Collage: Finn Lemke (li.) Michael Roth (re.)
Finn Lemke (li.) fährt nicht mit dem DHB-Team zur EM, sein Trainer Michael Roth hat dafür kein Verständnis. Bild © Imago/Collage: hessenschau.de

Die Ausbootung von Finn Lemke im DHB-Team sorgt in Handball-Deutschland für Diskussionen. Der Melsunger Abwehrchef wurde nicht für die Europameisterschaft nominiert. MT-Trainer Michael Roth reagiert mit Kopfschütteln.

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"Sehr überrascht und ein bisschen schockiert" sei er nach der Nominierung des deutschen Kaders für die Handball-EM in Kroatien gewesen, sagte Michael Roth am Montag im Gespräch mit dem hr-sport. Dem Trainer des Bundesligisten MT Melsungen erging es da genauso wie vielen Handballexperten und Fans in ganz Deutschland. Der Grund? Bei der Mission Titelverteidigung verzichtet DHB-Trainer Christian Prokop auf einen der Garanten für den EM-Titel im Jahr 2016, MT-Rückraumspieler Finn Lemke.

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Lemke ist einer von drei 2016er-Europameistern, die am Sonntag aus dem 16-köpfigen Aufgebot für Kroatien gestrichen wurden. Dabei galt Lemke als Abwehrchef der deutschen Mannschaft und "Motor der alles überragenden Abwehr des deutschen Teams", wie etwa der frühere Welthandballer Daniel Stephan sagte. Die Ausbootung des Melsungers begründete Prokop ausschließlich mit taktischen Gründen – es sei die schwierigste Entscheidung seiner bisherigen Amtszeit gewesen.

Prokop opfert Lemke für mehr Flexibilität

Lemkes Vereinstrainer Roth kann diese Begründung nur schwer nachvollziehen. "Er ist mitverantwortlich dafür, dass sich Deutschland in den letzten Jahren in die Weltspitze entwickelt hat", sagte Roth über Lemke, der im DHB-Team als reiner Abwehrspieler überragte und wohl der erhofften Flexibilität des Teams zum Opfer fiel.

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Hessen bei der EM

Mit Tobias Reichmann und Julius Kühn fahren zwei Spieler der MT Melsungen mit dem deutschen Team zur EM. Dazu kommen Jannik Kohlbacher von der HSG Wetzlar und mit Steffen Fäth von den Füchsen Berlin ein gebürtiger Frankfurter.

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Dabei haben die abschließenden Tests gegen Island trotz deutlicher Siege gezeigt, dass in der Abwehrarbeit beim DHB noch Luft nach oben ist. Prokop attestierte seinen "Bad Boys" nach dem 36:29 am vergangenen Freitag Schläfrigkeit, nachdem die Mannschaft in der Anfangsphase einige leichte Fehler in der Defensive fabriziert hatte.

Lemke fährt mit Melsungen ins Trainingslager

Ganz abgefahren ist der EM-Zug für Lemke übrigens noch nicht. Theoretisch könnte Prokop den 2,10-Meter-Leuchtturm im Verlauf des am Freitag startenden Turniers noch nachnominieren. Davon will man in Melsungen aber vorerst nichts hören. "Wir fahren nächsten Montag mit ihm ins Trainingslager, und ich bin froh, dass ich meinen Abwehrchef dabei habe", so Roth.

Die Nichtnominierung sei natürlich auch für Lemke selbst ein Schock gewesen, den er erst einmal verarbeiten müsse, sagte der Melsunger Cheftrainer. Roth glaubt aber nicht, dass der 25-Jährige lange daran knabbern wird: "Er ist ein Vollprofi. Das wird ihn nicht aus der Bahn werfen, sondern noch mehr motivieren."