Ein Mann misst an der Werkbank ein Metallteil.
Ein Eritreer sitzt in Frankfurt an einer Werkbank und misst ein Werkstück nach. Bild © picture-alliance/dpa

Die Zahl klingt gering, aber Arbeitsagentur und Ministerium sehen sie als Erfolg: Mehr als 500 Flüchtlinge beginnen eine Ausbildung. Und das, obwohl die duale Ausbildung für viele zunächst nicht attraktiv erscheint.

Integration sei nunmal "kein Sprint, sondern ein Marathonlauf", sagt Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Dienstag. Insofern, das ist damit wohl gemeint, seien die aktuellen Zahlen von der Arbeitsagentur als Erfolg zu verstehen: Unter den derzeit 41.000 Bewerbern auf einen Ausbildungsplatz sind auch fast 2.300 Flüchtlinge, davon etwa 2.000 aus nicht-europäischen Ländern. Und von denen wiederum hatten zum Stichtag im August bereits 551 einen Ausbildungsplatz gefunden.

Die meisten erfolgreichen Bewerber kamen demnach aus Afghanistan (240), gefolgt von Eritrea (115) und Syrien (98). Die beliebtesten Ausbildungsberufe der Geflüchteten: Sanitär-, Heizungs- und Klimatechniker, KFZ-Mechatroniker, Koch, Friseur, Elektroniker und Verkäufer. 746 Kandidaten sind noch auf der Suche, die anderen haben sich für weiteren Schulbesuch, Praktika oder einen ungelernten Job entschieden, berichtet die Agentur.

Arbeitsagentur-Chef ist "optimistisch"

Frank Martin, Leiter der Arbeitsagentur in Hessen, sprach von einem "sehr guten Ergebnis", weil die Vorbereitung auf eine Ausbildung sehr langwierig sei. "Geflüchtete bringen sehr unterschiedliche schulische Kenntnisse mit - je nach Herkunftsland, Bildungssystem oder Dauer der Flucht. Schulabschlüsse und Sprachkenntnisse müssen demnach zeitaufwendig nachgeholt werden", erklärte Martin.

Martin sagte, er sei "optimistisch, dass es gelingen wird, in den nächsten Jahren noch mehr junge Menschen mit einem Ausbildungsplatz zu versorgen". Wie viele das werden, sei unklar, sagte eine Sprecherin der Arbeitsagentur, weil es auch keine Daten darüber gebe, wie viele Geflüchtete überhaupt für eine Ausbildung infrage kommen oder sich dafür interessieren.

Duale Ausbildung schwer zu vermitteln

Die Sprecherin sagte auch, es sei schwierig, den Ausländern das duale Ausbildungssystem in Deutschland nahe zu bringen. Viele der Betroffenen wundern sich über die geringen Löhne während der Ausbildung oder stehen unter Druck, ihre Familien mit ihrem Verdienst mitversorgen zu müssen. "Die wollen ganz schnell Geld verdienen", sagte sie.

Besonders freut sich Wirtschaftsminister Al-Wazir darüber, dass die von vielen Beteiligten getragene Initiative "Wirtschaft Integriert" jungen Flüchtlingen, aber auch Inländern mit sprachlichem Förderbedarf, einen Weg in den Arbeitsmarkt eröffnet habe. Allein aus dieser Initiative werden 200 Teilnehmer in diesem Jahr eine Ausbildung aufnehmen.

Sendung: hr-iNFO, 05.09.2017, 13.00 Uhr