Hessencheck Bevölkerung
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Hessen verändert sich und das in großem Tempo. Während manche Regionen boomen, scheinen andere abgehängt zu sein. Eine Analyse in zehn Grafiken und Karten.

Eines steht fest: Noch nie gab es so viele Hessen wie heute. Zum Stichtag 31. Dezember 2015 lebten insgesamt 6.176.172 Menschen in diesem Bundesland. Das sind knapp zwei Millionen mehr als kurz nach der Gründung Hessens. Mit einem Anteil von 51 Prozent sind die Frauen leicht in der Mehrheit. Ein großer Teil des Wachstums geht auf Zuwanderung zurück. Die Zahl der in Hessen lebenden Ausländer stagnierte allerdings seit Mitte der 90er oder ging sogar zurück. Geändert hat sich das erst wieder Anfang dieses Jahrzehnts, vor allem durch den Zuzug aus den osteuropäischen EU-Ländern wie Rumänien und Bulgarien.

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Unterschiedliche Verteilung

Die Verteilung der Bevölkerung im Land ist stark unterschiedlich. Die Hälfte der Hessen lebt in nur 48 Städten - das bedeutet, die zweite Hälfte wohnt in den anderen 378 Städten und Gemeinden. Und auch die Einwohnerdichte im Land ist höchst verschieden. So steht den Bewohnern in diesen 48 Städten gerade mal 14 Prozent der hessischen Gesamtfläche zur Verfügung. Die Grafik unten verdeutlicht dies. Links vom Schieberegler sind die Flächen der hessischen Kommunen zu sehen, rot eingefärbt sind die 48 größten Städte. Der rechte Teil der Grafik ist ein sogenanntes Kartogramm - es zeigt, wie die Flächen der Kommunen aussehen würden, wenn die Größe von der jeweiligen Einwohnerzahl bestimmt würde.

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Die Einwohnerdichte im kleinsten hessischen Örtchen Hesseneck ist rund 140 Mal niedriger als in Frankfurt. Während in der Odenwald-Gemeinde im Schnitt 21 Menschen auf einem Quadratkilometer leben, sind es in Frankfurt fast 3.000. Ganz so viel Platz haben die rund 640 Einwohner in Hesseneck dann aber doch nicht zur Verfügung: Die Ortsgemarkung besteht ganz überwiegend aus Wald.

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Alternde Hessen

Die gute Nachricht: Die Hessen leben immer länger. Ein Mädchen, das heute zwischen Bad Karlshafen und Neckarsteinach geboren wird, hat statistisch gesehen rund 83 Jahre und zwei Monate vor sich, ein Junge fast 78 Jahre und zehn Monate. Nur in Baden-Württemberg und Bayern werden die Menschen noch ein Stückchen älter. Der durchschnittliche Hesse ist übrigens 43,7 Jahre alt, wobei Frauen mit 44,9 Jahren um zweieinhalb Jahre älter sind als Männer. Die "jüngste" Stadt Hessens ist Gießen, wo vor allem viele Studenten leben. Die "älteste" Stadt ist Bad Orb, eine Kurstadt.

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Weil gleichzeitig aber auch die Geburtenrate auf niedrigem Niveau stagniert, erhöht sich damit auch stetig der Anteil der Älteren in der Bevölkerung. Allerdings ist die Verteilung in Hessen recht unterschiedlich. Im Norden und Osten des Landes ist rund jeder vierte Bewohner über 65 Jahre alt. In den großen Städten liegt der Anteil hingegen deutlich unter 20 Prozent.

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Interessant ist vor allem die Entwicklung im Zeitverlauf. In der Grafik unten werden die Bevölkerungsentwicklung und der Anteil der Generation Ü65 in allen 426 hessischen Städten und Gemeinden gegenüber gestellt. Mithilfe des Achsenkreuzes in der Mitte lassen sich die Kommunen in verschiedene Kategorien einteilen. Im Quadrat links oben befinden sich Kommunen, die in den vergangenen 25 Jahren an Bevölkerung verloren haben UND wo der Anteil der Älteren zugenommen hat. Rechts unten das Gegenteil: Diese Städte sind besonders dynamisch. Sie sind gewachsen und zugleich jünger geworden. Dies betrifft allerdings nur Gießen, Frankfurt und Kassel.

Der Großteil der Kommunen - darunter nahezu das komplette Rhein-Main-Gebiet (rote Punkte) - befindet sich im Quadrat recht oben. Mithilfe des Menüs lassen sich einzelne Landkreise gezielt betrachten. Dabei fällt schnell auf: Während einzelne Landkreise wie Lahn-Dill eine sehr ausgewogenen Struktur haben, sieht die Lage zum Beispiel für Werra-Meißner heikel aus - alle Gemeinden des nordhessischen Landkreises sind älter geworden und haben an Bewohnern verloren.

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Wie viele Kinder bekommen die Hessen?

Die Zahl der Geburten in Hessen steigt seit kurzer Zeit wieder an. Hessenweit erreichte die zusammengefasste Geburtenziffer im vergangenen Jahr einen Wert von 1,5 Kinder pro Frau und lag damit genau im Bundesschnitt. Insgesamt ist das Geburtenniveau aber weiterhin niedrig. Die zusammengefasste Geburtenziffer beschreibt grob gesagt, wie viele Kinder eine Frau im gebärfähigen Alter im Laufe ihres Lebens bekommt. Damit eine Bevölkerug ihren Status Quo ohne Zuwanderung aufrecht erhalten kann, wäre dazu ein Wert von etwa 2,1 notwendig. Am höchsten ist die Ziffer derzeit im Landkreis Groß-Gerau mit 1,66, wie folgende Grafik zeigt.

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Die meisten Babys kamen im vergangenen Jahr in Raunheim zur Welt: Auf 1.000 Einwohner gab es 14 Neugeborene. Am wenigsten waren es mit 2,9 Babys in Weißenborn im Werra-Meißner-Kreis. Kurios: Weißenborn liegt Luftlinie nur gut 30 Kilometer von Neu-Eichenberg entfernt - wo 2015 die drittmeisten Babys auf die Welt kamen (13 pro 1.000 Einwohner). Die Zahl der Geburten pro Gemeinde unterliegt allerdings starken Schwankungen und kann sich von Jahr zu Jahr deutlich ändern.

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Wie bunt ist Hessen?

Von einigen Schwankungen abgesehen, ist der Anteil der Ausländer in Hessen seit der Gründung des Bundeslandes ansteigend. Allerdings ist die Verteilung in Hessen sehr unterschiedlich. Spitzenreiter ist die Stadt Offenbach, wo ziemlich genau jeder dritte Einwohner (33,6%) keinen deutschen Pass hat. Am wenigsten sind es im Werra-Meißner-Kreis: Hier macht der Anteil der Ausländer gerade mal 5,4 Prozent der gesamten Bevölkerung aus. Die größte Ausländergruppe stellen in fast allen Landkreisen Menschen aus der Türkei, wie ein Klick in die Karte zeigt. Nur in den nordosthessischen Regionen Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner stellen Polen die Mehrheit unter den Ausländern.

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Migrationshintergrund der Hessen

Der Anteil der Ausländer sagt jedoch nur etwas aus über die Anzahl der hessischen Bewohner ohne deutschen Pass, nicht aber über den Migrationshintergrund der Menschen. Dieser liegt hessenweit bei 28,4 Prozent. Höher ist der Anteil nur in den Stadtstaaten Hamburg (29,4%) und Bremen (28,8%). Auf Kreis- und Gemeindeebene sind die letzten verlässlichen Zahlen von 2011 und damit veraltet. Aktuellere Daten liegen nur in groben Zusammenfassungen für mehrere Landkreise vor, deren Aussagekraft beschränkt ist.

Viele Städte erheben aber eigenständig Zahlen. Stichprobenartig haben wir bei den größten und einigen ausgewählten Städten den Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund angefragt. Angaben konnten aber nur wenige Städte machen: Bemerkenswert ist der Anteil in Raunheim. Dort haben nach Angaben der Stadt rund 63 Prozent der Einwohner einen Migrationshintergrund. Schon beim Zensus 2011 war Raunheim Spitzenreiter. Damals betrug der Wert noch 54%. In Offenbach hat aktuell 59,5 Prozent der Bevölkerung einen Migrationshintergrund. In Frankfurt (Zahlen von 2014) sind es 49,8, in Wiesbaden 36 Prozent.

Die Hessen und die Bildung

Wie klug sind die Hessen eigentlich? Das lässt sich natürlich nicht so leicht beantworten. Fakt ist, dass immer mehr Hessen eine gute Schulausbildung haben. Der Anteil derjenigen, die die Schule mit Abitur oder Fachabitur beenden ist in den vergangenen 20 Jahren von 26 auf 39 Prozent gestiegen. Damit liegt Hessen vier Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt. Die Art der Schulabschlüsse ist im Bundesland aber noch unterschiedlich verteilt, wie unten stehende Grafik zeigt.

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Die klügsten Hessen leben vielleicht in Bad Homburg. 2,8 Prozent aller Einwohner der Kurstadt sind Mitglied im Hochbegabtennetzwerk "Mensa e.V.", wozu ein IQ von mindestens 130 notwendig ist. Mit diesem Anteil liegt Bad Homburg bundesweit an der Spitze. Ob die Bad Homburger aber wirklich klüger sind als der Rest des Landes oder nur der örtliche Mensa-Verein aktiver ist als andere, bleibt allerdings unbekannt.