Juliane Meyer
Juliane Meyer Bild © hr

Mein interessantester Dreh war...

…ein Film über den Ikonenmaler Christoph Kaiser aus Marburg-Biedenkopf. Ich erinnere mich, schon als ich das Haus betrat, in dem er mit seinem Freund Elvis wohnt, war ich fasziniert und beeindruckt von der Schönheit der alten Ikonen, die Christoph Kaiser gesammelt hatte und von seinen ganz neu erschaffenen Ikonen, die überall im Haus zu finden waren. Wir hörten gar nicht mehr auf zu drehen, auch der Kameramann und der Tonkollege waren hin und weg über den Zauber, der über Kaisers arbeiten lag.

Ob Gottesmutter Maria, der heilige Nikolaus oder Jesus von Nazareth, immer prangten uns einprägsame Gestalten der Bibel in leuchtenden Farben entgegen. Christoph erzählte uns, dass er die Farben für seine Ikonen selbst nach alten Rezepten herstellt, genauso haltbar wie die der alten Höhlenmaler. Schließlich zeigte er uns noch einen Papyrus, auf dem er das Hohelied der Liebe in alter Schreibschrift abgeschrieben und wunderschön illustriert hatte. Was für eine Wahnsinns-Arbeit! Auch das drehten wir natürlich.

Heraus kam ein Bericht für die Hessenschau, der viel Resonnanz bekam. Inzwischen verbindet mich mit Christoph und Elvis eine schöne Freundschaft, über die beiden wurde denn auch mehrmals in den verschiedenen Jahren nach unserem ersten Film berichtet. Ihr kleines Ikonenmuseeum in Marburg-Biedenkopf ist immer einen Besuch wert!

Mein persönlicher Lieblingsplatz (in Hessen) ist …

...das Radom auf der Wasserkuppe, nicht allein wegen des fantastischen Blickes, den man von der oberen Brüstung aus ins Hessenland hat, sondern auch wegen seiner Wandlung, die es mit den Jahrzehnten erfahren hat: während früher im Kalten Krieg die Geheimdienste vom Radom aus den Osten ausspionierten, kann man heute im Radom sogar heiraten. Es ist so schön renoviert, die Kuppel läßt sich zum Sternenhimmel verwandeln, alle Klänge hören sich oben drin ganz magisch an, völlig anders, als in einem gewöhnlichen Raum.

Als die erste Hochzeit überhaupt im Radom stattfand, durfte ich einen Film darüber drehen, und es war für mich ein einzigartig schöner Augenblick.

Ich möchte unbedingt einmal…

...einen langen Film über die Lebenseinstellung der Hippies machen, wenn sie sich einmal im Jahr für eine Woche im Sommer zum Burg-Herzberg-Festival treffen. Ich bin leider zu spät geboren und habe die Flower-power-Bewegung nicht selbst erlebt. Trotzdem fühle ich mich der Hippie-Bewegung verbunden. Freude und harmonisches Miteinander sind das A und O, Musik – na klar, auf vielen kleinen und großen Bühnen – aber auch ein Kinderdorf, das seinesgleichen sucht. Gewalt gibt es während des ganzen Festivals nicht. Wer Burg Herzberg nicht kennt, der sollte sich aufmachen und das gute Gefühl kennenlernen, das diese Menschen miteinander erzeugen und danach gestärkt wieder in den Alltag gehen.