dpa Hambüchen Kombo
Fabian Hambüchen hat in diesem Jahr viel erlebt. Bild © picture-alliance/dpa

Schluss! Aus! Ende! Der deutsche Turnstar Fabian Hambüchen hat 2017 gleich zwei Rücktritte verkündet. Er kann auf eine erfolgreiche Karriere und ein emotionales letztes Karrierejahr zurückblicken.

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Am zweiten Dezember dieses Jahres war der große Moment gekommen: Fabian Hambüchen blickte in der Ludwigsburger Halle noch einmal hochkonzentriert in Richtung Reck und bereitete sich auf seine letzte Kür vor. Beim Finale der Kunstturn-Bundesliga sollte es soweit sein: Der letzte Auftritt des 30-Jährigen mit seinem Verein KTV Obere Lahn stand an.

Nach rund 55 Sekunden brachen die Zuschauer und der Athlet selbst in tosenden Jubel aus. Das Werk war vollbracht, der dritte Platz erreicht – und Hambüchen kämpfte mit den Tränen. "Die Stimmung ist toll. Mir fehlen die Worte", sagte er bei seinem Abschied.

Gold-Reck erfüllt Hambüchen voller Stolz

Es war der Schlusspunkt eines aufregenden Jahres des Kunstturners, der sich kurz nach Neujahr erstmals richtig freuen durfte. Das Gold-Reck von den im Sommer 2016 stattfindenden Olympischen Spielen im brasilianischen Rio de Janeiro hat den Weg per Frachtschiff und dank Hilfe einer Stuttgarter Spedition in die WetzlarerTurnhalle der August-Bebel-Schule gefunden.  Im Februar weihte der Athlet selbst das Turngerät ein. "Geil. Ich freue mich riesig, dass es endlich da ist“, jubelierte Hambüchen damals.

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Der zweifache Sporter des Jahres erlebte hierbei einen ganz besonderen Moment: "Wenn ich das Reck hier sehe, kommen natürlich sofort Erinnerungen hoch. Das war der emotionalste Moment meines Lebens. Ich bin richtig glücklich." Das Reck als verstaubtes Ausstellungsstück in einem dunklen Raum? Von wegen: "Es war klar, dass es kein Museumsstück wird – und ich will ja ab und zu auch noch ran."

Der erste Schritte: Das Ende der internationalen Karriere

Daran war kurze Zeit später aber nicht zu denken. Ein Sehnenriss in der Schulter musste von Professor Ulrich Brunner im bayrischen Hausham operativ behandelt werden. Hambüchen zog sich diesen bereits im Februar 2016 zu und wollte dennoch nicht auf Olympia verzichten. Der Einsatz hatte sich gelohnt: Die Goldmedaille erkämpfte er trotz schwerer Verletzung. Ein weiteres Meisterstück des Ausnahmekönners.

Und das letzte auf internationalem Parkett, von dem er sich im Mai nach langer Leidenszeit endgültig verabschiedete: "Für mich ist klar, dass ich meine internationale Karriere beendet habe. Natürlich gäbe es nichts Schöneres, als 2019 in Stuttgart noch einmal Reck-Weltmeister zu werden. Aber es sprechen sehr viele Fakten dagegen, als Turner sehe ich mich dort nicht."

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Vor zigtausend Zuschauern im Berliner Olympiastadion wurde mit Hambüchen Anfang Juni einer der erfolgreichsten Deutschen der Turngeschichte beim Internationalen Deutschen Turnfest von Bundeskanzlerin Angela Merkel verabschiedet. Sein Weg war damit aber noch nicht zu Ende. Am 21. Oktober feierte er nach 336-tägiger Verletzungspause sein Comeback in der Deutschen-Turn-Liga. "Wahnsinn - es war einfach super. Ein geiles Gefühl, endlich wieder zurück zu sein", drückte Hambüchen seine Euphorie aus. Es war der Auftakt für die letzten sechs Wochen seiner Karriere.

Der zweite Schritt: Das endgültige Ende

Funkstille ist in Zukunft allerdings nicht zu erwarten. Sein Engagement ist vielfältig, wie zwei Beispiele zeigen: Im August ist Hambüchen bei der Deutschen Sportlotterie eingestiegen. Sein Name soll für einen Schub sorgen. Er ist der insgesamt sechste Gesellschafter neben Philipp Lahm, Henry Maske, Lotto Hessen, Allegro Invest SE und der Deutschen Sporthilfe (DSH). "Das Ziel dabei ist immer, die Sportförderung anzukurbeln. Das ist ein riesiger Ansporn für mich", verriet der Kunstturner. 

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Hambüchen trat ferner zum zweiten Mal als Buchautor in Erscheinung. Nach seiner 2010 erschienen Autobiografie präsentierte er Ende Oktober sein neues Werk: "Den Absprung wagen". Der Turner beschreibt dort, wie ein großer Streit mit seinem Vater und mentale Kraft die nötige Stärke für das Olympiagold gaben. Gerade diese psychische Robustheit hat eine Karriere, die unbestritten als glanzvoll bezeichnet werden kann, begleitet – und dafür gesorgt, dass es zum Schluss keine Pfiffe, sondern lautstarken Applaus gab.