Carolin Schäfer
Carolin Schäfer darf sich eine Medaille aus London mit nach Hause nehmen. Bild © picture-alliance/dpa

Angereist als Nummer zwei der Welt und dem Druck Stand gehalten: Die Frankfurterin Carolin Schäfer gewinnt ihre erste internationale Medaille im Siebenkampf. Um die musste sie bis zum Schluss hart kämpfen.

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Carolin Schäfer schlug im Ziel immer wieder ungläubig die Hände vors Gesicht, dann flossen die Freudentränen. Die Frankfurterin hat es tatsächlich geschafft, dem Druck standzuhalten und allen zu beweisen, dass sie nicht nur auf dem Meldebogen die Nummer zwei der Welt ist. Hier, bei den Weltmeisterschaften in London, holte die 25-Jährige ihre erste internationale Medaille im Siebenkampf, hinter der Belgierin Nafissatou Thiam, die Gold gewann (6784 Punkte).  

"Es ist einfach genial – das ist ein Moment zum Genießen", sagte Schäfer, immer noch sichtlich bewegt, im anschließenden Fernseh-Interview. "Heute zahlt sich die jahrelange Arbeit aus. Endlich bin ich oben angekommen!" Ihre Vereinskollegin Claudia Salman-Rath, die ebenfalls Medaillenchancen hatte, wirkte dagegen geknickt. Sie belegte nach einem durchwachsenen Siebenkampf Platz acht (6362 Punkte).

Eine Niederländerin fordert Schäfer heraus

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Für ihre Silber-Medaille musste Carolin Schäfer im abschließenden 800-Meter-Lauf noch mal richtig kämpfen. Die Niederländerin Anouk Vetter war nach einem starken Speerwurf bis auf drei Punkte an Schäfer herangekommen. Als dann der Startschuss zur letzten Disziplin des Tages fiel, war klar: Die Frankfurterin muss vor der Frau im orangenen Trikot das Ziel erreichen. Mit einem couragierten Rennen von 2:15.34 Minuten hielt Schäfer die Niederländerin dann auch erfolgreich auf Abstand.

Am Abend zuvor war die hessische Siebenkämpferin noch überraschend als Führende zu Bett gegangen. Der erste Siebenkampftag war gut verlaufen, inklusive einer persönlichen Bestleistung im Kugelstoßen. Gleich bei der ersten Disziplin an Tag zwei, dem Weitsprung, musste Schäfer ihre Führung dann aber aufgeben. Die als Favoritin angereiste Belgierin Nafissatou Thiam sprang starke 6,57 Meter. Carolin Schäfer dagegen erwischte keinen optimalen Sprung und kam über 6,20 Meter nicht hinaus

Schäfers Stärke: Keine Schwäche

Beim anschließenden Speerwurf überholte dann auch Anouk Vetter kurzzeitig die Frankfurter Siebenkämpferin. Vetter steigerte im letzten Versuch ihre Bestleistung um knapp drei Meter auf 58,41 Meter. Doch auch Schäfer konnte im letzten Versuch noch mal etwas draufpacken und verbesserte sich auf 49,99 Meter. Fast wäre dieser Versuch nicht gewertet worden. Nachdem er für ungültig erklärt wurde, legte Schäfer Protest ein, bekam Recht und wichtige Punkte.

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Die große Stärke der Frankfurterin war auch bei diesem Siebenkampf wieder ihre Ausgeglichenheit. "Viele Athleten haben ja in den Wurfdisziplinen Schwächen, oder in den Sprintdisziplinen", sagte Trainer Jürgen Sammert zuvor schon dem hr-sport. Sammert trainiert Schäfer mittlerweile seit fast schon sechs Jahren. "Caro hat eigentlich keine extreme Schwäche. Und das ist ihre Stärke."

Mit sieben Jahren in Bad Wildungen mit Leichtathletik begonnen

Die frischgebackene WM-Silbermedaillengewinnerin begann mit sieben Jahren mit der Leichtathletik in Bad Wildungen, wo sie aufwuchs. Schnell wurde damals das klar, was Trainert Sammert noch heute an ihr schätzt: Dieses Mädchen kann einfach alles gut. Anstatt sich zu spezialisieren, blieb sie deshalb beim Mehrkampf. "Ich liebe einfach diese Vielseitigkeit", sagt sie selbst über den Siebenkampf. "Sieben verschiedene Disziplinen innerhalb von zwei Tagen perfekt auf den Punkt zu bringen. Das maximale Ergebnis aus sich herausholen – das ist es, was mich unglaublich fasziniert."

Die insgesamt 6696 Punkte, mit denen sie Silber holte, sind das zweitbeste Ergebnis ihrer Karriere. Nur Anfang der Saison in Götzis war Schäfer schon mal besser (6836 Punkte). Und der Blick geht in die Zukunft: Nächstes Jahr stehen die Europameisterschaften in Berlin an. Wieder ein Siebenkampf, bei dem Carolin Schäfer sieben Disziplinen perfekt auf den Punkt bringen kann.