Karolin Horchler
Karolin Horchler blickt auf turbulente Monate zurück. Bild © Imago

"Ich hätte auch nicht mehr unter uns sein können", sagt Karolin Horchler. Im Sommer wurde sie von einem Laster angefahren. Nur wenige Monate hat die Nordhessin ein erfolgreiches Comeback im Weltcup gefeiert.

Weltcup in Östersund, tausende Fans an der Strecke, ein Millionen-Publikum an den Bildschirmen - und Biathletin Karolin Horchler mittendrin. "Ich werde es auf jeden Fall genießen", hatte die gebürtige Nordhessin vor dem Wettkampf am Mittwoch dem hr-sport gesagt. Die frohe Kunde hatte zu Wochenbeginn Bundestrainier Gerald Hönig überbracht. Horchler, die in der noch jungen Saison bislang im zweitklassigen IBU-Cup zum Einsatz kommt, empfahl sich durch gute Leistungen für einen Weltcup-Start.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Karolin Horchler: "Hatte unheimlich viel Glück"

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Die 28-Jährige war bei den Rennen die punktbeste Deutsche und durfte sich nun in Schweden im Einzelrennen über 15 Kilometer beweisen. Mit Erfolg. Horchler kam als 19. ins Ziel und feierte das bislang beste Einzel-Ergebnis ihrer Weltcup-Karriere. Beste Deutsche war Franziska Hildebrand als 13. Der Sieg ging an Nadeschda Skardino aus Weißrussland.

Dass sich Horchler nach langer Abstinenz wieder mit den Spitzenleuten messen durfte, grenzt an ein kleines Wunder. Vor fünf Monaten wäre beinahe alles vorbei gewesen. Die 28-Jährige, die aus Diemelsee (Waldeck-Frankenberg) stammt, wurde während des Trainings auf Skirollern von einem Laster angefahren. "In Ruhpolding hat mich ein Lkw überholt und mit seinem Anhänger gestreift. Dann bin ich über die linke Schulter in den Graben", erzählte Horchler erstmals von ihrem schlimmen Unfall. Sie kam glimpflich davon, erlitt "nur" einen Schulterbruch. "Ich hatte viel Glück", blickte sie zurück: "Ich hätte auch nicht mehr unter uns sein können."

Mit einem Stock auf Skirollern

Kaum war der Schock verdaut, stürzte sich Horchler ins Aufbautraining. Wenn auch stark eingeschränkt. "Ich musste in den acht bis zehn Wochen einiges umstellen, hab viel Reha und Physio gemacht", berichtete die Nordhessin. Mit einem Stock rollerte sie über den Asphalt, an Schießen war nicht zu denken. Auch mental musste der Unfall verarbeitet werden. "Ich habe schnell versucht, positiv zu denken." Mit Erfolg: Horchler kämpfte sich wieder heran und meldete sich bei der Deutschen Sommermeisterschaft im September in ihrer Wahlheimat Ruhpolding mit guten Platzierungen zurück. "Die Meisterschaft war ein großes Ziel. Dadurch habe mich erst wieder anbieten können."

Noch ist die 28-Jährige vom Bewegungsgrad her etwas eingeschränkt. "Das ist bei einer Schulterverletzung aber normal", lachte Horchler das eine oder andere Zwicken weg. Kein Wunder, ist sie doch überglücklich, endlich wieder ein Weltcuprennen bestritten zu haben. Und das ausgerechnet im schwedischen Östersund, wo sie vor drei Jahren ihren Weltcup-Einstand feierte und prompt unter die Top 30 lief. Mit Platz 19 am Mittwoch hat sie ihren damals 24. Rang sogar getoppt.

"Sister-Act" in Östersund fällt aus

Ihre Familie und Freunde in Ottlar, einem Ortsteil von Diemelsee, fieberten aus der Ferne mit. Auch Schwester Nadine, die in Mittenwald bei Garmisch-Partenkirchen lebt, drückte die Daumen. Für Karolin eine merkwürdige Situation: Denn sie wurde für Östersund nominiert und Nadine nicht. "Das wussten wir im Vorfeld, dass es eine von uns treffen wird. Die Saison ist aber noch früh. Es kann noch so viel passieren", munterte Karolin ihre drei Jahre ältere Schwester auf.

Anfang des Jahres waren beide beim Heim-Weltcup in Oberhof gemeinsam gestartet und erfüllten sich damit einen Traum. Jetzt fiel der "Sister-Act" in Östersund aus, da sich das freie zweite Ticket nach der krankheitsbedingten Absage von Topstar Laura Dahlmeier die andere IBU-Starterin Denise Herrmann sicherte. Das sollte die Freude von Karolin Horchler auf ihr Weltcup-Comeback jedoch nicht schmälern - nach ihrem Unfall und dem harten Training der vergangenen Monate erst recht nicht.