Jubel beim SV Wehen Wiesbaden
Rüdiger Rehm (r.) sorgt beim SV Wehen Wiesbaden für Jubelstimmung. Bild © Imago

Unter Rüdiger Rehm hat sich der SV Wehen Wiesbaden vom Abstiegskandidaten zum Aufstiegsanwärter gemausert. Im Interview spricht der Erfolgscoach über seine Ziele, das mangelnde Faninteresse und Schalke 04.

Als Rüdiger Rehm den SV Wehen Wiesbaden im Februar dieses Jahres übernommen hatte, rangierte der Club auf Abstiegsrang 19. "Da waren wir fast schon tot", erinnert sich der 38-Jährige, der dem Drittligisten fortan mit Akribie und harter Arbeit neues Leben einhauchte. Die vergangene Saison beendete der SVWW als Siebter. Aktuell rangieren die Hessen mit 20 Punkten aus zehn Spielen auf Rang vier, einen Zähler hinter dem Relegationsplatz. Im Interview spricht Rehm über seine Erfolgsgeschichte.

hessenschau.de: Drei Siege in der zurückliegenden Englischen Woche, zuletzt ein 5:0 gegen Großaspach. Spielt der SV Wehen Wiesbaden derzeit so, wie Sie sich das wünschen, Herr Rehm?

Rehm: Die erste Halbzeit gegen Großaspach war schon sehr, sehr gut. Die Mannschaft war unheimlich gewillt, alles herauszuholen und das Spiel zu entscheiden. Wir haben unsere Chancen sehr gut herausgespielt und verwertet. Da wollen wir weitermachen und uns weiter verbessern. Es gibt sicher noch ein paar Dinge, die nicht perfekt waren.

hessenschau.de: Aber spricht denn irgendetwas dagegen, dass es so weitergeht?

Rehm: Es spricht nur etwas dagegen, wenn wir uns ablenken lassen oder irgendetwas nicht mehr so machen, wie wir es getan haben. Die Spiele sind immer sehr eng, auch wenn es jetzt mal deutlicher aussah. Man muss immer wachsam sein und sich auf jeden Gegner respektvoll vorbereiten. Dann kann gerne der nächste Sieg folgen. 

hessenschau.de: Da wird es doch langsam Zeit, die Ziele für diese Saison nach oben zu korrigieren.

Rüdiger Rehm
Rüdiger Rehm Bild © Imago

Rehm: Nein, das brauchen wir nicht. Wir haben jetzt gerade mal vier Punkte mehr als zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison, und jeder weiß, was dann im Februar war: Da waren wir fast schon tot. Daher wissen wir, wo wir herkommen und sind gut beraten, uns von Woche zu Woche auf die nächste Aufgabe zu konzentrieren.

hessenschau.de: Seit ihrem Amtsantritt holte der SVWW in 26 Ligaspielen stolze 51 Punkte. Sind das nicht die Zahlen eines potenziellen Aufsteigers?

Rehm: Die Zahlen sind natürlich schön. Aber wenn wir die nächsten zehn Spiele verlieren, dann sieht es nicht mehr aufstiegsverdächtig aus. Es bringt doch nichts, zu weit nach vorne zu schauen. Auch wenn es sich nicht sonderlich interessant anhört, weil es immer wieder das gleiche Thema ist, gilt es, den Fokus immer auf die nächste Aufgabe zu legen.

hessenschau.de: Aber braucht ein Trainer nicht auch Ziele und Visionen? Ihr Vertrag in Wehen läuft bis 2019, was ist bis dahin möglich?

Rehm: Wir haben es geschafft, uns zu stabilisieren. Wenn wir jetzt stetig daran arbeiten, besser zu werden, dann werden gewisse Ziele und Wünsche vielleicht realisierbar sein. Aber im Moment – und ich glaube, da ist der Verein gebrandmarkt - tun wir gut daran, den Ball flach zu halten. Nichtsdestotrotz sind wir natürlich sehr glücklich, dass wir einen guten Start hatten. Nun müssen wir diesen Platz verteidigen.

hessenschau.de: Insgesamt fällt in dieser Drittliga-Saison auf, dass die Mannschaften vorne konstanter punkten. Gibt es klarere Favoriten als in den vergangenen Jahren?

Rehm: Es sieht im Moment so aus, dass mit Magdeburg und Paderborn zwei Mannschaften vorneweg marschieren. Aber aus der Erfahrung denke ich, dass es auch sie nochmal treffen wird und sich die Liga wieder zusammenschiebt. Auch Karlsruhe und Würzburg, die schlechter gestartet sind, werden wiederkommen.

hessenschau.de: Für den SVWW geht es als nächstes zum Tabellenletzten nach Erfurt. Kann Ihr Team mit der Favoritenrolle schon umgehen?

Rehm: Natürlich fahren wir dorthin und wollen drei Punkte mitnehmen, aber das funktioniert nicht im Vorbeigehen, sondern nur mit knallharter Arbeit. Erfurt wird sich mit Mann und Maus wehren. Die werden alles dafür tun, den letzten Platz zu verlassen. Wir müssen uns darauf vorbereiten und den Gegner zu Fehlern zwingen.

hessenschau.de: Was mit dem aktuellen Erfolg auf dem Platz weiterhin nicht mithalten kann, ist der Fanzuspruch. In der Drittliga-Zuschauertabelle ist der SVWW Vorletzter. Wie passt das zusammen?

Rehm: Die Mannschaft hat sicherlich mehr Zuschauer verdient. Aber wir müssen die Fans, die in den letzten Jahren die eine oder andere Enttäuschung erlebt haben, erst wieder zurückgewinnen. Dazu müssen wir sie so begeistern, wie wir es zuletzt gemacht haben. Eigentlich haben wir von der Infrastruktur und dem Einzugsgebiet die Möglichkeit, schnell mal 3.000 oder 3.500 Zuschauer zu haben. Daran arbeiten wir.

hessenschau.de: Definitiv voll wird das Stadion Ende Oktober im DFB-Pokal gegen Schalke 04 werden. Wie sehr ist diese Partie schon in den Köpfen?

Rehm: Ich habe Schalke ein, zwei Mal gesehen, aber das war eher Zufall. Man guckt sich halt immer die Bundesliga an, außerdem kenne ich Domenico Tedesco (Trainer von Schalke 04; Anm. d. Red.). Ansonsten spielt Schalke im Moment noch keine Rolle. Wenn man sich zu sehr damit beschäftigt, verliert man auch den Alltag aus dem Blick. Solche Gedanken müssen aus den Köpfen raus.

Das Gespräch führte Steffen Rebhahn

Sendung: hr-fernsehen, heimspiel! am samstag, 30.09.2017, 17.15 Uhr