Gesa Krause beim ISTAF in Berlin
Gesa Krause hat nach diesem Jahr viel zu erzählen. Bild © Imago

Das Jahr 2017 hat Hindernisläuferin Gesa Krause aus Ehringshausen nicht nur schöne Momente beschert. Der folgenschwere Sturz von London hatte letztlich aber auch etwas Gutes. Ein Rückblick.

Videobeitrag

Video

zum Video Krause: "Sportlich Größe beweisen"

Ende des Videobeitrags

Wenn Gesa Felicitas Krause in den Tagen vor Silvester noch einmal über die vergangenen Monate nachdenken wird, sollte sie sich am besten anschnallen: Es geht auf eine emotionale Achterbahnfahrt. Die 25 Jahre alte Hindernisläuferin aus dem mittelhessischen Ehringshausen hat im Jahr 2017 beinahe alle Höhen und Tiefen der Leichtathletik erlebt. Auf einen dramatischen Sommer folgte ein versöhnlicher Jahres-Endspurt. Aber der Reihe nach.

Die WM steht über allem

Krauses volle Konzentration gehört schon zu Jahresbeginn der Leichtathletik-WM in London. Zwei Jahre nach der völlig überraschenden Bronzemedaille von Peking sind die Aussichten auf Edelmetall zwar überschaubar, eine Überraschung ist im einsamen Kampf gegen die afrikanischen Überläuferinnen aber nicht ausgeschlossen. "Auf dem Papier nicht, aber…", lässt Trainer Wolfgang Heinig damals alle Medaillenchancen-Hintertüren offen.

Videobeitrag

Video

zum Video Gesa Krause stürzt bei der WM in London

Ende des Videobeitrags

Die Vorbereitung auf das Saison-Highlight im August lässt die Zuversicht weiter steigen. Nach unglücklichem und frühzeitig abgebrochenem Trainingslager in Äthiopien stellt Krause ihre gute Form gleich mehrfach unter Beweis. Bei den Team-Europameisterschaften in Lille gewinnt die heute in Frankfurt lebende Krause ihren 3000-Meter-Hindernislauf und kurz später den Titel. Bei den anschließenden Deutschen Meisterschaften läuft sie scheinbar mühelos zu Gold. Die WM kann kommen.

Unfassbares Sturzpech

Dann kommt jedoch alles anders als geplant. Im großen WM-Finale wird sie von der stolpernden Kenianerin Beatrice Chepkoech zu Fall und damit um einen vorderen Platz gebracht. Krause berappelt sich nach ihrem Sturz zwar noch einmal und beendet das Rennen nach beeindruckender Aufholjagd auf Rang neun. Die Enttäuschung ist dennoch riesig. "Es ist schwer, das in Worte zu fassen. Ich habe mich vorne gesehen", sagt sie nach dem Zieleinlauf unter Tränen. "Es ist bitter, wenn man nicht eingreifen kann. Aber nach einem Tiefschlag kommt auch wieder ein Hoch."

Und genau so kommt es. Nachdem Krause beim Diamond-League-Finale in Zürich noch haarscharf an einem neuen deutschen Rekord vorbeischrammt, gewinnt sie das Wettrennen gegen die Uhr einige Tage später beim ISTAF in Berlin. Mit einer Fabelzeit von 9:11,85 Minuten pulverisiert sie ihre eigene Bestmarke und rehabilitiert sich damit zumindest ein wenig. "Nach diesem WM-Debakel war es schwer, mich noch einmal aufzuraffen. Aber ich wollte diesen Rekord." Doch damit nicht genug der positiven Nachrichten.

Auszeichnungen ohne Ende

Zum Ende des Jahres wird Krause gleich mehrere Male für ihre Sportlichkeit und Fairness ausgezeichnet. Das Leichtathletik-Ass darf sich ab sofort Sportlerin mit Herz und Läuferin des Jahres nennen, in ihrer Vitrine stehen zudem das Ehrenschild des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV) sowie ein mit 40.000 Euro dotierter Sonderpreis für besondere Leistungen.

Videobeitrag

Video

zum Video Gesa Krause: "Mein Herz war gebrochen"

Ende des Videobeitrags

"Man muss nicht unbedingt eine Medaille gewinnen, um sportliche Größe zu beweisen", so Krause, die die Hälfte der Summe an den Förderverein ihrer ehemaligen Schule in Dillenburg, ihren ersten Verein in Dillenburg und ihren aktuellen Verein Silvesterlauf Trier, spendet. "Ich gehe als Vorbild im Sport in die Geschichte ein, das hat einen sehr hohen Wert." Vielleicht sogar mehr als eine WM-Medaille.