Vorbereitungsspielen hat der SVWW sechs gewonnen. Geärgert hat Sie vermutlich nur die 0:1-Niederlage bei Regionalligist Walldorf, oder?

Rehm: Nein, die hat mich nicht geärgert, denn auch aus diesem Spiel haben wir viel mitgenommen. In der Vorbereitungsphase ist es wichtig, dass die Leistung überprüft wird – die Ergebnisse sind da eher Beiwerk. Wir haben es geschafft, peu à peu besser zu werden und Abläufe zu automatisieren. Nur das zählt.    

hessenschau.de: Bereits am vierten Spieltag müssen Sie auswärts bei Absteiger Karlsruher SC ran, für viele der Aufstiegskandidat Nummer eins. Für Sie auch?

Rehm: Als Absteiger ist der KSC automatisch im Favoritenkreis dabei. Über diese Mannschaft wird der Aufstieg sicherlich entschieden. Auch Würzburg gehört nach den vielen guten Transfers dazu. Aber diese Transfers müssen erst einmal greifen. Ein guter Kader garantiert nicht, dass automatisch alles funktioniert.

Das Gespräch führte Patrick Stricker.

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