Maryse Luzolo
Maryse Luzolo Bild © Imago

Es ist eine Horror-Vorstellung für Sportler: Hilflos in ein Trainingsgerät gespannt, fährt die Maschine los und überstreckt das Knie, bis das Kreuzband reißt. Genau so ist es Weitsprung-Hoffnung Maryse Luzolo passiert.

"Ich könnte nicht glücklicher sein." Mit diesem Satz versah Maryse Luzolo am vergangenen Wochenende ein Foto bei Instagram. Es zeigt die 22 Jahre alte Weitspringerin mit ausgestreckten Armen und strahlendem Lächeln bei den Deutschen U23-Meisterschaften in Leverkusen. Hier verteidigte sie ihren Titel und sicherte sich auch das Ticket für die U23-Europameisterschaften in Polen. Doch nur wenige Tage später ist für die Athletin vom Königsteiner LV alles anders.

Denn Luzolo hat sich beim Training im Olympiastützpunkt Hessen eine "komplexe Knieverletzung" zugezogen. Mindestens das vordere Kreuzband und die Bizepssehne sind kaputt, bereits am Donnerstag wurde Luzolo vier Stunden lange operiert.

Knie wird überstreckt

Passiert ist das Unglück bei einer Übung an einem Trainingsgerät aus der Medizintechnik, mit dem die 22-Jährige ihre Leistungen mit Blick auf die EM noch einmal steigern wollte. Bei dem Gerät – eine Mischung aus Diagnostik und Training – werden einzelne Gelenke fixiert, erklärt Werner Schaefer, Leiter des Olympiastützpunktes.

"Zur Vorbereitung wurden der Oberschenkel und das Kniegelenk fixiert, dann fährt das Gerät in seine Ausgangsposition", so Schaefer zum hr-sport. Aufgrund eines noch nicht aufgeklärten Fehlers wurde das Knie dabei überstreckt und schwer beschädigt. Weil die Gelenke fixiert seien, könne man in so einer Situation nicht schnell genug reagieren. "Das soll und darf nicht passieren", sagt Schaefer. Dabei sei das Gerät bereits seit längerem Teil der Trainingssteuerung, auch die Frankfurter Leichtathletinnen Claudia Salman-Rath und Carolin Schäfer nutzen es.

"So eine Geschichte hatten wir noch nie"

Verletzt hat sich bei solchen Trainingsübungen bisher noch niemand – zumindest nicht am Olympiastützpunkt Hessen, betont Schaefer. "Ich bin jetzt 30 Jahre dabei und so eine Geschichte hatten wir noch nie." Gemeinsam mit der Herstellerfirma suchen die Verantwortlichen nun nach den Ursachen für den Unfall.

Außerdem sicherten sowohl der Olympiastützpunkt als auch der Landessportbund Hessen Luzolo ihre Unterstützung zu. "Sie ist eine willensstarke, junge Frau. Das Ziel muss jetzt lauten, das Knie in Ordnung zu kriegen", sagte Schaefer, der guter Hoffnung ist, dass sie nach einer Reha-Zeit wieder mit weiten Sprüngen auf sich aufmerksam machen kann.