Petra Behle im hr-Studio
Petra Behle Bild © hr

Wegen des Doping-Skandals droht Russlands Athleten der Ausschluss von den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang. Richtig so? Die ehemalige Biathletin Petra Behle und Hochsprung-Olympiasiegerin Heike Henkel stehen einer Kollektivstrafe skeptisch gegenüber.

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Obwohl die Vermutung nahe lag, dass Russland seine Sportler in den vergangenen Jahren systematisch gedopt hatte, schien eine Sache eher unwahrscheinlich: Dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Russen tatsächlich kollektiv von den Olympischen Winterspielen in Südkorea ausschließt. Nachdem die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) jüngst aber neue Beweise für das russische Dopingsystem zugespielt bekommen hatte, droht den Athleten genau dieses Szenario. Nach ARD-Informationen wird die WADA die Suspendierung der russischen Anti-Doping-Agentur aufrecht erhalten, was einen Ausschluss von den Winterspielen 2018 wahrscheinlicher macht.

"Mein erster Impuls war, dass eine Sperre richtig ist", sagte die Goldmedaillen-Gewinnerin Heike Henkel im heimspiel! des hr-Fernsehens am Montag. Immerhin dürfe systematisches Doping nicht ungestraft bleiben. Langfristig, so dachte die einstige Weltklasse-Hochspringerin dann aber weiter, sei der Kollektivausschluss russischer Sportler keine gute Idee. "Wir sehen an den Reaktionen, dass sie sich ausgegrenzt fühlen. Das stärkt nicht unbedingt das Ziel, dass alle mitmachen im sauberen Sport", sagte die engagierte Anti-Doping-Kämpferin.

"Das ist keine Lösung"

Ähnliche Töne schlug auch die Offenbacherin Petra Behle an, die 1998 in Nagano Gold mit der Biathlon-Staffel holte. "Ich habe von juristischen Dingen keine Ahnung, könnte mir aber schon vorstellen, dass man sehr genau prüfen muss, ob man jemandem, bei dem Doping nicht nachgewiesen wurde, einfach ein Berufsverbot erteilen darf", so Behle. Sportanwalt Christoph Schickhardt konnte da im heimspiel! direkt helfen. "Was wir besprechen, ist die schlimmste Kollektivstrafe einer ganzen Sportgeneration. Man muss eine Lösung finden, aber das ist für mich keine Lösung."

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Andererseits dürfe man Russland eben auch nicht alles durchgehen lassen. Sollte doch eine russische Mannschaft starten dürfen, auch wenn sie dezimiert sein sollte, würde das Vertrauen in saubere Olympische Spiele weiter in Mitleidenschaft gezogen. Immerhin trügen die Russen derzeit nichts zur Aufarbeitung bei. "Das ist ein Trauerspiel im Moment." Aber auch das dürfe nicht den ehrlichen Athleten zu Schaden gereichen, meinte Schickhardt. "In jedem Land gibt es anständige und unanständige Sportler, sicher auch unter den Russen."