Fabian Hambüchen bejubelt Olympia-Gold
Fabian Hambüchen verabschiedet sich vom Turn-Sport. Bild © Imago

Olympiasieger, Weltmeister, Europameister – Fabian Hambüchen ist einer der erfolgreichsten hessischen Sportler aller Zeiten. Mit dem Bundesligafinale am Samstag endet die Karriere des Wetzlarers. Ein Rückblick.

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Es war ein Dienstag in Rio de Janeiro, an dem die Karriere von Fabian Hambüchen gekrönt wurde. Der heute 30-Jährige aus Wetzlar war schon zu diesem Zeitpunkt ein Star der Turnszene, vielfacher Medaillengewinner bei Welt- und Europameisterschaften. Doch an diesem 16. August 2016 sammelte er bei seinem letzten großen Auftritt den wichtigsten Titel ein: Olympiasieger.

Rio war Höhepunkt und Abschluss einer bemerkenswerten Karriere, die ihren Ursprung in einer sportbegeisterten Familie im mittelhessischen Wetzlar nahm. Vater Wolfgang war selbst Turner und zeitlebens sein Trainer, Onkel Bruno fungierte als Mentalcoach. Fabian Hambüchens stand schon als kleiner Jung auf der Matte und hing am Reck. Der beste Turner dieser Generation, dieser Erfolg war immer der eines Familienunternehmen. "Unser ganzer Tagesablauf dreht sich ums Turnen", gibt Vater Wolfgang zu.

Viele Siege und die Enttäuschung in Peking

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Hambüchen zurück auf der Turn-Bühne

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Fabian Hambüchen - eine Ausnahmekarriere geht zu Ende

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Bereits als Kind war Hambüchen ein Ausnahmetalent, auf Jugendtitel folgten 2004 die ersten Olympischen Sommerspiele. Mit gerade einmal 16 Jahren und als jüngster männlicher Starter der deutschen Delegation trat er im Team an. Ein Teenager mit Streber-Brille: "Turnfloh" und "Turnprofessor" taufte ihn der Boulevard. Was folgte, war ein wahrer Medaillenregen: Neun Mal Edelmetall bei Weltmeisterschaften, gleich elf Medaillen bei Europameisterschaften – Hambüchen war gerade zwischen 2007 und 2010 im Turnsport eine Klasse für sich.

Nur bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 reichte es für den damaligen Topfavoriten nicht zum großen Triumph. "Momentan ist da ein leeres Loch in meinem Kopf und meinem Herzen. Das ist brutal schwer, ich war auf Gold fixiert", sagte ein sichtlich gezeichneter Hambüchen, nachdem er "lediglich" Bronze holte. Das gleiche Spiel 2012 in London. Dieses Mal turnte er zu Silber am Reck – aber auf den großen, goldenen Traum musste er weiter warten.

Ein letztes Aufbäumen für Rio

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Die Erfolge wurden in dieser Zeit weniger, die Verletzungen mehr. Dazu kam: Hambüchen war ein Lautsprecher, einer der seine Meinung sagte, ständig in der Öffentlichkeit stand. Das rief die Kritiker auf den Plan, speziell als beim Mittelhessen auch noch Konzentration und Training nachließen. Es war diese Zeit, in der die Geschichte vom Turnhelden kippen hätte können.

Am Ende war es sein Vater, so beschrieb es Hambüchen in seiner Autobiographie, der ihn in dieser Phase wieder auf die Spur brachte. Im Streit nannte Wolfgang seinen Sohn ein "arrogantes Arschloch“" Gemeinsam rissen sie sich zusammen – noch einmal, für das große Ziel Olympia. Mit gerissener Sehne in der Schulter quälte er sich nach Rio und überraschte die Sportwelt. Er war nicht der Favorit, aber ihm gelang die perfekte Performance. Gold beim letzten großen Auftritt.