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Links die alte Lahntalbrücke, rechts das neue Bauwerk Bild © Wolfgang Türk (hessenschau.de)

Von der alten A3-Lahntalbrücke bei Limburg sind fast nur noch die mächtigen Pfeiler übrig. Nun ist klar, wann sechs von ihnen mit einem großen Knall verschwinden. Eine der Vorsichtsmaßnahmen dreht sich nicht um die ganz großen Trümmer.

Zug um Zug und ganz unspektakulär haben Bauarbeiter in den vergangenen Monaten die fast 400 Meter lange Fahrbahn hoch über der Lahn abgerissen. Ein kleines Stück der maroden, in den 60er Jahren erbauten Limburger Autobahnbrücke am Südufer bleibt riesigen Abbruchzangen und  Hydraulikhämmern auf einem Vorschubgerüst noch überlassen. Dann hat der Sprengmeister das Wort.

Er wird am 27. August zwischen 8.45 und 9.15 Uhr zur spektakulären Tat schreiten, wie die Landesstraßenbehörde Hessen Mobil auf Anfrage mitgeteilt hat. Die Planer haben bewusst einen Sonntag gewählt, um an der Nordseite sechs Brückenpfeiler mit einer Höhe von bis zu 50 Metern in die Luft zu jagen. Die Auswirkungen auf den Verkehr sollen möglichst gering bleiben.

Zwangspause auch für Radler und Paddler

Denn nicht nur die neue Autobahnbrücke, die Ende vergangenen Jahres direkt nebenan vollendet wurde, muss gesperrt werden. Einzelheiten will Hessen Mobil in den kommenden Tagen mitteilen. Klar ist schon jetzt: Betroffen sind auch die ebenfalls bei Limburg übers Lahntal führende ICE-Strecke Köln-Frankfurt, die im Tal verlaufende Bahnlinie und eine Landstraße. Neben einer Handvoll Häusern wird auch ein großer Teil des nahegelegenen Campingplatzes evakuiert.

Auf dem Lahnradweg geht wegen der Sprengung ebenfalls nichts. Und auch der Kanuverkehr auf der Lahn, einem der beliebtesten Flüsse für Paddler in ganz Deutschland, hat Zwangspause.

Explodierende Wasserkissen

Der Stadt wäre nicht nur wegen dieser Auswirkungen ein anderer Termin als mitten in der Hochsaison lieber gewesen - im Herbst zum Beispiel. Wird der 27. August ein heißer Tag, ist auch mit einer enormen Staubwolke zu rechnen. Die für Brückenneubau wie -abriss in Limburg gleichermaßen zuständige Projektmanagementgesellschaft Deges habe ihre Pläne noch einmal nachgebessert, heißt es aus dem Rathaus.

Um Staub zu binden, ist unter anderem geplant, zeitgleich mit der Pfeilersprengung auch große Wasserkissen explodieren zu lassen. Bei der Sprengung der sechs Pfeiler selbst müssen die Experten nicht zuletzt darauf achten, dass die Trümmerteile nicht in die Lahn fallen. Die übrigen Pfeiler werden auf herkömmliche Weise abgerissen.

Am Ende werden Arbeiter, schweres Gerät und Dynamit mit der alten Brücke rund 25.000 Tonnen Beton aus der Welt geschafft haben. Auftragsvolumen: rund 14 Millionen Euro. Wäre es nach einem Unternehmer aus einem Limburger Nachbardorf gegangen, hätte der Staat das Geld gespart. Doch der kühne Traum, an die Pfeiler Luxuswohnungen zu hängen, hat sich schon lange vor der Sprengung in Luft aufgelöst.